Die Nachfrage nach elektrisch angetriebenen Fahrzeugen steigt – auch im Kinzigtal. Unser Bild zeigt ein Elektroauto beim Laden an der Ladesäule am Stadthallenplatz in Hornberg. Foto: Kern

Aufgrund der hohen Preise für Benzin steigt die Nachfrage nach Elektro-Fahrzeugen. Diesen Trend spüren auch die Autohäuser im Kinzigtal.

Spritpreise von 2,20 Euro oder höher lassen so manchen Fahrer eines Verbrenners neidisch werden auf alle, die auf Elektroantrieb umgerüstet haben. Während auch die neue von der Bundesregierung beschlossene Regelung, dass Tankstellen nur noch einmal am Tag – um 12 Uhr – ihre Preise erhöhen dürfen, bislang zu keiner Verbesserung der Situation beigetragen hat, bleiben die Preise für das Laden der Elektrofahrzeuge auf stabilem Niveau.

 

Der Energiekonzern EnBW rechnet vor, dass bei den anhaltenden Preisen das Fahren mit dem Verbrenner doppelt so teuer ist als das Fahren mit dem E-Auto. Wechseln nun alle Autofahrer auf einen Antrieb mit Strom? Unsere Redaktion hat bei Autohäusern im Kinzigtal nachgehakt.

Autohaus Lorenz: „Wir spüren den Trend extrem“, sagt Fridolin Bonath, Chef des Autohauses Lorenz in Wolfach. Die hohen Spritpreise und die staatliche Förderung für die Neuanschaffung von Elektro-Autos (siehe Info) spielten eine große Rolle bei der gestiegenen Nachfrage. Hinzu komme, dass der Hersteller Citroën diese Förderung noch einmal verdopple, Kunden also bis zu 12 000 Euro Bonus für den Kauf eines elektrisch Betriebenen Fahrzeugs erhalten. Bonath spricht daher von „sehr attraktiven Leasing- und Kaufangeboten“, die die Nachfrage steigen ließen.

Auf die Lieferzeit für Neufahrzeuge wirke sich das steigende Interesse indes noch nicht aus. Die liege weiterhin bei drei Monaten. Und wie läuft das Geschäft mit Verbrennern? „Weiterhin eigentlich konstant“, meint Bonath. Die hohen Spritpreise ließen die Menschen nicht vor der Anschaffung eines benzinbetriebenen Neuwagens zurückschrecken. Ebenso wenig würden im Autohaus Lorenz aktuell verstärkt alte Benziner verkauft.

Autohaus Kopf nimmt vermehrt Benziner entgegen

Autohaus Kopf: Christoph Kopf vom Autohaus Kopf macht eine etwas differenzierte Erfahrung: „Die Nachfrage ist gestiegen, ich hätte aber noch mehr erwartet“, berichtet er. Zwar vermittle auch das Steinacher Autohaus aktuell Elektro-Autos zu günstigen Konditionen, wie Kopf sagt, die Menschen seien aber dennoch weiterhin verhalten. „Das Interesse ist da, an der Umsetzung hapert es noch. Sie trauen sich nicht so richtig“, meint Kopf.

Der Umstieg auf einen reinen Elektro-Antrieb falle schwer, viele wollten lieber klassisch zur Tankstelle statt an die Ladesäule fahren. „Die meisten landen tatsächlich beim Hybrid“, erzählt Kopf – sozusagen als „Kompromisslösung“ mit subventioniertem Spritverbrauch. Ein Trend, den das Autohaus feststellt, ist, dass vermehrt aktuell Kunden einen Verbrenner ans Autohaus verkaufen. Dabei handele es sich meist um einen Zweit- oder Drittwagen, der den Menschen nun zu teuer sei. „Für uns ist da gut, wir bekommen hochwertige Gebrauchtwagen“, kommentiert Kopf.

Autohaus Lehmann: Auch Florian Lehmann Geschäftsführer vom Autohaus Lehmann in Gutach, macht die Erfahrung, dass sich mehr Menschen Gedanken machen, sich ein Elektro-Auto anzuschaffen. „Es gibt aber keinen riesen Run“, meint er. Auch er spürt unter den Kunden eine gewisse Zurückhaltung, sich vom Verbrenner zu trennen.

Ganz konkret sieht er aber am Beispiel des elektrischen Golfs, dass die Nachfrage für dieses Modell wieder steigt – und damit auch der Preis. Er sei einst weniger nachgefragt und günstiger als der Verbrenner gewesen, das habe sich nun geändert. Allgemein sei aber das Interesse an Verbrennern auch durch die hohen Spritpreise nicht zurückgegangen. Auch die Erfahrung, dass die Menschen ihre Benziner vermehrt zurückgeben, hat Lehmann nicht gemacht.

Info – die Prämie

Insgesamt drei Milliarden Euro stellt die Bundesregierung als Förderprämie für E-Autos zur Verfügung. Beantragen kann diese jeder, der ein Elektroauto neu zulässt – auch rückwirkend zum 1. Januar.  Je nach Einkommen, Haushaltsgröße und Fahrzeugtyp gibt es zwischen 1500 und 6000 Euro. Das Ziel ist sowohl Klimaschutz als auch Wirtschaftsförderung.