Mit Chantal Kopf (Grüne), Martina Kempf (AfD) und Vinzenz Glaser (Die Linke) hat der Wahlkreis Freiburg drei Bundestagsabgeordnete. Wir stellen in einer kleinen Serie alle drei vor.
Wie oft verläuft man sich eigentlich in den Berliner Parlamentsgebäuden, wenn man neu dort ist? Mit dieser Frage haben wir jedes unserer drei Porträts begonnen. „Ich verlaufe mich nicht wirklich so viel“, so Martina Kempfs erste Reaktion. Aber so ganz verlustfrei verlief der parlamentarische Anfang in Berlin auch für sie nicht: „An einem der ersten Tage wollten wir ein Formular abgeben. Wir sind zu dritt herumgelaufen, haben den Ausgang nicht mehr gefunden und mussten eine Mitarbeiterin fragen.“
Ähnlich wie ihre beiden Freiburger Kollegen Glaser und Kopf pendelt auch Kempf in der Regel mit der Bahn zwischen ihrem Wahlkreis und der -Hauptstadt. „Wenn es geht, nehme ich einen durchgehenden Zug, da ist man in 7 bis 7,5 Stunden in Berlin. Man kann durcharbeiten, sich ausruhen, essen gehen. Das hat viele Vorteile.“
Kempf wohnt in Berlin im Hotel
In Berlin lebt die Abgeordnete mehr oder minder aus dem Koffer. „Ich habe ein sehr schönes Hotel in der Nähe des Hauptbahnhofs gefunden.“ Das sei einfacher als eine eigene Wohnung zu finden und unterhalten zu müssen. Die Trennung von Familie und Freunden sei für sie kein Problem: „Meine Familie kommt gut damit zurecht. Ich habe keine kleinen Kinder mehr. Klar, manchmal räume ich am Wochenende daheim noch die Küche auf, aber im Allgemeinen schaffen sie das gut.“
„Ich habe mich schon immer für Politik interessiert, Geschichte und Gemeinschaftskunde waren meine Lieblingsfächer.“ Auch persönliche Lebensumstände trugen bei Kempf zum politischen Interesse bei. Der familiäre Hintergrund, mit Verwandten in der DDR, für die Mitte der 1980er-Jahre der Ausreiseantrag teils noch in eine Haftstrafe mündete, prägte das politische Bewusstsein früh. Heute liegt ihr Fokus auf der Familienpolitik, wie die 61-jährige betont. „Ein Betreuungsgehalt für die ersten drei Lebensjahre für Eltern oder Großeltern wäre ein wichtiger Schritt. Damit wären Eltern nicht gezwungen, nach einem Jahr wieder arbeiten zu müssen.“ Außerdem sieht sie den Schutz des ungeborenen Lebens als zentrales Anliegen ihres Engagements: „Es gibt in Deutschland 100 000 Abtreibungen pro Jahr. Da müssen alle Möglichkeiten geprüft werden, um werdende Mütter in Notlagen besser zu unterstützen.“
Entwicklung der Wirtschaft als Kernproblem
Auf die Frage nach den politischen Zielen ihrer Freiburger Kolleginnen und Kollegen, mit denen sie nicht übereinstimmt, betont sie vor allem mit Blick auf Vinzenz Glaser (Linke) weniger den Inhalt als den Ton: „In seiner ersten Rede hat Herr Glaser unsere Partei als Faschisten bezeichnet. Dafür bekam er einen Ordnungsruf. Diese Aggressivität belastet.“
Inhaltlich sieht die Abgeordnete im Vergleich zu Glaser und Kopf Differenzen bei der Finanzpolitik: „Beide vertreten die Aufweichung der Schuldenbremse. Das lehne ich klar ab.“ Und dennoch gibt es auch Anerkennung: „Immerhin hat Herr Glaser als junger Mann eine Familie gegründet. Und Frau Kopf zeigt ein grundsätzliches Interesse für Umweltschutz. Das teile ich.“
Mit Blick auf die Situation in Deutschland sieht Martina Kempf vor allem die wirtschaftliche Entwicklung als Kernproblem: „Immer mehr Unternehmen wandern ab, gerade in der Automobilindustrie.“ Wenn das weitergehe, könne es für ganz Deutschland „verheerend“ werden. Und nicht nur Jobs gefährden, sondern auch die finanzielle Grundlage für viele weitere politische Projekte.
Welche Überschrift sie gerne einmal in der Zeitung lesen würde, ist die letzte Frage, die wir Martina Kempf stellen. Die Antwort kommt ohne Zögern: „Dass Deutschland sich um Frieden mit der Ukraine und Russland bemüht.“
Die Serie
Drei Abgeordnete hat der Wahlkreis Freiburg bei der vergangenen Bundestagswahl ins Parlament nach Berlin geschickt. Was alle drei eint: Sie sitzen in der Opposition. Doch da enden die Überschneidungen von Chantal Kopf (Grüne), Martina Kempf (AfD) und Vinzenz Glaser (Die Linke) auch schon so ziemlich. Im Porträt unserer Redaktion haben wir allen dreien exakt die gleichen – persönlichen wie auch politischen – Fragen gestellt.
Zur Person
Martina Kempf ist 1964 in Wertheim/Main-Tauber-Kreis geboren. Sie hat in Göttingen, Berlin und Köln Jura studiert und war unter anderem als Beraterin im Umweltmanagement tätig. Kempf lebt in Breisach, ist verheiratet und hat drei Kinder. Von 2019 bis 2024 saß sie für die AfD im Kreistag im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald.