Das Forschungsprojekt an der Hochschule Furtwangen untersucht die Verbindung von Waldpädagogik, mentaler Gesundheit und Klimaemotionen.
Der Wald tut dem Menschen gut – So weit, so klar. Schließlich werden in Baden-Württemberg jährlich rund 200.000 Kinder etwa in Waldkindergärten oder Waldschulheimen ins Grüne gebracht.
Was für die Entwicklung bei Kindern und deren Verständnis für die Natur funktioniert, gilt auch im Erwachsenenalter: In Deutschland gibt es ausgewiesene Kur- und Heilwälder, und naturbasierte Angebote wie Waldbaden werden immer beliebter. Umso erstaunlicher ist, dass die Bereiche Waldpädagogik und Gesundheitswissenschaft bislang nur wenig miteinander im Austausch stehen.
Hier setzt das Projekt „Wald-Klima-Emotionen“ an, das an der Hochschule Furtwangen von Nicole Weydmann geleitet und gemeinsam mit dem Dialogforum „Miteinander Wald Erleben“ der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) in Freiburg konzipiert wurde. „Klimaemotionen, also die Gefühle, die entstehen angesichts der Schäden, die der Klimawandel für den Wald und somit auch für uns bedeutet, sind bei Erwachsenen wie Kindern ein großes Thema“, sagt die Professorin.
Wald und Psyche
Nun untersucht sie mit ihrem Team, wie Pädagogik und psychische Gesundheit im Zusammenhang mit dem Wald stärker verknüpft werden können. „Im Land Baden-Württemberg gibt es 80 ausgebildete Waldpädagoginnen und Waldpädagogen“, sagt Weydmann. „Bei deren Ausbildung wird die gesundheitliche Perspektive aber noch nicht wirklich berücksichtigt.“ Umgekehrt werden auch Therapeuten nicht mit den Konzepten der Waldpädagogik vertraut gemacht. Mit ihrem Forschungsteam dokumentiert Weydmann zunächst diese „Lücke“: Sie kartographiert, welche Angebote und Konzepte bereits bestehen, welche therapeutischen Ansätze es gibt und identifiziert zentrale Akteure.
Weydmanns Forschungsteam an der Hochschule Furtwangen besteht aus zwei Mitarbeiterinnen, die perfekt zum Projektansatz passen: Charlotte Pfahler arbeitet neben ihrer Tätigkeit an der Hochschule seit zwei Jahren als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Stabsstelle Gesellschaftlicher Wandel der FVA in Freiburg. Ihre Masterarbeit schrieb die Soziologin zum Thema „Klimasorge“ und untersuchte dort unter anderem, was Menschen zu bürgerlichem Engagement bewegt. Pfahler ist die Schnittstelle zur FVA und plant, das Projekt Wald-Klima-Emotionen auch mit den Ergebnissen des Mensch-Wald-Monitors (die laufende Bevölkerungsbefragung der FVA zur Wahrnehmung von Wald und Waldwirtschaft) zu verknüpfen.
Christina Weber ist als Physiotherapeutin und Gesundheitswissenschaftlerin der Bereich Prävention besonders wichtig; in ihrer Thesis zum Thema der Klimaemotion wertet sie Einschätzungen von Waldbesitzenden und Waldarbeitern im Hochschwarzwald aus. „Mich interessiert, inwiefern waldpädagogische Konzepte das Thema mentale Gesundheit bereits aufgreifen, ob es so etwas überhaupt schon gibt“, sagt Weber. Das Projekt soll im ersten Jahr das „Mapping“ des Themas abbilden.
Enge Zusammenarbeit
Bei der systematischen Bestandsaufnahme arbeitet das Team eng mit dem Regierungspräsidium Freiburg sowie dem Haus des Waldes in Stuttgart zusammen. „Wir werden unsere Erkenntnisse im Sommer präsentieren und hoffen, dass wir weiterführend mit zwei Promotionsstellen ins Feld gehen können“, sagt Weydmann.
In weiteren drei bis vier Jahren könnten so auf Basis bestehender Konzepte Formate entwickelt und erprobt werden, die Klimaemotionen erlebbar und besprechbar machen. „Wir möchten Räume entstehen lassen, in denen Klimasorgen nicht länger sprachlos machen, sondern in konkrete Handlungsfähigkeit verwandelt werden können, sagt Weydmann.