Mit Leidenschaft für den Wald: Revierleiterin Ina Waidelich (von links), Student Felix Windisch, Sachgebietsleiter Reiner Brechenmacher, die Azubis Olaf Oldenburg, Tobias Schneider, Daniel Stoll und Forstwirtschaftsmeister Johannes Günter. Foto: Vanessa Lehmann

Wie kann der Wald mit den klimatischen Herausforderungen umgehen? Bei einer Waldrandgestaltung von Forst-BW haben Försterin Ina Waidelich, Sachgebietsleiter Reiner Brechenmacher und Forstwirt-Azubis unserer Redaktion mehr erzählt.

Perfektes Pflanzwetter im Pfarrwald bei Schömberg: Die Sonne scheint, der Boden ist noch ein bisschen feucht. Hier pflanzen die Auszubildenden der Ausbildungsstelle Bad Rippoldsau-Schapbach über 300 Pflanzen. Das Ganze geschieht im Zuge der Waldrandgestaltung des Forst-BW Mittlerer Schwarzwald unter der Leitung von Ina Waidelich, Revierleiterin Steinwald.

 

Auf den ersten Blick lässt sich hier noch nicht erahnen, in welchem Ausmaß die Pflanzen blühen werden. Alles wirkt wie eine große Baustelle. Das sei auch für viele Anwohner ein Problem, wie Reiner Brechenmacher, Sachgebietsleiter für den Forstbezirk Mittlerer Schwarzwald, weiß. „Wald ist immer etwas Langsames. Das hier aktiver Naturschutz entsteht, wird meistens komplett ausgeblendet.“

Wozu unternimmt der Forst-BW diese Waldrandgestaltung? „Der Waldrand soll ein Übergang zwischen Wald und dem offenen Land sein“, erklärt Waidelich. Um diesen zu öffnen, werde ungefähr ein Hektar Wald abgenutzt, um dort klimaresistente Baumarten und andere Pflanzen anzusiedeln. Aber auch gesetzlich ist Forst-BW dazu verpflichtet, den Waldrand zu gestalten. Das Landeswaldgesetz Baden-Württemberg legt fest, dass „auf die Anlage und Pflege naturgemäß aufgebauter Waldränder besonders zu achten ist.“

Vielfältige Baumarten

Das große Schlagwort für Ina Waidelich ist der Klimawandel. Baumarten wie die Fichte würden durch die Trockenheit und Hitze immer mehr Schwierigkeiten bekommen. Dagegen bewähren sich die Buche und Lerche. Die Lerche ist laut Waidelich die Gewinnerin des Klimawandels. „Wir sagen: Je mehr Baumarten wir haben, desto besser.“ Auch Sträucher sind im Wald Mangelware, berichtet Brechenmacher. Im Zuge der Waldrandgestaltung werde darauf geachtet: „Wir pflanzen hier jetzt Kirschen, Holunder und Haselnuss.“

Felix Windisch, der im sechsten Semester Forstwirtschaft studiert, erklärt verschiedene Szenarien mit einer Baumarten-Eignungstabelle. Auf dieser lässt sich gut erkennen, dass die Fichte in Zukunft nur noch in sehr hohen Lagen wachsen wird. „So probiert man jetzt schon, den Wald frühzeitig umzubauen und klimaresistente Baumarten einzubringen“, erklärt der Student.

Erhalten, was bereits da ist

Wichtig laut Brechenmacher: „Nicht kopflos Sachen pflanzen. Über die Baumartenauswahl kommen wir einen Schritt weiter.“ Revierleiterin Waidelich erzählt weiter: „Es geht auch irgendwo zurück zur potenziell natürlichen Vegetation.“

Bis vor 20 Jahren seien die Buchen noch aus dem Wald herausgesägt worden. Heute sei klar, dass ein Tannen- und Buchenwald bis in 50 Jahren viel geeigneter sei als ein fichtengeprägter Wald. „Zu 99 Prozent leben wir von dem, was wir haben.“

Junge Leute sind Zukunft

Bei einer kurzen Pause erklärt der Forstwirtschaftsmeister Johannes Günter, dass die Bepflanzung stufig aufgebaut wird. „Bäume wie die Lerche schließen an den Wald an und vorne kommen dann Bäume hin, die nicht so hoch werden.“ Alles werde sehr locker gepflanzt, damit sich dazwischen Begleitvegetation entwickeln kann. „Es ist immer spannend zu schauen, was die Natur selbst macht“, so Günter.

Bei der Bepflanzung arbeiten die angehenden Forstwirte mit verschiedenen Gerätschaften, wie der Auszubildende Daniel Stoll erzählt. Für die Pflanzung tragen die Azubis auch spezielle Schnittschutzklamotten, so Tobias Schneider, Azubi im ersten Lehrjahr. „Ohne Forstwirte könnten wir nichts machen, die jungen Leute sind unsere Zukunft“, weiß Reiner Brechenmacher.

Außerdem eine spannende Information, die der Gebietsleiter teilt: Im Bereich Nordschwarzwald sei die Bepflanzung relativ selten. „In anderen Bundesländern, wo der Wald schon großflächig abgestorben ist, sind es ganz andere Dimensionen.“ Im Schwarzwald gebe es noch eine heile Welt, sagt Waidelich.

Auch Günter bestätigt: „Die Pflanzung spielt sich vielleicht für zwei, drei Wochen im Jahr ab.“ Das Hauptaugenmerk der Forstwirte liege nach wie vor auf der Holzernte. „Unsere Jungs wissen: Das ist ein tougher Job“, so Brechenmacher.

Haselnuss und Holunder für den eigenen Garten

Vielfalt im Garten
Haselnuss- und Holundersträucher eignen sich auch für den eigenen Garten. Die Sträucher sind pflegeleicht und brauchen keine besondere Aufmerksamkeit. Für den Haselnussstrauch wird ein sonniger oder zumindest halbschattiger Platz empfohlen. Dasselbe gilt für den Holunderstrauch. Der Holunder kann im Frühjahr oder Herbst gepflanzt werden, während Haselnuss am besten im Herbst eingepflanzt werden sollte. Unbedingt beachten: Beide Sträucher erreichen eine Höhe zwischen vier und sechs Metern, deswegen genügend Abstand einplanen, falls mehrere Sträucher gepflanzt werden.

Anwuchs-Erfolg
Bei wurzelnackten Pflanzen ist die Ausfallquote laut Waidelich höher. „Die, die schon bewachsen sind, haben einen besseren Start ins Leben.“ Der Anwuchs-Erfolg sei deshalb um einiges besser. Deshalb empfiehlt sie Pflanzen zu nehmen, die bereits einen Wurzelaustrieb haben. Für die Waldrandgestaltung nutzt Waidelich 30 bis 50 Zentimeter große Pflanzen, die zwei bis drei Jahre alt sind.