Dem Hüfinger Wald geht es schlecht. Vermehrt stören geschädigte Bäume, wie im Bild entlang des Weges in Richtung Römerbad, das Waldbild. Foto: Rainer Bombardi

Trockenheit, Sturm und Käfer machen Probleme. Hinzu kommt: Die Förster fällen doppelt so viel Holz wie eigentlich geplant gewesen ist. Und die Aufforstung wird deutlich teurer als erwartet.

– Keinen Diskussionsbedarf hatte der Gemeinderat nach der Präsentation des Betriebsplans für Forstwirtschaftsjahr 2024 und des Betriebsvollzugs des Stadtwaldes für das Jahr 2022, deren Genehmigung einstimmig erfolgte.

 

Es zeigte sich jedoch: Hinter, aber auch vor dem Stadtwald liegen keine leichten Zeiten.

Herausforderungen steigen

Im Vorfeld waren die beiden Revierförster Andreas Wolf und Tom Eckert auf die kontinuierlich steigenden Herausforderungen im Forst aufgrund von Witterung und Käferbefall eingegangen, die auch vor dem Hüfinger Stadtwald keinen Halt machen. Sie fordern die Revierforstämter und Forstamtsmitarbeiter in steigendem Maße, weshalb das Revier von Andreas Wolf einen neuen Zuschnitt bekommt.

Wolf leitet in Hüfingen eines der kreisweit größten Forstreviere und tritt in Zukunft einen Teil des Mundelfinger Stadtwaldes an das benachbarte Forstrevier Fützen- Epfenhofen ab. Dort ermöglichte die Neubesetzung der vakanten Leitungsposition mit Revierförster Hannes Wolf diesen Schritt, der mittelfristig für eine Entlastung der beiden bislang auf Hüfinger Gemarkung tätigen Revierförster Tom Eckert und vor allem Andreas Wolf sorgt.

Hiebsatz über Plan

In ihrer Präsentation gingen die Revierförster auf den deutlich über der Planung liegenden Hiebsatz im Jahr 2022 ein, der sich aufgrund Käferbefall und Sturmholz auch in diesem Jahr fortsetzt. „Wir kommen kaum noch zu etwas anderem als Holz zu machen. Das Sturmholz ist demnächst geerntet, aber es stehen noch unzählige Bäume mit Käferbefall im Wald“, hofft Andreas Wolf, dass der Holzeinschlag in diesem Jahr unter der Marke von 25 000 Festmetern bleibt.

Der Betriebsplan war ursprünglich mit einem Holzeinschlag von weniger als der Hälfte an Festmetern geplant. Der erhöhte Einschlag führte zwar unter dem Strich zu einem positiven Betriebsergebnis, das im Jahr 2022 über 300 000 Euro höher als geplant ausfiel. Doch mehr Einschlag bedeute auch höhere Kosten für Betrieb die Aufforstung und die Jungbestandspflege.

Preis kaum zu kalkulieren

Schwerwiegender wirkt sich aus, dass sich nach dem erhöhten Holzeinschlag über mehrere Jahre eine Aufforstung im selben Maße kaum mehr realisieren lässt. „Hinzu kommt, dass sich in der aktuellen Marktsituation der Holzpreis nicht kalkulieren lässt“, ergänzte Wolf. Der aktuelle Preis pro Festmeter liegt 20 Prozent unterhalb der Kalkulation.

In ihrem Bericht gingen die beiden Revierförster zudem auf die Maßnahmen ein, die dazu beitrugen, die ökologische, nachhaltige und soziale Funktion des Waldes zu bewahren und zu erweitern. Exemplarisch führten sie im Bereich Wuhr Aktivitäten im Artenschutz an. Dass sie auf diese Weise das Ökokonto der Stadt um 22 000 Punkte erhöhten, erwähnten sie am Rande.

Sommer hinterlässt Spuren

Vielmehr gingen sie auf die Herausforderungen auf Grund des sich immer schneller ändernden Klimabedingungen ein. Ein trockenes Frühjahr, ein heißer Sommer mit sechs Wochen Grillverbot im Wald und ein milder Winter seien 2022 nicht spurlos am Wald vorbeigegangen. Trotz eines regenreichen Frühjahrs habe sich diese Witterung auch 2023 fortgesetzt, sprachen sie von noch nicht kalkulierbaren Folgen.

Erfreulich entwickelte sich das Interesse am Wald, was vor allem an der hervorragenden Kooperation mit der Lucian-Reich Schule und mit anderen Bildungseinrichtungen liegt. Die Revierförster sahen es als eines ihrer Ziele, den Bildungsauftrag wahrzunehmen und die Funktionen und den Zustand des Waldes im Bewusstsein der Bevölkerung zu manifestieren.

Die Forst-Zahlen

Der Forstbetriebsplan
In Hüfingen plant man für das Jahr 2024 Erträge von 749 100 Euro, die sich vor allem aus dem Holzverkauf und Zuweisungen vom Land ergeben. Die ordentlichen Aufwendungen sind mit 666 800 Euro kalkuliert, die unter anderem für die Pflege, die Bewirtschaftung und Personalkosten aufgebracht werden müssen. Angesichts der zunehmenden Auswirkungen von Klimaveränderungen ist der Betriebsplan mit Unsicherheiten behaftet.