Douglasien wie diese sind Favoriten im Balinger Stadtwald. Foto: Pavel Iarunichev - stock.adobe.c

Es tut sich was im städtischen Forst: 7400 Bäumchen sollen bis zum Frühjahr neu gepflanzt werden. Spitzenreiter soll die Douglasie sein, wie Forstamtsleiter Christian Beck dem Gemeinderat berichtete. Doch die Sorte gefällt – leider – auch dem Rehbock.

„Die Douglasie ist für den Rehbock attraktiv“, erklärte Beck in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates. Das Tier schubbere daran gerne sein oftmals stattliches Geweih ab – und schade damit der Rinde des Nadelbaumes. Damit die jungen Nachwuchs-Tannen in Ruhe wachsen können, werden die Forstwirte Baumschutz-Gürtel anbringen. „Plastikfrei“, wie Beck betonte.

 

Der Borkenkäfer fühlt sich noch immer pudelwohl unter den Baumrinden

Auch sonst ist jede Menge los im Balinger Wald. Das aber nicht unbedingt zur Freude der Forstwirte: Der Borkenkäfer hat sich im vergangenen Sommer pudelwohl gefühlt und lauert auch jetzt noch unter der Rinde vieler von den Sommerstürmen gefällter Bäume.

„Der Borkenkäfer muss jetzt weg“

„Noch sind nicht alle Waldbesitzer in die Gänge gekommen“, antwortete Beck auf die Frage von Ratsmitglied Uwe Jetter (Grüne), ob die Balinger Forstbetriebe denn auch Privatwaldbesitzer beraten würden, wie denn nach Sturmschäden aufgeforstet werden könne. Ja, die Mitarbeiter kämen dem gesetzlichen Beratungsauftrag nach, so Becks Antwort.

Gleichzeitig monierte er, dass einige Waldbesitzer ihren Pflichten nicht nachkämen und das Sturmholz noch immer in den Wäldern liege. „Der Borkenkäfer muss jetzt weg“, so seine eindrückliche Mahnung.

So viel Holz soll geschlagen werden

Für das kommende Jahr 2025 sieht Beck den Wald gut gerüstet. 14 800 Festmeter Holz sollen geschlagen werden; die eine Hälfte von den städtischen Angestellten, die andere von fremd beauftragten Unternehmern mit deren Harvestern. Der Löwenanteil des Holzes geht an Sägewerke, 800 Festmeter werden für die Bürgerschaft reserviert.

Einen großen Batzen an Arbeit hat den Forstwirten die Erhaltung der Waldwege beschert. Diese seien durch die Stürme und die heftigen Regenfälle unterspült und überschwemmt worden, so Beck. Immerhin: die Preise auf dem bundesdeutschen Holzmarkt hätten im Jahr 2024 wieder angezogen.

Freiwillige Helfer werden 2025 erwartet

Beck rechnet mit einem Umsatz von etwas mehr als einer Million Euro. Abzüglich Personal-, Verwaltungs- und Unterhaltskosten für etwa Geräte käme der Balinger Forst 2025 sogar mit einem Überschuss von etwa 50 000 Euro in der Kasse daher.

Im Stadtwald sieht der Fachmann „erhebliches Potenzial“ – das allerdings gepflegt werden wolle. Die Eibe etwa, sagte Beck, würde ohne die Pflege durch Menschenhand „einfach untergehen“. Viele Helfer erwartet Beck im kommenden Frühjahr. Dann nämlich sollen Freiwillige anrücken, die sich über das sogenannte „Bergwald Projekt“ melden können.

So viel Wald gehört der Kirche

Sie bekommen ein kleines Taschengeld und sollen kostenfrei im Schützenhaus in Ostdorf untergebracht werden. Im Gegenzug sollen die Helfer, die aus dem gesamten Bundesgebiet kommen können, Bäume pflanzen oder Holzarbeiten im Wald erledigen.

„Die Kirche hat Wald und kauft Wald“ – an dieser Aussage von Beck rieb sich Christoph Seisser auf. Der pensionierte evangelische Pfarrer sitzt für die Freien Wähler im Rat. „Die Kirche ist kein Großgrundbesitzer“, sagte Seisser mit einem Augenzwinkern. Er nordete die Zahlen ein: Die Stadt Balingen sei im Besitz von 1600 Hektar Wald – die Kirche vor Ort hingegen lediglich über sieben Hektar. Seisser hat recherchiert: Ja, es wurde Wald gekauft. Vor zehn Jahren, sei das gewesen – ein einziger Hektar. Und das auch nur, weil die Stadt eine Arrondierung eines Waldstückchens angeregt hatte.