Der politische Sturm im Lörracher Stadtwald hat sich wieder gelegt. Aber nicht alle sind mit dem Forstbetriebsplan für 2026 zufrieden.
Die große Kontroverse um den Lörracher Stadtwald, die sich an massiven Eingriffen in den Jahren 2023 bis 2024 entzündet hatte, setzt sich zwar nicht fort, aber Vorbehalte bleiben. Dies wurde bei der Vorberatung der Forstpläne für das Jahr 2026 im Ausschuss für Umwelt und Technik (AUT) deutlich. Eine Mehrheit des Ausschusses empfiehlt dem Gemeinderat, den Plan anzunehmen.
Demnach soll 2026 wieder deutlich mehr Holz im Lörracher Stadtwald eingeschlagen werden, aber weniger als von von der Stadtverwaltung und von den Forstbehörden ursprünglich gewollt. Grüne und Bürger für Lörrach enthielten sich bei der Abstimmung und blieben so auf Distanz zum Kompromissvorschlag. Die AfD stimmte dagegen.
Was vorgesehen ist
Findet sich auch im Gemeinderat eine Mehrheit, dann werden im Lörracher Stadtwald im neuen Jahr 7100 Festmeter geerntet. Für 2025 hatte der Gemeinderat die Entnahme von Holz noch auf 4200 Festmeter beschränkt. Mit dieser deutlich unter der Zehnjahresplanung liegenden Menge wollte eine Mehrheit darauf reagieren, dass in den Jahren davor massenhaft Sturm und Schadholz die entnommenen Mengen nach oben getrieben hatten. Die Stadtverwaltung für die Eigentümerseite und die Förster des Landratsamts, die im Auftrag der Stadt für die fachliche Betreuung zuständig sind, hätten sich demgegenüber für 2026 gerne wieder im Bereich jener Größenordnung bewegt, die ursprünglich einmal im Zehnjahresplan vorgesehen war. Vonseiten des Forstes sieht man Spielräume, sogar die Notwendigkeit, um mit dem Holzeinschlag wieder nach oben zu gehen. Die These der Förster geht nämlich davon aus, dass ein Holzeinschlag in den von ihnen vorgesehenen Dimensionen den Wald vitalisiere und klimafester mache, indem Fällungen den übrigen Bäumen mehr Raum und Licht geben, so dass diese besser wachsen könnten und stabiler würden.
Was die Räte sagen
Teil dieses Konzepts ist auch die Annahme, dass durch die Verwertung von Holz das Kohlendioxid in Holzprodukten gebunden bleibe. Darüber, inwieweit eine solche Speicherung auch bei noch stehenden, gesunden Bäumen erfolgt und gegebenenfalls über welchen Zeitraum, enthalten die Bewertungstabellen in den Gemeinderatsunterlagen keine Angaben.
Die nun vorgesehene Einschlagsmenge von 7100 Festmetern für 2026 ist ein Mittelweg aus unterschiedlichen Varianten. Forst und Verwaltung machten dabei deutlich, dass sie nicht noch einmal eine so geringe Holzentnahme wie 2025 akzeptiert hätten. Deshalb sei der Wert von 2025 gar nicht erst für die Spannweite einer Kompromissberechnung herangezogen worden.
Daran machte sich in der Diskussion auch die Kritik der größten Fraktion fest. Für die Grünen sagte Fritz Böhler, eine solche Berechnung sei „problematisch“. Die Grünen vermissen außerdem Belege für die Nachhaltigkeit, namentlich für eine nachhaltige Vermarktung des entnommenen Holzes im Sinne regionaler Wirtschaftskreisläufe. Forstbezirksleiter Bernhard Schirmer räumte ohne konkrete Zahlen zu nennen auf Böhlers Nachfrage ein, dass heimisches Holz nur zu einem Teil in der Region und ansonsten überregional oder im Ausland verarbeitet werde. Für die CDU kündigte Stadtrat Bernhard Escher an, man werde den vorliegenden Kompromiss mittragen, und für die SPD sagte Christa Rufer, ihre Fraktion habe „vollstes Vertrauen in die Fachkompetenz der Förster“. Freie Wähler und FDP/Piraten votierten ebenfalls für den Forstbetriebsplan in dieser Fassung.
Unstrittig ist die massive Anpflanzung von klimaresistenten Bäumen. 13 000 Jungpflanzen, überwiegend Eichen, wollen die Förster setzen. Die nun vorgeschlagene Kompromisslösung für 2026 führt zu einem Defizit von etwa 200 000 Euro.
Bürgermeisterin Monika Neuhöfer-Avdic sieht die städtische Forstwirtschaft insgesamt auf einem guten Weg. Nach dem „Misstrauensvotum im vergangenen Jahr“ sei es gelungen, mit Transparenz und Kommunikation Vertrauen zurückzugewinnen.