Die 26-jährige Josephine Crocoll ist die Forstrevierleiterin im Bereich Vöhringen – Bergfelden und erfüllt sich damit einen Traum.
Dass Josephine Crocoll eines Tages ihr eigenes Forstrevier leitet, davon hat sie schon als Kind geträumt. „In Freundebücher habe ich als Berufswunsch immer Försterin oder Tierärztin geschrieben“, sagt sie lachend. Dass es Ersteres wurde, liegt auch irgendwie in der Familie. Schließlich waren schon ihr Uropa und Opa beruflich im Forst unterwegs, zudem der Vater.
Josephine Crocoll, die ursprünglich aus Orsingen-Nenzingen nahe Stockach kommt, besuchte das agrarwissenschaftliche Gymnasium in Radolfzell, ehe sie zum Studieren nach Weihenstephan in Bayern ging. Als Trainee sammelte sie danach Berufserfahrung in Biberach.
Raus in die Natur
Als die Stelle im Landkreis Rottweil frei wurde, fiel die Entscheidung schnell. „Mir war immer klar, dass ich nicht im Innendienst arbeiten, sondern mein eigenes Revier möchte“, sagt sie. Und so beerbte sie Mitte September 2022 den in den Ruhestand eingetretenen Johannes Moch.
Die anfängliche Besorgnis, dass es allein im Wald doch mal einsam werden könnte, war schnell verschwunden. „Hier hat man so viele Aufgaben, dass man immer beschäftigt ist.“ Außerdem treffe sie immer wieder Menschen, mit denen sie ins Gespräch komme, sagt Crocoll.
Als Revierleiterin im Bereich Vöhringen – Bergfelden betreut die 26-Jährige rund 1700 Hektar Wald. Dazu zählen neben dem Kommunalwald etwa 350 Hektar Privatwald in Vöhringen, Wittershausen, Bergfelden, Renfrizhausen und Mühlheim.
Böden sind eine Herausforderung
Mit das Schönste am Beruf sei die Vielseitigkeit. Holzernte, Beratung der Privatwaldbesitzer, die Pflege der Jungbestände, Neupflanzungen, Naturschutz – Aufgaben hat sie einige. Gerade habe man im Revier den Einschlag im Rahmen der Winterholzernte abgeschlossen, erzählt sie. Wegen des guten Holzmarktes im ersten Quartal habe sie möglichst viel einschlagen wollen. Schließlich sei Holz ein wertvolles Gut. Zudem unterliege der Holzpreis stets Schwankungen und werde bald aufgrund einer Schadholzschwemme am Markt sicher wieder niedriger.
Parallel sind die Pflanzungen von Eichen und Winterlinden sowie auf einer kleineren Fläche von Walnussbäumen, Kirschen und Esskastanien in den letzten Zügen.
Eine Herausforderung in ihrem Revier sind laut Crocoll die Tonböden – nicht nur für die Bewirtschaftung mittels schwerer Maschinen, sondern auch für die Pflanzung neuer Arten. Denn der Boden schränke die Baumwahl stark ein.
Ein Baum, der gut mit den Böden klarkommt, ist die Tanne, von der es im Kreis Rottweil besonders viele Exemplare gebe. Die schmecke aber leider auch dem Rehwild sehr gut, ebenso wie neue, seltene Baumarten übrigens. Verbiss sei – nicht nur hier im Landkreis – ein großes Problem.
Wald klimastabiler machen
Eine der zentralen Aufgaben im Forst sei, den Wald über eine Baumarten-Mischung klimastabiler zu gestalten, erklärt Josephine Crocoll. Denn der Klimawandel hinterlasse immer deutlicher seine Spuren. So gerieten beispielsweise immer mehr Fichten in den Trockenstress und würden dann im geschwächten Zustand auch noch vom Borkenkäfer befallen. Neben Fichten seien auch Tannen und Buchen betroffen, zudem Eschen, von denen es aber in ihrem Revier nicht mehr so viele gebe.
Viel Zeit in Anspruch nimmt das Schadholz-Monitoring, das bald wieder ansteht. Dann durchstreifen Crocoll und vor allem die Waldarbeiter „ihren“ Wald und trägt alle befallenen Bäume in eine Karte ein. Diese werden dann schnellstmöglich gefällt. „Bis September/Oktober rennen wir dann nur den kaputten Bäumen hinterher“, sagt Crocoll mit Bedauern.
Kommunikation ist das A und O
Die 26-Jährige fühlt sich hier übrigens pudelwohl. Der Umstand, dass sie als Frau im Forst arbeitet, bereite nur selten Schwierigkeiten. „Natürlich gibt es manchmal etwas Skepsis, und man muss sich vielleicht etwas mehr beweisen“, sagt sie. Das bereitet der jungen Frau, die in ihrer Freizeit auch auf die Jagd geht, Sport treibt und ihren Jagdhund Loisl ausbildet, jedoch keine Probleme.
Teamarbeit und Kommunikation seien das A und O, dann komme man gut zurecht, sagt sie. Und eins zeige sich schon bei den aktuellen Studenten: Künftig werde man im Wald deutlich mehr Försterinnen begegnen.