Wissenschaftsministerin Petra Olschowski (von links), Gerhard Huisken und Karla Pollmann, Rektorin der Universität Tübingen, bei der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes Foto:  

Der Direktor des Mathematischen Forschungsinstituts Oberwolfach, Gerhard Huisken, ist für seine Arbeit und sein langjähriges Engagement mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt worden.

Eine besondere Ehre für Gerhard Huisken, eine besondere Ehre für die Mathematik: Der Direktor des Mathematischen Forschungsinstituts Oberwolfach und Professor der Mathematik an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen hat für sein Engagement und seinen – wie es in einer Pressemitteilung heißt – „nachhaltigen Beitrag für die Wissenschaft“ das Bundesverdienstkreuz erhalten. Die Verleihung fand am 2. Februar im Schloss Hohentübingen statt. Die Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg, Petra Olschowski, überreichte im Auftrag des Bundespräsidenten das Verdienstkreuz erster Klasse.

 

Im Rahmen der Feierstunde sprachen Rupert Klein (Professor an der Freien Universität Berlin und Vorstand der Gesellschaft für Mathematische Forschung), Jürg Kramer (Professor an der Humboldt-Universität zu Berlin und Präsident der Deutschen Mathematiker-Vereinigung) sowie Karla Pollmann (Rektorin der Universität Tübingen) Grußworte. In ihren Ansprachen hoben sie die nachhaltige Bereicherung der mathematischen Gemeinschaft durch Gerhard Huiskens bahnbrechende Forschung sowie seine langjährige Verantwortung in akademischen Schlüsselfunktionen und sein großes Engagement hervor.

Verantwortung in Schlüsselfunktionen

Huisken promovierte 1983 in Mathematik an der Universität Heidelberg. Drei Jahre später folgte die Habilitation. In den darauffolgenden sechs Jahren arbeitete er als Dozent an der Universität Canberra in Australien, bevor er 1992 eine Professur in Tübingen übernahm. Von 2002 bis 2013 war Huisken Direktor am Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik in Golm bei Potsdam und zugleich Honorarprofessor an der Freien Universität Berlin sowie an der Universität Tübingen. Er erhielt Rufe an zahlreiche bedeutende Institutionen wie die ETH Zürich und die Harvard University und war Gastprofessor an der University of California in San Diego, an der Stanford University sowie an der Princeton University. Seit 2013 ist er Direktor des Mathematischen Forschungsinstituts Oberwolfach und zugleich Professor an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen.

Huisken befasst sich mit partiellen Differentialgleichungen, Differentialgeometrie und deren Anwendungen in der Physik. Ein zentrales Thema seiner Arbeit ist die Untersuchung der Verformung und zeitlichen Veränderung von Flächen und Räumen. Viele seiner Arbeiten waren grundlegend für das Verständnis dieses Forschungsgebiets und fanden zahlreiche Anwendungen in anderen mathematischen Disziplinen, in der theoretischen Physik, der Materialwissenschaft sowie in der Computergrafik und Bildverarbeitung. Insbesondere seine Beiträge – gemeinsam mit T. Ilmanen – zur allgemeinen Relativitätstheorie und zum Verständnis des Zusammenhangs zwischen der Masse eines schwarzen Lochs und dem Oberflächeninhalt seines Randes machten ihn international bekannt.

Für seine Forschungsleistungen wurde Huisken 2003 mit dem Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft ausgezeichnet. Er ist Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina sowie der Academia Europaea. Zudem erhielt er eine besondere Ehrung der Amerikanischen Mathematischen Gesellschaft und ist Medaillenträger der Australischen Mathematischen Gesellschaft.

Huisken erklärte im Gespräch mit unserer Redaktion: „Ich bin sehr dankbar für diese ehrenvolle Auszeichnung. Sie ist nicht nur Anerkennung meiner eigenen Arbeit, sondern auch gesellschaftliche Anerkennung mathematischer Grundlagenforschung und des wissenschaftlichen Umfelds, das die Arbeit eines Einzelnen erst möglich macht.“ Er danke allen, die dies ermöglicht hätten.

Ein besonderes Weihnachtsgeschenk

Kurz vor Weihnachten habe er einen Brief aus der Villa Reitzenstein, dem Amtssitz des Ministerpräsidenten, erhalten und zunächst gedacht, es handele sich um eine Einladung zu einem Neujahrsempfang oder etwas Ähnlichem. Als Huisken erkannte, dass es sich um eine Einladung zur Verleihung des Bundesverdienstkreuzes handelte, sei er „total überrascht“ gewesen. Während der Verleihung habe er sich gefragt, wofür genau er die Auszeichnung erhalte – für seine wissenschaftliche Arbeit oder für sein Engagement in den Institutionen.

Denn Huisken hat als Lehrer und Mentor zahlreiche junge Talente gefördert, von denen einige heute selbst herausragende Forscher auf ihrem Gebiet sind. In akademischen Leitungspositionen, Fachgremien und Einrichtungen wissenschaftlicher Selbstverwaltung übernahm er über viele Jahre hinweg Verantwortung. Das Mathematische Forschungsinstitut Oberwolfach unterstützte er bereits lange Zeit ehrenamtlich als Mitglied der wissenschaftlichen Kommission sowie als Mitglied im Trägerverein des Instituts, der Gesellschaft für Mathematische Forschung, bevor er 2013 das Amt des Direktors übernahm.

Wie sich zeigte, war Huiskens Frage keine des Entweder-oder. Ministerin Petra Olschowski erklärte: „Gerhard Huisken ist ein herausragender Wissenschaftler, der sich um die Mathematik und den Wissenschaftsstandort Deutschland in besonderer Weise verdient gemacht hat. Seine Forschung und sein Engagement haben nicht nur die mathematische Gemeinschaft bereichert, sondern auch junge Talente gefördert und unterstützt. Wir sind stolz, dass er sich für den Forschungsstandort Deutschland und insbesondere für Baden-Württemberg entschieden und hier prägend gewirkt hat.“

Der Orden

Der Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland, umgangssprachlich auch als Bundesverdienstkreuz bezeichnet, ist die höchste Anerkennung, die die Bundesrepublik für Verdienste um das Gemeinwohl ausspricht. Der Orden wird für politische, wirtschaftlich-soziale und geistige Leistungen in acht verschiedenen Stufen verliehen. Wer zum ersten Mal ausgezeichnet wird, erhält in der Regel die Verdienstmedaille oder das Verdienstkreuz am Bande.