Ein tückischer Pilz befällt seit 2002 auch in Deutschland Eschen. Der früher so beliebte Baum wird seither zur Gefahr im Wald. (Symbolbild) Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Bei Baumfällarbeiten im Privatwald bei Rottenburg wurde ein 62-Jähriger tödlich verletzt. Ihm wurde womöglich ein gefürchteter Baumpilz zum Verhängnis.

Bei Baumfällarbeiten erlitt ein 62-Jähriger am vergangenen Samstagvormittag (28. Februar) bei Rottenburg so schwere Verletzungen, dass er wenig später in der Klinik starb. Der tödliche Unfall ereignete sich kurz nach 11.30 Uhr, als der Mann gemeinsam mit Angehörigen auf einem Privatgrundstück Bäume fällte. Laut Auskunft von Thomas Hörnig, Leiter der Abteilung Forst im Tübinger Landratsamt, geschah der tödliche Unfall in einem Privatwald nahe der Bronnmühle.Wie die Polizei berichtet, schnellte bei einer Esche ein Teil des Stammes weg und traf den Mann. Er wurde mit einem Rettungswagen in eine Klinik eingeliefert, wo er wenig später an den schweren Verletzungen verstarb.

 

Die Polizei wurde erst nachträglich über den Unfall in Kenntnis gesetzt. Die Klinik habe sich nach dem Tod des 62-Jährigen bei der Polizei gemeldet, sagte am Montag ein Sprecher der Reutlinger Polizeidirektion auf Nachfrage unserer Redaktion. Jetzt ermittelt das Kriminalkommissariat Tübingen zur Ursache des Unglücks.

Bäumefällen ist eine sehr gefährliche Arbeit

Laut Hörnig kommt es bei Baumfällarbeiten immer wieder zu schweren Unfällen. „Bäumefällen ist eine sehr gefährliche Arbeit“, sagt der Leiter des Kreisforstamtes. Nicht von ungefähr müssten Forstwirte eine dreijährige Ausbildung durchlaufen. Gerade bei Eschen sei die Unfallgefahr sehr groß und für Laien unkalkulierbar.

Grund sei das Eschentriebsterben, das durch einen aggressiven Pilz ausgelöst wird. Der aus Ostasien eingeschleppte Schlauchpilz greift die Rinde der Bäume an und lässt sie nach und nach vertrocknen und schließlich absterben. Fachleute gehen davon aus, dass der auch „Falsches Weißes Stängelbrecherchen“ (Hymenoscyphus fraxineus) genannte Schlauchpilz bereits bis zu 90 Prozent der heimischen Eschen befallen hat.

Anrecht auf Beratung für Privatwaldbesitzer

Der Einsatz von schwerem Erntegerät sei im übrigen auch der Grund, weshalb es bei Baumfällarbeiten in Fahrbahnnähe häufig zu Straßensperrungen komme, erklärt der Leiter des Forstamtes im Landkreis Tübingen.

Hörnig sagt, dass Privatwaldbesitzer grundsätzlich „das Anrecht auf Beratung“ durch die staatlichen Forstbehörden haben – „gerade auch bei der Holzernte“. Vor dem tödlichen Unfall am Samstag habe es jedoch „keinen Kontakt zum Revierförster“ gegeben.

Gefährlich nicht nur beim Fällen

Der Pilz namens Hymenoscyphus fraxineus („Falsches Weißes Stängelbecherchen“ als Auslöser des Eschentriebsterbens bedroht europaweit die Bestände an Eschen. Auch durch Fungizide oder andere Pflanzenschutzmittel lässt sich der tückische Pilz nicht eindämmen. Wie die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald auf ihrer Homepage schreibt, wurde er zum ersten Mal im Jahr 2002 in Deutschland nachgewiesen. Seither werde eine „fast dramatisch negative Krankheitsentwicklung in Eschenbeständen jeglichen Alters sichtbar, die sich durch eine schüttere Krone und den Verlust vieler Blätter äußert“. Gefahr droht nicht nur beim Fällen der kranken Eschen. Weil sich in der Krone der befallenen Bäume viel Totholz bildet, können abgestorbene Äste herabfallen und Passanten verletzen. Außerdem führt der Pilz zu Faulstellen im Stamm, wodurch der Baum plötzlich abbrechen kann.