Die Aufgaben für die Mitarbeiter im Albstädter Forst steigen unter anderem wegen Klimawandel und Tourismus. Foto: Roth

Um die wachsenden Herausforderungen zu bewältigen, ändert der Albstädter Forstbetrieb seine Organisationsform. Anlass für diesen Schritt ist auch die angespannte Personallage.

Heiße, trockene Sommer, Borkenkäferbefall, touristische Interessen: „Der Stadtwald steht unter Druck“, formulierte Stadtkämmerin Michaela Wild die aktuelle Gemengelage im Albstädter Forst in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Die Arbeit für die Mitarbeiter im Forstbetrieb werde durch den Klimawandel zunehmend herausfordernder. Da bilde Albstadt keine Ausnahme.

 

Erschwerend komme hinzu, dass derzeit der Leiter der Abteilung Forst der Stadt Albstadt krankheitsbedingt längerfristig ausfalle. Die Folge: Momentan ist in der Abteilung Forst lediglich eine forstlich qualifizierte Fachkraft im Innendienst tätig. Eine fachliche Vertretungsregelung sei nicht gegeben, wie Kämmerin Michaela Wild den Stadträten weiter erläuterte.

Angespannte Personalsituation

Diese Gesamtsituation habe der Verwaltung den Anstoß dazu gegeben, eine Zukunftsstrategie für den Stadtwald Albstadt – die Stadt ist immerhin drittgrößter kommunaler Waldbesitzer im Land Baden-Württemberg – zu erarbeiten. Mit folgendem Ergebnis: Der städtische Forstbetrieb soll künftig in einer neuen Organisationseinheit aufgestellt werden. Hierzu soll ein gemeinschaftliches körperschaftliches Forstamt (KFA) gegründet werden. Dies – so der derzeitige Plan – zum 1. Januar 2027. Bisher ist der städtische Forstbetrieb als Abteilung Forst im Amt für Finanzen und Vermögen angesiedelt.

Kern der Strukturreform: Mit der Gründung eines KFA übernimmt der Albstädter Forstbetrieb die derzeit bei der Unteren Forstbehörde des Landratsamtes angesiedelten hoheitlichen Aufgaben im Stadtwald.

Diese umfassen unter anderem Genehmigungsverfahren als Träger öffentlicher Belange, Fördermaßnahmen, Waldschutz und die Zusammenarbeit mit übergeordneten Behörden. Dazu fällt derzeit ebenfalls die forsttechnische Betriebsleitung in den Zuständigkeitsbereich des Landratsamtes. Eine forsttechnische Betriebsleitung sorge dafür, dass die biologischen Ziele wie Naturschutz und Zuwachs mit den wirtschaftlichen Zielen aus dem Holzverkauf und den gesetzlichen Vorgaben in Einklang gebracht werden, heißt es in der Sitzungsvorlage. Auch diese Aufgabe geht künftig auf das KFA Albstadt über.

10.800 Hektar Wald sind zu betreuen

Heißt: Mit der Strukturreform wird der Albstädter Forstbetrieb eigenständiger. Die neue Organisationseinheit ermöglicht zudem eine Entspannung der personellen Situation. Denn: Voraussetzung für die Umsetzung einer KFA ist die Einstellung eines Mitarbeiters im höheren Dienst. Somit, betont Michaela Wild weiter, wäre eine tragfähige Vertretungslösung geschaffen. Und dies sogar kostenneutral. Warum? Weil die Kosten für diesen Mitarbeiter vom Land Baden-Württemberg getragen werden.

Ohnehin wird die Personalstruktur im städtischen Forstbetrieb derzeit umgebaut. Sechs Mitarbeiter sind 61 Jahre und älter. Als Konsequenz wurde der Pool an Trainee-Mitarbeitern auf zwei erhöht, um für den anstehenden Wandel genügend Nachwuchs an die Stadt Albstadt zu binden. Immerhin: Im Albstädter Forstbetrieb befinden sich zwei Forstwirtschaftsmeister, acht Forstwirte sowie die genannten zwei Trainees für den gehobenen technischen Forstdienst in Ausbildung. Hinzu kommen aktuell im Außendienst 4,5 Revierleiter-Stellen und zwölf Forstwirte in Albstadt, je eine halbe Revierleiterstelle für die Bezirke Bitz und Straßberg sowie 1,5 Revierleiterstellen für den Bezirk Winterlingen. Insgesamt sind inklusive Privatwald, Pfarr-, Stiftungs- und Kirchenwäldern rund 10.800 Hektar Wald zu betreuen.

„Nicht auf dem Holzweg“

Die Gemeinderäte stimmten dem Vorschlag der Stadtverwaltung einstimmig zu. Matthias Strähler von der CDU-Fraktion sprach symbolisch davon, dass sich der Albstädter Forstbetrieb mit der Entscheidung „nicht auf dem Holzweg, sondern auf dem richtigen Weg“ befinde.

Auch für die Stadtverwaltung hat die Gründung eines KFA überwiegend Vorteile: Man positioniere sich durch die hinzugewonnene Autonomie als attraktiver Arbeitgeber, durch die Erschließung von Fördermitteln sichere man den kommunalen Stadtwald als werthaltiges Vermögen und könne lokale Erwartungen der Bürger besser erfüllen.

Viele zusätzliche Aufgaben

In der Sitzung erläuterten die Revierleiter Annette Schmid und Wolfgang Bitzer, was auf den städtischen Forstbetrieb bald zukomme: Zufällige Nutzungen, insbesondere im Zusammenhang mit Schadholz und Kalamitäten, sowie intensivere Kontrollen zur Früherkennung von Borkenkäferbefall führen zu Mehrarbeit. Besonders in Albstadt diene der Wald zudem touristischen Interessen. Traufgänge oder Bikezone – die Aushängeschilder des Tourismusbüros wollen gepflegt sein. Ganz zu schweigen von der Betreuung des Privatwaldes, dem Naturschutz und Aufgaben im Zusammenhang mit der Stadtplanung.

Die Grundlage, dass all diese Aufgaben erfüllt werden können, wurde nach Ansicht der Verwaltung mit der Gemeinderatsentscheidung geschaffen. Dieses „zukunftsorientierte Denken und nachhaltige Planen“, so Kämmerin Michaela Wild, müsse die Prämisse sein.