Christian Beck, hier unterwegs im Wald bei Grosselfingen Foto: Maja Dick

In der Vergangenheit hieß es stets, man brauche wochenlangen Regen, damit sich die Wasserspeicher im Boden wieder auffüllen. In den zurückliegenden Monaten nun verging kaum ein Tag, an dem es nicht regnete. Ein Grund zur Hoffnung?

Geht es um den Grundwasserspiegel, krumme Fichten oder Mortalität unter jungen Hasen – ganz egal: Christian Beck kennt sich aus. Seit 2022 ist er Forstamtsleiter am Landratsamt, und seit 2016 schon für die Wälder im Bereich Balingen zuständig. Beck kennt den Forst im Kreis wie seine Westentasche.

 

Sind denn die Wasserspeicher in unserer Gegend endlich wieder voll, Herr Beck?

Wir haben zwar keine Grundwasser-Messinstrumente, an denen wir das ablesen können. Aber nach den üppigen Regenfällen und der abnehmenden Sonnenintensität, vermute ich das schon. Die nutzbare Feldkapazität – also die Wassermenge, die ein Boden pflanzenverfügbar speichern kann – liegt bei 100 Prozent. Die Bäume kommen ohne besonderen Aufwand an Wasser.

Das ist eine tolle Nachricht!

Oh, ja! So könnte es bleiben.

Manche Kulturpflanzen kommen mit diesem Regen nicht zurecht, sie faulen oder tragen kaum Früchte. Wie ergeht es Wildpflanzen und Bäumen, wenn das Wasser im Wald steht?

Der Wald kommt eigentlich ganz gut zurecht mit dem Regen. Bäume vertragen stehendes Wasser ganz unterschiedlich – wie auch Zimmerpflanzen. In Auen gibt es zum Beispiel Bäume, die Überflutungen gut vertragen. Andere Bäume tun das nicht. Aber länger anhaltenden Überschwemmungen hatten wir hier ja auch nicht. Waldbäume und Wildpflanzen haben keinen Schaden genommen – wie auch immer man Schaden definieren mag.

Und die Tiere des Waldes – leiden die unter den Regenmassen?

Der Regen gehört zur Natur. Ob sich Fuchs und Maus nicht mehr wohlfühlen – schwer zu sagen. Von Hasen aber weiß man, wenn das Frühjahr feucht und kalt ist, sterben viele junge Häslein an Krankheiten. Das ist natürliche Mortalität.

Können sich die unzähligen Fichten, die „kopfüber“ gekrümmt in unseren Wäldern hängen, durch den üppigen Regen erholen, sich wieder aufrichten?

Diesen Fichten hat das heftige Unwetter im August 2023 zugesetzt. Diese Bäume haben Schäden in der Holzstruktur. Eine Zeitlang wachsen die noch so weiter, aber sobald Gewicht drauf kommt – etwa durch Platzregen – fallen sie um.

Was geschieht eigentlich in und mit Ameisenhaufen, wenn der Schauer sie trifft?

Ameisen sind ein arbeitsames Völkchen. Werden einzelne Teile des Haufens abgetragen, reparieren die das wieder. Sie schaffen eine Art Dachstruktur, von der das Wasser abfließen kann. Ähnlich wie Palmwedel eine Strandbar schützen. Kommt ein Hurrikan, fliegt die Strandbar trotzdem weg. Wenn den Ameisen das öfter passiert, suchen sie sich einen besser geschützten Platz und ziehen um.