Im Sommer 2024 verzauberten Götz Alsmann, Fola Dada und die SWR Big Band das Publikum beim Jazz-Open-Air. Auch das wird es jetzt nur noch alle zwei Jahre geben. Foto: Jana Breuling

Die Stadt will Kosten und Personalaufwand sparen und setzt den Rotstift im Veranstaltungsprogramm an. Sommernachtsklassik und Gauklerfest gibt es nur noch alle zwei Jahre.

Erst kürzlich ist der Rottenburger Veranstaltungskalender erschienen: „Rottenburg erleben!“ im Jahr 2026. In dem Heftchen kann man blättern, solange man will – eines der Highlights, das jedes Jahr Anfang der Sommerferien den Marktplatz füllte, taucht dieses Jahr nicht auf. 2026 wird es weder das Jazz-Open-Air noch die Sommernachtsklassik geben. Der Rottenburger Kultursommer, der nach Corona im Jahr 2022 neben Klassik und Jazz etwa mit Bülent Ceylan und boschnischen Balkan-Beats von Dubioza Kolektiv vier Abende lang den Rottenburger Marktplatz open Air bespielte, fällt dieses Jahr dem Finanzklima-Wandel zum Opfer.

 

Kleiner und regionaler

Es sind die Folgen der Rottenburger Haushalts-Sparbeschlüsse, die sich jetzt im Veranstaltungsprogramm der Stadt niederschlagen. Etliche Feste und Konzerte gibt es künftig nur noch im zweijährigen Rhythmus. Eben zum Beispiel das Jazz-Open-Air und die Sommernachtsklassik. Die sind künftig nur noch in ungeraden Jahren, also erst wieder 2027. In geraden Jahren gibt es ein räumlich kleineres Event, mit regionalen Protagonisten: Kultur im Zwinger. Diesen Sommer tritt an dem lauschigen Plätzchen an der Stadtmauer am Donnerstag, 23. Juli, der Kabarettist Bernd Kohlhepp auf. Am Freitagabend gehört die Bühne jungen Künstlern aus Rottenburg. Am Samstag ist kubanische Nacht und am Sonntag stellt die Stadtbibliothek literarische Highlights zum Sommer vor.

Die Sommernachtsklassik gehört zu den kostenintensiven Veranstaltungen. Allein die Infrastruktur mit Bühne auf dem Marktplatz kostete im Schnitt 50.000 Euro, gibt die städtische Sprecherin Birgit Reinke Auskunft. 2025 dauerte der (Kultur-)Sommer auf dem Marktplatz vier Tage: mit Rathausparty, zwei Konzerten und einem Gastspiel des Theaters Lindenhof. Für letztere drei Veranstaltungen wurde Eintritt verlangt. Trotzdem habe die Stadt pro zahlendem Besucher zwischen 20 und 60 Euro draufgezahlt, so Reinke.

Einen zweijährigen Rhythmus verordnete die Stadtverwaltung auch dem Gauklerfest. Das Spektakel wurde einst vom Handels- und Gewerbeverein ins Leben gerufen, um den verkaufsoffenen Sonntag Anfang Mai zu flankieren. Mit großem Erfolg: Das Gauklerfest ist ein Publikumsmagnet und zieht jedes Frühjahr tausende Schaulustige in die Stadt. Als der HGV personell schwächelte und der langjährige Mitorganisator Peter Weingärtner von Bord ging, übernahm die städtische Tochterfirma WTG die Organisation. Diese wurde, wie berichtet, jüngst wieder in die Stadtverwaltung eingegliedert. Für die Organisation der Veranstaltungen ist jetzt wieder das Kulturamt zuständig.

Die Stadtverwaltung will nicht nur Kosten, sondern auch Personalaufwand einsparen. Das Gauklerfest ist in der Vorbereitung sehr arbeitsintensiv. Künftig bespielen die Spaßmacher Rottenburgs Gassen nur noch in geraden Jahren – sprich: dieses Jahr und dann wieder 2028. In den ungeraden Jahren gibt es den Blaulichttag auf dem Eugen-Bolz-Platz – mit Vorstellung und Vorführungen des THW, DRK, DLRG, Polizei und Feuerwehr.

Thema bei der Haushaltsklausur

Das Fest der Nationen steigt erst wieder 2027, und immer in ungeraden Jahren. Im Schänzle präsentieren sich dort Vereine und Gruppen, mit Musik, Tanz und leckerem Essen. Auch hier leistete, neben den Vereinen, die Stadtverwaltung einen großen Teil der Organisation.

Schließlich macht auch der Bürgerempfang nach diesem Jahr eine Pause. Erst 2028 werden wieder verdiente Ehrenamtliche ausgezeichnet.

Veranstaltungen künftig im zweijährigen Rhythmus zu organisieren, war unter anderem Thema bei der Haushaltsklausur des Gemeinderats im Mai 2024. Aus dem dortigen Stimmungsbild erarbeitete die Stadtverwaltung Vorschläge, die dann unter anderem im Betriebsausschuss der WTG besprochen wurden. Einen thematischen Gemeinderatsbeschluss dazu habe es nicht gegeben, so Reinke. Weil die Kosten und auch die Einsparungen jedoch im Haushalt abgebildet werden, habe das Gremium mit dem Haushaltsbeschluss auch diesen Änderungen zugestimmt.

„Wir bedauern das sehr“, sagt der Vorsitzende des Kulturvereins Zehntscheuer, Philipp Amelung, zum geschrumpften Konzertangebot. Schließlich sei die Sommernachtsklassik „ein Baby des Kulturvereins“. Auch nachdem die Stadtverwaltung die Organisation und das finanzielle Risiko der Veranstaltung übernommen hatte, war der Kulturverein für das künstlerische Konzept des Sommer-Open-Airs zuständig. „Wir haben aber Verständnis dafür, dass in der derzeitigen finanziellen Situation alle ihren Beitrag leisten müssen.“ Es gebe aber auch Stimmen im Verein, die davor warnen, dass an der Kultur immer weiter gespart werde. Der Verein hofft gleichzeitig, dass mit dem zweijährigen Rhythmus die Sommernachtsklassik womöglich wieder im früheren, etwas aufwändigeren Format zurückkehren kann: mit mehr eingedeckten Tischen und Catering am Platz. Von vielen Konzertbesuchern wurde dieser festliche Rahmen sehr geschätzt.

Verständnis auch beim Rottenburger Handels- und Gewerbeverein für die Einsparungen beim Gauklerfest. Die Händler und Gastronomen sind „erleichtert, dass eine Lösung gefunden wurde, um das Fortbestehen dieser überregional bekannten und beliebten Veranstaltung zu garantieren“. Das Gauklerfest sei „ein wichtiger Frequenzbringer“, der zweijährige Turnus ein „tragfähiger Kompromiss“. Er gewährleiste, dass die gewohnte Qualität des Programms beibehalten werden könne. Außerdem ist der HGV zuversichtlich, dass das Fest bei besserer städtischer Kassenlage „wieder in den jährlichen Turnus zurückkehren wird“.

Das Neckarfest wird jedes Jahr gefeiert

Das Neckarfest
bleibt unangetastet. Auch hier gab es zwar die Überlegung, in einen zweijährigen Rhythmus zu wechseln. Es bleibt aber bei der jährlichen Sause links und rechts des Neckars. Ebenfalls jedes Jahr wird es wohl das Sommertheater geben.

Und was ist mit dem Open-Air-Konzert
am Eugen-Bolz-Platz, organisiert von Vaddi-Concerts? Das gab es letztmals 2024 Ende August, mit Callum Scott und Element of Crime. Die Ticket-Verkäufe waren mal besser, mal schlechter.

Ein Hauptproblem
blieb jedoch, dass keine Sponsoren für das Rock am ZOB gefunden werden konnten, sagt Marc Oswald von Vaddi-Concerts. Sie hätten sich deshalb vom Konzertort Eugen-Bolz-Platz zurückgezogen. „Wir bedauern das sehr. Aber wir können uns diese Konzerte nicht mehr leisten.“ Das habe „rein wirtschaftliche Gründe.

Die Zusammenarbeit
mit der Stadt Rottenburg war hervorragend. Wir bleiben mit der Stadt weiter im Gespräch für andere Formate.“