Das Restaurant Fohrenhof in Unterkirnach galt über Jahre hinweg als Vorzeigebeispiel für gelebte Inklusion in der Gastronomie. Seit dem 1. Oktober 2024 ist der Betrieb eingestellt – und eine Nachfolgelösung scheint schwer zu finden.
Am 13. November 2011 wurde das Restaurant Fohrenhof als Teil der Unterkirnacher Hapimag-Anlage feierlich eröffnet. Die Inklusiv gGmbH hatte es sich zum Ziel gesetzt, Mitmenschen mit Behinderung am ersten Arbeitsmarkt zu etablieren.
Die Menschen, die sich damals um Küchenchef Stefan Vogt scharten, waren nicht Angestellte der Hapimag, sondern der Inklusiv gGmbH. Lange hatten der Caritasverband für den Schwarzwald-Baar-Kreis unter der Leitung von Michael Stöffelmaier und die Gemeinde Unterkirnach mit dem damaligen Bürgermeister Gerold Löffler auf die Realisierung des Projektes hingearbeitet.
Stöffelmaier und Löffler zeigten sich damals sehr erfreut darüber, dass Samuel Koch, der als Wettkandidat bei „Wetten, dass...?“ schwer verunglückt war, die Schirmherrschaft für den Fohrenhof übernommen hatte.
Projekt hat ein trauriges Ende gefunden
Gerold Löffler wies bei der Eröffnung 2011 auf die Bedeutung des Resorts und dieser Einrichtung für die Gemeinde hin. Doch dieses einzigartige, innovative und unkonventionelle Projekt, das auf viele erfolgreiche Jahre blicken kann, hat ein trauriges Ende gefunden, denn seit dem 1. Oktober 2024 ist der Fohrenhof dauerhaft geschlossen.
Michael Stöffelmaier antwortet auf Anfrage unserer Redaktion: „Das ‚Aus‘ ist ungemein schade, aber es reicht eben nicht, wenn die Gäste nur in der Hochsaison zu uns kommen“. Die Caritas sei raus und suche keine Nachfolge, er sei aber davon überzeugt, dass es sehr schwer sein wird, einen neuen Pächter zu finden, betont er.
Die Schweizer Hapimag AG erklärt gegenüber unserer Redaktion, dass das Unternehmen seit der Schließung des Fohrenhofs mit Hochdruck daran arbeite, einen Nachfolger zu finden. „Wir haben zur Überbrückung einen Foodtruck engagiert, der dreimal in der Woche vor dem Hapimag in Unterkirnach Essen verkauft“, erklärt das Unternehmen. Das sei jedoch nur eine Notlösung, weshalb weiterhin nach einem neuen Pächter gesucht werde. „Das ist natürlich im Sinne unserer Gäste in der Ferienanlage, aber auch im Sinne anderer Gäste aus Unterkirnach und der Region. Wir wissen aber auch, wie schwer es ist, jemanden zu finden, der unsere Ansprüche erfüllt und der zu unserer Anlage passt“, so das Unternehmen.
Geschichte des Fohrenhofs in Unterkirnach
Altbürgermeister Gerold Löffler erinnert sich im Gespräch mit unserer Redaktion, wie alles begann. Der Gemeinderat habe in der Sitzung vom 3. Juni 2008 mit Zustimmung des Landratsamts beschlossen, sich an einem Integrationsbetrieb, einer gemeinnützigen GmbH, mit fünf Prozent des Stammkapitals von 25 000 Euro zu beteiligen, so Löffler, der zu dieser Zeit Bürgermeister in Unterkirnach war.
Der Gesellschaftszweck dieser gGmbH wurde vor allem durch die Schaffung von Arbeitsplätzen zur Beschäftigung von Menschen mit Behinderung verwirklicht. Insbesondere durch den Betrieb eines Restaurants, aber auch mit künftigen touristischen Dienstleistungsangeboten in Kooperation mit der Gemeinde sollten Arbeitsplätze geschaffen und damit der Gesellschaftszweck verwirklicht werden.
Integrationsbetrieb soll die Lösung sein
„Zunächst war die Betreibung eines gastronomischen Betriebes im Bereich der geplanten Campinganlage Lorenzenhof geplant“, so Löffler. Diese Planung sei sehr arbeitsintensiv gewesen und habe sich leider zerschlagen. „Mein Vorbild war die Gaststätte Himmelreich nahe Kirchzarten. Zusammen mit Michael Stöffelmaier von der Caritas hatten wir die Idee, einen Integrationsbetrieb in der Ferienanlage Hapimag einzurichten“, so Löffler.
Das Hapimag Resort in Unterkirnach war seit 1983 in Betrieb und der Standort stand auf der Kippe. Jost Rossel, Geschäftsführer der deutschen Hapimag Gesellschaft, hatte Löffler klar gemacht, dass die Tage des Hapimag in Unterkirnach gezählt seien. „Es gab viele zähe Gespräche und erst als ich Rossel die Idee eines Integrationsbetriebs mit Restaurant, geführt von der Caritas, vorschlug, wendete sich das Blatt und Rossel war begeistert. Damit hatte diese für unsere Gemeinde so bedeutende Tourismuseinrichtung langfristig Bestand“, fährt Löffler fort.
Er erinnert sich an Workshops und Umbaumaßnahmen und hohe Investitionen. Für gut 600 000 Euro wurde das Restaurant von 100 auf 130 Plätze vergrößert. Es bekam eine neue Küche und einen neuen Außenbereich.
Mehrere Millionen Euro in den Fohrenhof investiert
Insgesamt waren Investitionen in Höhe von mehreren Millionen Euro erforderlich, die zum größten Teil von der Hapimag getragen wurden, da auch die Apartments im Hotelbereich renoviert wurden und ein neuer Anbau für das Restaurant gebaut wurde.
Ein ganz großer Fördergeber sei die „Aktion Mensch“ und der Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Württemberg gewesen, die Hauptgesellschafterin war der Caritasverband mit 75 Prozent des Stammkapitals. Ein weiterer Gesellschafter war die Firma Gebäudereinigung Willi Weis & Sohn GmbH aus Niedereschach, die sich mit 20 Prozent am Stammkapital beteiligte.
Und jetzt? Löffler hofft sehr, dass sich ein Pächter für den Fohrenhof findet und bedauert er, dass der Inklusionsbetrieb unter der Caritas nicht mehr besteht.