Im Trossinger Stadtwald sollen nächstes Jahr weniger Bäume gefällt werden als dieses Jahr, doch die Pläne könnten erneut vom Borkenkäfer über den Haufen geworfen werden. Foto: Hans-Jürgen Eisenmann

Einen stabilen und widerstandsfähigen Wald hat Klaus Butschle, der Revierförster für den städtischen Forst in Trossingen, als langfristiges Ziel. Doch das dauert lang. Im Gemeinderat berichtete der Fachmann, warum das so ist.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden in Trossingen wie auch andernorts reine Fichtenmonokulturen angepflanzt.

 

Heute ist das Ziel des Forstamtes im Landratsamt Tuttlingen, mehr Vielfalt hineinzubringen.

So ist nächstes Jahr geplant, 2000 Jungbäume im Stadtwald anzupflanzen, wobei hier Tannen, Fichten, Buchen, Eichen, Douglasien und Stieleichen eingekauft werden.

Fällungen wegen Käfer

Bevorzugt werde aber die Naturverjüngung, so Förster Butschle. Der Borkenkäfer wirft alle Planungen der Forstbehörden durcheinander. Ursprünglich sollten in diesem Jahr 3500 Festmeter (Kubikmeter) Holz eingeschlagen und verkauft werden.

Weil aber die vom Borkenkäfer befallenen Bäume schnell gefällt und aus dem Wald gebracht werden müssen, mussten 4924 Festmeter gefällt werden – neun von zehn gefällten Bäume wegen Käferbefalls.

Der starke Borkenkäferbefall lässt nicht nach, Timo Fuchs vom Kreisforstamt sagte klar und deutlich, dass dies auch mit dem Klimawandel zu tun hat, die langen Hitzeperioden stressen die Bäume, die dann ein leichtes Opfer der Schadinsekten werden.

Noch immer sind viele Bäume durch die Trockenperiode 2018/19 geschädigt. Weil nun in diesem Jahr mehr Holz gefällt werden musste als geplant, sollen im Stadtwald nächstes Jahr nur noch 2400 Festmeter gefällt und verkauft werden. Das bringt 137 500 Euro in die Stadtkasse, dem stehen aber auf der anderen Seite 52 200 Euro Kosten für die Holzernte gegenüber.

Für 4500 Euro sollen neue Kulturen angelegt werden, auf einer Fläche von einem Hektar muss Jungbestandspflege betrieben werden. Nachdem die für die Beförsterung durch das Landratsamt fälligen 47 400 Euro abgezogen sind, wirft der Stadtwald im nächsten Jahr letztlich nur 18 000 Euro ab.

Lob von der Bürgermeisterin

Stadtrat Jürgen Vosseler (CDU) erinnerte sich, dass der städtische Forst früher oft 50 000 und mehr pro Jahr abwarf und man den Wald als „das Sparschwein der Stadt“ bezeichnete. Bürgermeisterin Susanne Irion lobte Revierförster Klaus Butschle und das Kreisforstamt für die „hervorragende Waldbewirtschaftung“, die immer geschätzt werde, der Wald sei für die Bevölkerung eine grüne Lunge. „Die Wege sehen toll aus und der Förster schafft ein Bewusstsein für den Wert unseres Waldes“, so die Bürgermeisterin.

Thomas Springer (FDP) wollte vom Förster wissen, welche Auswirkungen die Preissteigerungen bei den Holzhackschnitzeln auf den Stadtwald hat. Butschle berichtete, dass vor allem in der Sägeindustrie und beim Hecken- und Baumschnitt entlang von Straßen Holzhackschnitzel anfallen, aber auch bei der Ernte fauler und kranker Bäume. Auch die Wipfel von Bäumen, die vom Borkenkäfer angefallen wurden, werden zu Holzhackschnitzeln verarbeitet.

Die Sitzbänke bleiben

Ob auch in Trossingen Ruhebänke abgebaut werden, um Waldbesucher von herabfallenden Ästen zu schützen, wollte Gerhard Brummer (OGL) wissen.

„Wenn man die Bäume anschaut, sieht man gleich, ob eine Gefahr besteht“, antwortete Förster Klaus Butschle.

In Nadelwäldern gebe es eigentlich keine abbrechenden Äste, anders als bei Buchen- und Eichenwäldern, wo armdicke Äste herunterfallen könnten. Deshalb würden in Trossingen keine Sitzbänke abgebaut.

Einstimmig billigte der Gemeinderat nach diesen umfassenden Informationen den Wirtschaftsplan für den Stadtwald im nächsten Jahr.