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Folgen der Korruptionsvorwürfe „Major Tom“ geht bei Airbus von Bord

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Der Noch-Chef Tom Enders gehört seit Anbeginn zu dem im Jahr 2000 als EADS gegründeten Luftfahrt- und Rüstungskonzern Airbus. Foto:  

München - Begleitet von Korruptionsermittlungen steht der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern Airbus vor dem größten Führungswechsel seiner Geschichte. Zum einen hat der deutsche Konzernchef Tom Enders erklärt, nach dem Auslaufen seines Vorstandsvertrags im April 2019 keine dritte Amtszeit mehr anzustreben. Zum anderen verlässt mit dem Franzosen Fabrice Brégier, der für das zivile Flugzeuggeschäft zuständig ist, auch die hierarchische Nummer zwei das Haus und das vorzeitig kommenden Februar. Während man beim 59-jährigen Enders von einem geordneten Rückzug sprechen kann, trägt der Abgang des 56-jährigen Brégier die Züge eines Rauswurfs.

Verwaltungsrat setzt sich durch: Enders bleibt bis 2019

Die französische Regierung habe darauf gedrungen, dass beide Topleute Anfang 2018 zeitgleich gehen, sagt ein Insider. Aber der inzwischen staatsfreie Airbus-Verwaltungsrat als oberstes Aufsichtsgremium habe sich dem insofern erfolgreich widersetzt, als Enders seinen Vertrag noch erfüllen kann. Als Nachfolger Brégiers wurde schon Landsmann Guillaume Faury benannt. Der 49-jährige ist derzeit Chef des Helikopter-Geschäfts von Airbus. Die Nachfolge von Enders ist offiziell noch offen.

Brégier hatte sich bis zuletzt hinter den Kulissen als künftiger Airbus-Chef ins Spiel gebracht und macht nun die Rolle rückwärts. „Ich halte die Zeit für gekommen, mich Aufgaben außerhalb des Konzerns zuzuwenden“, erklärte er. „Ich verstehe Fabrices Entscheidung und hätte genauso gehandelt“, kommentierte Enders den Abgang seines Gegenspielers vielsagend.

Es hatten sich Abgründe aufgetan

Zwischen beiden Managern hatten sich zuletzt Abgründe aufgetan. Hintergrund sind Ermittlungen gegen Airbus in mehreren Ländern wegen Korruptionsvorwürfen im Zusammenhang mit zivilen und militärischen Flugzeuggeschäften. Enders hatte sich dabei als rigoroser Selbstaufklärer präsentiert und die Ermittlungen teils per Selbstanzeige von Airbus gegenüber britischen Behörden ins Rollen gebracht. Dabei geht es um dubiose Zahlungen an Vermittler, die Geschäfte mit Passagierflugzeugen eingefädelt haben. In deren Zentrum steht eine französische Airbus-Verkaufsabteilung, die Enders inzwischen hat auflösen lassen. Das war französischen Airbus-Managern ein Dorn im Auge. Sie haben Enders unterstellt, zu rigoros und einseitig aufzuklären.

Dieser Schuss scheint für Brégier nach hinten losgegangen zu sein. Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron habe ihm beim Griff nach dem Airbus-Chefsessel die Gefolgschaft verweigert, sagen Insider. Eine persönliche Verstrickung in dunkle Machenschaften der Vergangenheit wurde Brégier jedoch nicht nachgewiesen und es laufen bislang auch keine Ermittlungen gegen ihn. Unverdächtiger ist aber in jedem Fall die neue Nummer zwei bei Airbus.

Neue Führungsgeneration

„Guillaume Faury steht stellvertretend für unsere neue Führungsgeneration“, sagte Enders. Airbus brauche für die 2020er-Jahre frische Kräfte. Damit ist Faury auch ein heißer Kandidat für die Enders-Nachfolge. Entschieden ist die nicht, stellte der Airbus-Verwaltungsrat klar. 2018 werde man interne und externe Kandidaten für den Posten des Airbus-Chefs prüfen und den rechtzeitig vor der Hauptversammlung 2019 bekanntgeben.

Ein externer Kandidat könnte mit Blick auf die laufenden Korruptionsermittlungen ratsam sein, um die dafür zuständigen Behörden milde zu stimmen und den Willen zum Neuanfang zu unterstreichen. Wegen dubioser Zahlungen beim Verkauf von Passagierjets ermittelt aktuell nicht nur die britische Antikorruptionsbehörde sondern auch die Finanzstaatsanwaltschaft Frankreichs. In einem anderen Komplex laufen in Österreich Ermittlungen im Zusammenhang mit dem Verkauf von Eurofighter-Kampfflugzeugen. Zudem prüfen Staatsanwälte in München ein Verfahren. In den USA drohen Ermittlungen für das Airbus-Verteidigungsgeschäft.

134 000 Beschäftigte per Rundbrief auf mögliche Strafzahlungen eingestimmt

Enders hatte die 134 000 Beschäftigten im Haus zuletzt per Rundschreiben darauf eingestimmt, dass die diversen Ermittlungen in erheblichen Strafzahlungen münden könnten und rigorose Aufklärung verlangt.

Daran hält er nun ausdrücklich fest, auch wenn Enders Tage im Chefsessel gezählt sind. Seine volle Konzentration gelte in den verbleibenden Zeit als Airbus-Chef der Weiterentwicklung von Ethik-Programmen und der Stärkung einer gesetzestreuen Unternehmensverfassung, betonte der um klare Worte nie verlegene Manager.

Wenn der ehemalige Hubschrauberpilot, Ex-Fallschirmjäger und Reservemajor der Bundeswehr im April 2019 abtritt, wird er 14 Jahre in diversen Spitzenpositionen für Airbus tätig gewesen sein, darunter sieben Jahre allein an der Spitze des Konzerns. Im erbitterten Ringen mit der Politik war es dem Sohn eines Schäfers gelungen, bei Airbus den Einfluss von Regierungen zurückzudrängen. Deutschland und Frankreich halten heute nur noch je 11,1 Prozent am Unternehmen, Spanien weitere 4,2 Prozent. Einen Sitz im Verwaltungsrat hat kein Staat mehr.

Andere Wege der Einflussnahme

Es gibt aber auch andere Wege zur Einflussnahme. Staaten wie Deutschland und Frankreich sind große Airbus-Auftraggeber. Die Enders-Nachfolge könne deshalb ein wichtiger Fingerzeig werden, ob Airbus wirklich zu einem normalen und staatsfreien Unternehmen geworden ist, meint ein Insider. „An dieser Frage kann sich vieles entscheiden, es wird spannend“, betonte er.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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