Alles muss raus: An diese üblicherweise für Winterschlussverkäufe geltende Maxime fühlte man sich am Samstag in der Oberstadt erinnert. Drei Forst- und Landschaftsfachbetriebe entfernten im großen Stil Bäume von der steilen Annahalde.
Ahornbäume, Buchen, Eschen, Robinien: Entlang der Annahale wächst eine Fülle verschiedener Baumarten. Leider stellen sie eine Gefahr für die darunter liegende Schienenstrecke der SWEG dar. Etliche Eschen sind durch Pilzbefall geschwächt andere haben geschädigte Kronen oder sind schon etwas morsch. Sie alle könnten zusammenbrechen und auf die Eisenbahngleise stürzen.
Dass darf aber nicht passieren; die Stadt steht in der so genannten Verkehrssicherungspflicht und deshalb wurde schon seit Längerem zusammen mit dem Forstamt darüber nachgedacht, die Bäume zu beseitigen.
Ein ursprüngliches Entfernen der Bäume und deren Abtransport mit dem Helikopter wurden aus Kostengründen (schätzungsweise fast 70 000 Euro) verworfen und so kam am Samstag bei einem großen Arbeitseinsatz ein 100-Tonnen-Autokran der Rottenburger Firma Neu und mehrere Baumkletterer zum Einsatz.
Drei Firmen arbeiten am Samstag Hand in Hand
Unter der Federführung der Bisinger Firma FS-Baumservice arbeiten der Forstbetrieb Hafner aus Balingen und Flieg Landschaftspflege mit ihren Geräten Hand in Hand und entfernten fast 100 größere und kleinere Bäume und viel Geäst aus dem Steilhang. Sie waren bereits am Freitag aktiv geworden und hatten zwei Eschen am jüdischen Friedhof und drei oberhalb des geschotterten Parkplatzes am Eisweiher am Mühlengraben entfernt.
Auch der städtische Bauamtsleiter Hans-Martin Schluck und Revierförster Alexander Bauer schauten sich im Laufe des Tages den Fortgang der Arbeiten an. Der Kran wurde zunächst oberhalb der Annakirche – auf der Freifläche gegenüber der Einmündung der Gruoler Straße – aufgestellt und dann nach ein paar Stunden direkt vor das Kebab-Haus „Ali Baba“ versetzt.
Die durch viele Umleitungen leidgeprüften Kraftfahrer nahmen es weitgehend klaglos hin, dass die Oberstadtstraße wieder einmal für Fahrzeugverkehr gesperrt war, aber weil man den großen Autokran auf der Straße aufbauen musste, ging es nicht anders.
Verkehrschaos wegen schwerem Unfall auf B463
Etwas unübersichtlicher wurde es, als am Vormittag auf der B 463 bei Gruol ein schwerer Unfall mit drei Toten passierte und die Bundesstraße gesperrt war. Einige Autofahrer versuchten, ausgerechnet über die gesperrte Oberstadt auszuweichen.
Die kleineren Äste und Stämme wurden gleich neben der früheren Oberen Apotheke auf einen dicken Haufen gestapelt. Dort wird sie am Montag der Maschinenring Zollernalb-Tübingen mit dem Großhäcksler zerkleinern.
Das Stammholz – Alexander Bauer schätzt es nach Abschluss der Maßnahme auf insgesamt 150 bis 200 Festmeter – wurde in vier bis fünf Meter lange Stücke zersägt und am Zollerblick zwischengelagert. Es wird später verkauft (Abnehmer sind bereits da), so dass auch wieder ein wenig Geld in die Stadtkasse fließt. Aber die Kosten des intensiven Arbeitseinsatzes lassen sich damit natürlich nicht refinanzieren. Förster Bauer schätzt die Maßnahme auf rund 20 000 Euro.
Nächsten Samstag weitere Sperrung
Nächsten Samstag geht’s weiter, dann wird noch einmal ein Bereich der Oberstadt gesperrt – und zwar in Richtung Schulzentrum; dann kommt möglicherweise ein noch größerer Autokran zum Einsatz.
Übrigens: Der Forst wird laut Bauer nach Abschluss der Fällarbeiten in der dann doch recht kahlen Annahalde ein paar Kästen als Nistplätze für Vögel oder Unterschlupf für Fledermäuse aufstellen.