Die Formel 1 erfindet sich in diesem Jahr auf vielen Ebenen neu – gut zu sehen schon beim Auftaktrennen am Sonntag in Australien.
Nie war so viel Umbruch in der Königsklasse des Motorsports. Die Formel 1, die am Sonntag (5 Uhr) in Melbourne in die Saison 2026 startet, wartet mit zahlreichen Neuerungen auf. Eine wilde Jagd in 26 Etappen vor dem Start in die Saison am Wochenende.
Neue Nummer Die Eins: Stolz fährt sie künftig Titelverteidiger Lando Norris spazieren: „Nicht für mich, sondern fürs McLaren-Team.“ Max Verstappen gibt die Zahl mit einem Lächeln ab: Die Drei ist ohnehin seine Lieblingszahl.
Neue Kunden Das Alpine-Team fährt künftig mit Mercedes-Leihmotoren, ein Armutszeugnis für den französischen Automobilhersteller.
Neuer Hersteller Audi sorgt nach der Übernahme des Schweizer Sauber-Teams für ein Duell der Silberpfeile mit dem alten Rivalen Mercedes, obwohl die Ingolstädter Farbe offiziell Titanium heißt.
Neuer Fahrer Arvid Lindblad ist der einzige Rookie in diesem Jahr. Der 19-Jährige von den Racing Bulls hat eine indische Mutter und einen schwedischen Vater, fährt aber mit britischer Lizenz.
Neuer Beifahrer Isack Hadjar, 21, ist nach nur einer Saison auf den Schleudersitz neben Max Verstappen bei Red Bull Racing befördert worden. Durchbruch oder die Lizenz zum Scheitern?
Neuer Teamchef Adrian Newey ist der Designer mit den meisten WM-Titeln und einer der höchstbezahlten Angestellten der Formel 1. Nun ist er in einer Doppelrolle auch Teamchef bei Aston Martin.
Neuer Favorit George Russell galt lange als das größte Mercedes-Talent, hat viel von Lewis Hamilton gelernt, aber nie das Auto für den Durchbruch gehabt. Mit 28 ist der WM-Vierte vom Vorjahr jetzt zum Liebling der Buchmacher geworden.
Gut fürs Driften
Neue Traummaße Die Rennwagen sind kürzer (3,40 Meter) und schmäler (1,90 Meter) geworden, außerdem um gleich 30 Kilogramm leichter. Im Prinzip das, was sich jeder Fahrer wünscht, weil es sich mit wendigeren Autos besser driften lässt.
Neue Motoren Künftig gilt halbe-halbe, Elektromaschine und Verbrenner-Aggregat bringen es zusammen auf um die 1000 PS. Der Sprit muss rein nachhaltig sein. Die Formel 1 will sich mit dieser Offensive weniger angreifbar machen. Elektrotechniker Max Verstappen höhnt: „Wie die Formel 1 auf Steroiden.“
Neuer Deutscher Nico Hülkenberg, 38, erlebt mit Audi seinen x-ten Frühling im Herbst der Karriere. Weitere Talente bisher Fehlanzeige. Bis auf Devin Titz aus Bönen in Nordrhein-Westfalen. Der wurde ins neue Mercedes-Juniorteam aufgenommen. Ist aber erst elf.
Neuer Sound Sechszylinder und E-Maschine werden nie wie Zehnzylinder klingen, aber das für die Fans so wichtige Geräusch ist wenigstens etwas dumpfer, kehliger als bisher.
Neue Startprozedur Mit den neuen Motoren droht das Chaos, da die Drehzahl hochgezüchtet werden muss, um am besten wegzukommen. Die ersten Übungen bei den Tests endeten im Chaos. Jetzt gibt es fünf Sekunden Vorwarnzeit.
Neue Partner Ferrari funktioniert wie eine rasende Dating-Plattform. Charles Leclerc hat noch kurz vor dem Flug nach Australien seine Verlobte Alexandra Saint Mleux geheiratet, Lewis Hamilton wird verdächtig häufig an intimen Plätzen mit Kim Kardashian gesichtet. Der Rekordchampion sucht aber immer noch verzweifelt einen dauerhaften Renningenieur.
Neue Verträge Neunzig Prozent aller Verträge laufen zum Jahresende aus, Teams wie Fahrer werden ab dem Sommer pokern. Einmal mehr gelten alle Blicke Max Verstappen. Aber der kann in Ruhe abwarten, wie sich die Autos entwickeln.
Neueinsteiger Cadillac ist der elfte Rennstall, der erste neue seit dem Haas-Debüt vor zehn Jahren in Melbourne. Valtteri Bottas und Sergio Perez, beide 36, haben noch ein paar Rechnungen mit der Formel 1 offen. Die Edelreservisten bilden bei Cadillac das erfahrenste Duo.
Durch die Hintertür
Neuer Kandidat Toyota, das sich einst mit Ralf Schumacher und Timo Glock und der Rennfabrik in Köln vergeblich um Grand-Prix-Ruhm mühte, unterstützt das US-Team Haas als technischer Partner und Titelsponsor. Das sieht nach einem Einstieg durch die Hintertür aus.
Neuer Ärger Mercedes hat bei der Verdichtung im Motor einen – legalen – Trick gefunden, der einen gewaltigen Leistungsvorteil bringt. Die Konkurrenz lief Sturm, ein Kompromiss wurde erzwungen – von Juni an gelten gleiche Richtlinien und Messmethoden für alle.
Neue Flügel Die Aerodynamik kommt nicht mehr hauptsächlich vom Unterboden, stattdessen sind die Flügel beweglich, je nach Situation auf der Strecke. Ferraris Heckspoiler kann sogar auf den Kopf gestellt werden.
Neuer Wortschatz Kommentatoren und Zuschauer müssen sich auf Worte wie Boost-Mode einstellen, damit wird die Zusatzpower von noch mal 475 PS bezeichnet, die jederzeit in jeder Runde verfügbar ist, wenn auch nur kurzfristig.
Neues Berufsbild Damit auch genügend Überhol-Überschuss da ist, müssen die Fahrer die Batterien durch spezielle Fahrtechniken aufladen. Das verändert den Stil und droht unübersichtlich zu werden. Vom Vollgas-Artisten zum Energiemanager.
Neuer Bösewicht (gesucht) Christian Horner, der geschasste Red-Bull-Kommandant, bastelt an einem Comeback als Rennstallbesitzer. So lange fehlt der Branche das, was Mercedes-Boss Toto Wolff auf gut wienerisch einen „Oarsch“ nennt. Auch Wolffs anderer Lieblingsgegner, Red-Bull-Konsulent Helmut Marko, steht nicht mehr zur Verfügung.
Neuer Selbstversorger Red Bull Racing baut nicht nur das Auto, sondern auch den Motor selbst, dafür entstand im britischen Milton Keynes mit Hilfe des Ford-Konzerns eine eigene Fabrik. Die Maschine heißt DM 01 – nach dem verstorbenen Firmengründer Dietrich Mateschitz.
Neue Rennstrecke Am 13. September sieht Madrid seinen ersten Großen Preis von Spanien, kommt statt Imola in den Kalender. Die bisherige Piste in Barcelona bleibt, aber im Wechsel mit dem Rennen in Belgien. Zandvoort verabschiedet sich in diesem Jahr.
Die Formel 1 braucht Sicherheit
Neue Sorge Der letzte Grand Prix, der jenseits der Pandemie abgesagt werden musste, war das Rennen 2011 in Bahrain. Jetzt ist der Mittlere Osten wieder Krisen- und Kriegsgebiet, mit den Rennen Mitte April in Manama und Jeddah. Die Formel 1 braucht Sicherheit – und ein paar Wochen Vorlaufzeit.
Neue Lichter Künftig blinken die Rückleuchten nicht nur im Regen, sondern zeigen auch den Ladezustand der Batterie des Vorausfahrenden an: gut für die Überholtaktik.
Neue Verschwörung Die Papaya Rules, der Ehrenkodex von McLaren, bleiben weiter intransparent, und so wird vielleicht auch der Melbournian Oscar Piastri nie erfahren, warum er seinen Teamkollegen Lando Norris zum Titelgewinn vorbeiwinken musste. Nicht mal die Boxengassen-Soap „Drive to survive“ wusste darauf eine Antwort.