Die ENRW versorgt in drei Landkreisen mehr als 40 000 Bürger. Im Bild die Verlegung von Versorgungsleitungen am Beispiel einer Baustelle in der Spaichinger Innenstadt. Foto: Schicht/ENRW

Wie wirkt sich der Krieg in der Ukraine auf die Strom- und Gasbeschaffungsmärkte aus? Der Kundenbeirat der ENRW Rottweil hat sich mit dem Thema beschäftigt.

Rottweil - Aufgrund des Krieges in der Ukraine hat sich die Lage an den Strom- und Gasbeschaffungsmärkten weiter verschärft. Auch der Kundenbeirat der Energieversorgung Rottweil (ENRW) hat sich in der vergangenen Sitzung aus erster Hand über die aktuellen Entwicklungen informiert. Außerdem standen das Pilotprojekt "LoRaWAN" sowie Elektromobilität und die damit verbundenen Herausforderungen auf der Agenda.

Sowohl für kurzfristige Lieferungen am Spotmarkt als auch für Lieferungen in den Folgejahren haben sich die Preise vervielfacht, berichtete Steffen Philippin, Abteilungsleiter Handel und Vertrieb bei der ENRW. Für größere Energielieferungen gebe es derzeit teilweise gar keine Angebote mehr. Zusätzliche Unsicherheit sei durch den Ausruf der Frühwarnstufe durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz Ende März am Gasmarkt zu verzeichnen.

Regionale Versorger müssen Kunden in die Grundversorgung übernehmen

Zu den enormen Verwerfungen an den Energiebeschaffungsmärkten kommt noch dazu, dass viele Stadtwerke und regionale Versorger immer mehr Kunden von insolventen Discountversorgern in die Grund- und Ersatzversorgung übernehmen müssen. Die Folge: Preisanpassungen werden für viele Versorger auch im Jahresverlauf nicht zu vermeiden sein. Abhängig von den Beschaffungsmodellen der Energieversorger schlagen selbst kleine Abweichungen oder Mehrmengen von wenigen Prozent gegenüber den Planmengen um das bis zu zehnfache auf die Preise der Versorger durch.

Der Aufsichtsrat der ENRW wird sich laut Mitteilung Ende April mit den Auswirkungen der dramatischen Entwicklung an den Beschaffungsmärkten auf die Kunden der ENRW beschäftigen.

Digitale Übertragung der Zählerstände

Über das Pilotprojekt LoRaWAN für Wärmezähler referierte Christof Bilger, Abteilungsleiter Daten- und Netzservice. LoRaWAN ist die Abkürzung für Long Range Wide Area Network (Netz mit großer Reichweite). Die Technologie ermöglicht beispielsweise die digitale Übertragung von Zählerständen. Die ENRW nutzt diese, um in ihren Fernwärmenetzen Hausen und Charlottenhöhe den Wärmeverbrauch sowie die Vorlauf- und Rücklauftemperatur der Abnehmer per LoRa-Funk zu übertragen. Über vier Gateways am Wasserturm in Rottweil werde eine sehr hohe Funkabdeckung für die Fernwärmenetze gewährleistet. Vorteilhaft sei laut Bilger, dass kleine Datenmengen über eine große Distanz hochverschlüsselt übertragen werden könnten. Die Sensoren würden in der Regel stündlich Daten senden. Durch die genaue Datenlage könne der Verbrauch optimiert und Energie eingespart werden. Weitere Anwendungen seien bei erfolgreichem Testverlauf vorstellbar.

Herausforderungen durch Elektromobilität

Holger Hüneke, technischer Leiter der ENRW, ging auf die Entwicklung der Elektromobilität und auf die Herausforderungen für das Stromnetz der ENRW ein. "Wir haben die Entwicklung der E-Mobilität in den vergangenen Jahren aktiv begleitet und die Netze an die höheren Anforderungen angepasst", erläuterte Hüneke. Auch in den kommenden Jahren rechne er mit einem deutlichen Anstieg der Elektrofahrzeuge, was mit höheren Anforderungen an das Stromnetz verbunden sein werde. Laut einer von der ENRW in Auftrag gegebenen Netzausbaustudie wird beispielsweise im Neubaugebiet und im Wohngebiet "Charlottenhöhe" bis 2030 ein erhöhter Ausbaubedarf prognostiziert. "Um den erhöhten Strombedarf decken zu können, haben wir bereits seit 2010 die Netze auf Basis der Netzberechnungen, Zielnetzplanung und Einbindung der EEG-Anlagen erneuert und ertüchtigt", fasst Hüneke zusammen. Bis 2030 soll eine bedarfsgerechte Anpassung der Übertragungskapazität erfolgen.

INFO

Die ENRW Energieversorgung Rottweil GmbH & Co. KG versorgt in den Landkreisen Rottweil, Tuttlingen und Schwarzwald-Baar mehr als 40 000 Bürger mit Strom, Erdgas, Wärme und Wasser. Als mehrheitlich kommunales Unternehmen kommen die Gewinne den Bürgern in der Region zu Gute. Bei der Stromerzeugung setzt die ENRW ausschließlich auf regenerative Stromerzeugung und Kraftwärmekopplung. Rund 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kümmern sich darüber hinaus auch noch um Bäder, Abwasser und Energieeffizienz.