Umfassende Holzerntearbeiten im Gemeindewald sorgen für Aufregung in Glatten. Nun soll es einen Waldbegang geben.
„Was passiert gerade im Glattener Gemeindewald?“, nutzte Georg Herbstreuth die Bürgerfragestunde vor der jüngsten Gemeinderatssitzung in Glatten für eine Beschwerde. Das habe mit Bestandspflege nicht mehr zu tun, das sei Raubbau, kommentierte er die jüngsten Forstarbeiten.
Flächen würden niedergemacht, und das nenne sich dann Ausgleichsfläche: Es werde frisch angepflanzt und dann gebe es Ökopunkte, sagte Herbstreuth. Er finde, es sei nicht nachvollziehbar, was da passiere, so etwas habe es in 50, 60 Jahren nicht gegeben.
Da könne er beruhigen, erwiderte Bürgermeister Tore-Derek Pfeifer: Es seien keine Ausgleichsflächen, es gehe tatsächlich um Arbeiten, die die Waldbewirtschaftung als ratsam erachtet habe.
Pfeifer: kritische Flächen, denen Klimawandel zusetzt
Es handle sich um kritische Flächen, die etwa von Baumsterben oder Trockenheit betroffen seien. Und man habe die Waldbewirtschaftung im Gemeinderat ausführlich diskutiert und besprochen. Man werde entsprechend Geld in die Hand nehmen, um den Wald klimaresistent wieder aufzubauen und aufzuforsten. Für fachliche Auskünfte stehe Förster Jochen Armbruster gerne zur Verfügung. Er werde bei Bedarf auch nochmals ausführlich der Öffentlichkeit darlegen, wieso die Arbeiten notwendig seien.
Darüber hinaus fragte Georg Herbstreuth, wie viel Hektar „gesunder Waldbestand im oberen Wald geopfert werden“ müsse für Windräder, die nur zur Pacht und Miete dienten.
Im Endeffekt sei dort oben derzeit ein Windrad auf Glattener Fläche vorgesehen, antwortete Bürgermeister Pfeifer. Für Glatten drehe es sich wohl um etwas mehr als einen Hektar. Auch dort werde danach wieder aufgeforstet. Bei den beiden anderen Windrädern gehe es um Flächen im Eigentum von Privatwaldbesitzern sowie Kommunalwäldern der Gemeinde Loßburg. Er müsse auch noch dazu sagen, dass diese Maßnahme noch nicht genehmigt sei, so Pfeifer weiter.
Sie sei in der Vorwoche „wirklich von sehr vielen Leuten“ angesprochen worden, vor allem zum Holzeinschlag am Panoramaweg und an der Schopflocher Steige, äußerte sich auch Gemeinderätin Karen Lea Koch zum Thema. Zu Waldmaßnahmen an anderen Stellen sei sie ebenfalls gefragt worden.
Sie habe sich überlegt, ob es nicht sinnvoll wäre, einen öffentlichen Waldbegang anzubieten, so die Gemeinderätin. Dabei könne Förster Jochen Armbruster die Maßnahmen erläutern. Man könne diese einfach vor Ort besser erklären, meinte Koch.
Waldbegang auch für Bürger
Er habe sich nicht aufgeregt, sagte hingegen ihr Ratskollege Friedrich Weigold zu den Forstarbeiten. Er habe es als richtig empfunden, „dass da mal etwas durchgegangen wird“. Der Förster habe hier sein vollstes Vertrauen.
Bürgermeister Pfeifer nahm die Anregung zum Waldbegang mit Gemeinderat und interessierten Bürgern auf. Er werde dem Förster den Vorschlag unterbreiten und die Anregung weitergeben.