Annika Ritter ist Zwilling. Die Rottweilerin musste sich selbst erst finden. Dabei hat sie Eigenschaften entdeckt, die Antworten auf Fragen nicht nur von Zwillingen haben.
Lange Zeit hat sie sich gefragt, warum sie anders ist als ihre Mitmenschen. Annika Ritter ist Zwilling aus Rottweil und hat auf dem Weg zu sich selbst auch zur Zwillingsforschung gefunden. In einem Gespräch mit unserer Redaktion erklärt die Wahl-Zürcherin, wie die Erkenntnisse aus der intensive Beschäftigung mit dem Phänomen Zwilling auf alle Menschen angewendet werden können.
Die Zwillingsforschung sei eine Methode, um menschliches Verhalten zu erforschen. Dabei würden oft genetische Aspekte betrachtet oder die Erziehung verglichen. Bei ihrer Forschung konzentriert sich Ritter aber auf das Innere – das Bewusstsein. Denn: Sie habe selbst lange gebraucht und tiefer in sich hören müssen, um sich selbst zu finden, da sie ihrer Schwester körperlich wie auch im Geiste so ähnlich gewesen sei.
Zwillinge haben bedingungslose Liebe
Bereits im Mutterleib hätten Zwillinge eine gegenseitige Verbindung. Und von klein auf gebe es für sie einen Rückzugsort, um ihre Wahrnehmungen und Gedanken im Alltag zu teilen und zu reflektieren: Als Zwilling sei man nie allein, weiß Ritter.
Sie spricht von einer „bedingungslosen Liebe“, die Zwillinge verspüren. Andere Menschen würden diese bedingungslose Liebe entweder nach einiger Zeit verlieren oder müssten sie erst erlernen, meint sie.
Das habe sie erst mit 27 Jahren mit dem ersten großen Liebeskummer begriffen. Sie sei sich immer sicher gewesen, zu wissen, was Liebe ist. Wenn andere nicht wussten, was Liebe bedeutet, oder ob es Liebe ist, habe sie das nie verstanden. Deshalb würden Zwillinge oft „tiefer aus dem Paradies fallen, wenn die Liebe abhanden kommt“, erklärt sie.
Oft werden Gefühle interpretiert
In unserer Gesellschaft herrsche oft eine „Entweder-oder“-Kultur. Durch das Kategorisieren in „gut und böse“, „schön und hässlich“ „Partner und Familie“ komme es vermehrt zu Trennungen. Die Zwillingsforscherin ist sich aber sicher, dass das reine Gefühl, also ohne die Kategorisierung, die Menschen zu mehr Zufriedenheit und Glück führen könne – ohne Beurteilungen.
Denn: Viele Menschen würden Gefühle interpretieren oder verknüpfen – beispielsweise mit Erfolgen im Job. Doch glücklich sein könne man auch ohne besondere Ereignisse, nur durch das Bewusstsein.
Erst schlechte Zeiten lassen Glück erfahren
Erst wenn Menschen sich auf schlechte Situationen einließen, könne etwas Besseres daraus entstehen. Ritter vergleicht es mit Dreck unter einem Teppich. Erst wenn der Teppich angehoben werden wird, könne darunter geputzt werden. Glück könne man nicht finden, wenn man Schmerzen meide.
Das Bewusstsein sei hierbei etwas Außerkörperliches, das schon immer existiert habe und immer mit dabei sei. Das erkläre auch den Bereich der Telepathie, so die Rottweilerin. Denn wenn zwei Menschen das Gefühl wahrnehmen und sich auf die Person einlassen würden, entstehe eine Verbindung der Seelen. Empathie bedeute Bewusstsein.
Menschen brauchen keine besondere Gabe
In esoterischen Kreisen würde es heißen, dass nur Menschen mit einer besonderen Gabe eine solche Verbindung schaffen würden, doch das sieht Ritter anders. Jeder Mensch, nicht nur Zwillinge oder „Menschen mit einer ‚Gabe‘“, könne durch Bewusstseinstraining – also das Trennen zwischen Gefühl und Interpretation – zu seinem Glück kommen.
Um ihre Forschungserkenntnisse allen zugänglich zu machen, arbeitet Annika Ritter derzeit an einem eigenen Buch mit Namen „Die Twin Perspective“.
Über Annika Ritter
Zur Person
Annika Ritter ist 2010 wegen der Liebe in die Schweiz gezogen. Dort arbeitet sie als Trainerin und Beraterin für Kulturveränderung in Beziehungen und Unternehmen. Dabei nutzt sie kreative und spielerische Tools wie Jodeln und Lego, um das Bewusstsein von „der Esoterik-Ecke auf den Boden zu holen“.