Der Fichten-Anteil geht drastisch zurück: Waldbautrainerin Kathrin Dürr (ForstBW) stellt das Konzept vor Foto: Renz

Trollinger statt Nadelholz? Forstfachleute diskutierten in Pfalzgrafenweiler über die Zukunft der Fichte im Nordschwarzwald. Und da sieht es für diese Baumart wohl nicht so gut aus.

Pfalzgrafenweiler - Bei der Exkursion mit dabei waren Vertreter der Landesforstverwaltung, der Forst BW und der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA). Ausgangspunkt waren Waldflächen bei Pfalzgrafenweiler, die im Jahr 1999 vom Sturm "Lothar" komplett geworfen worden waren. Hier finden sich nach gut 20 Jahren Waldbestände, die von der Fichte dominiert werden.

Die FVA hat auf diesen Flächen eine Reihe an Versuchen gestartet, um das Wachstum der Fichte zu messen. Ulrich Kohnle von der FVA stellte die Messergebnisse vor und kam dabei zu dem Ergebnis, dass sich die Pflege und Reduktion der Pflanzenzahlen auf alle Fälle lohnt. Alles sei besser als nichts zu tun, so der Forstwissenschaftler so Freiburg. Auf ungepflegten Flächen stünden im Vergleich viel mehr Bäume als auf durchforsteten. Die vielen Einzelbäumen schwächten sich aber gegenseitig, sodass die Exemplare auf den durchforsteten Flächen wesentlich dicker und stabiler seien.

Lehren aus "Lothar"

Anschließend wurden die Risiken von labilen Fichtenwäldern diskutiert. Sowohl die anwesenden Förster als auch Wissenschaftler der FVA waren sich einig, dass labile Fichtenwälder sehr anfällig gegen Windwurf, Schneebruch und Käferkalamitäten seien. Daher war der Tenor eindeutig, dass diese Wälder umgebaut werden müssten. Das dies nicht von heute auf morgen stattfinden könne, sei selbstverständlich. Es brauche Zeit, um die Wälder fit für die Zukunft zu machen.

Leider seien in den zurückliegenden Jahren viele klimaresistente Mischbaumarten wie die Eiche oder Tanne im Nordschwarzwald verloren gegangen, da die Rehwildbejagung vernachlässigt worden sei, sagte Forstbezirksleiter Simon Stahl. In seinen Augen sei die Jagd das wichtigste Mittel zum Umbau hin zu klimastabilen Wäldern. Das Rehwild fresse die Triebe der Mischbaumarten ab, sodass deren Wachstum gehemmt werde. Da die Fichte nicht auf dem Speiseplan der Rehe stehe, könne diese dann schneller wachsen und die anderen Baumarten verdrängen. Dies gelte es zu verhindern, um keine Fichtenreinbestände zu erziehen.

Auch einen Blick auf die Baumarten-Eignungskarte der FVA verdeutlichte, dass die Fichte im Nordschwarzwald Probleme bekomme. Ihr Anteil werde auch im Schwarzwald weiter zurückgehen, aber aussterben werde sie nicht. Es werde zwar weniger Fichten im Nordschwarzwald geben, aber in Beimischung zu anderen Baumarten werde sie weiterhin vorkommen. In Folge des Klimawandels drängen Baumarten, die heute in tieferen Lagen beheimatet seien, immer weiter und schneller in höhere Regionen vor, um der Hitze und Trockenheit zu entfliehen. In Höhenlagen kämen die Bäume besser mit dem sich veränderten Klima zurecht.

Klima wie in Südfrankreich?

Prognosen zeigten auf, dass der Nordschwarzwald bis zum Jahr 2100 in Klimazonen rutschen werde, wie sie derzeit bereits in Südfrankreich vorzufinden seien. "Dort befinden wir uns in heißen und trockenen Regionen, in denen Wein angebaut wird. Aber Trollinger wolle man hier nicht anbauen", scherzte Simon Stahl, der auch künftig auf ordentlichen Waldbau im Nordschwarzwald setzten wolle.

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