Revierleiter Christian Junele stellte im Gemeinderat Maßnahmen zur besseren Wasserrückhaltung im Wald vor – von Dohlen an Wegen bis hin zu klimaresistentem Mischwald.
Der Revierleiter Christian Junele hat im Gemeinderat über ein Seminar zum Thema „Wasserrückhaltung im Wald. Potenzialerkennung und Verbesserungsmaßnahmen“ berichtet. Im vergangenen Jahr war es erklärter Wunsch des Friesenheimer Gremiums über die Möglichkeiten der Wasserrückhaltung im Wald informiert zu werden.
Zuvor hat Förster Junele einen Sachstandsbericht vorgelegt. Erstmals nachdem Orkan Lothar große Teile des Baumbestandes zerstört hat, verbucht der Waldbetrieb einen Überschuss im Waldwirtschaftsjahr von 45.000 Euro. Bürgermeister Erik Weide sprach von einem „historischen Gewinn“. Dank gelte dem gesamten Team im Wald. Außerdem erhalte die Gemeinde eine Förderung für die im Juli geplante Kalkung des Waldes in Höhe von gut 121.340 Euro bei Gesamtkosten von 134.800 Euro.
Dem Friesenheimer Wald müsse in der aktuellen Situation und auf lange Sicht geholfen werden. Wassermangel führe zum Absterben von Baumbeständen. Ausgetrocknete Böden machten die Bäume anfällig für Käferbefall. Aktuell sei wieder ein Trockenjahr zu verbuchen. Käferbefall führe zu Vermögensschäden, so Junele.
Abstände zwischen Dohlen sollen reduziert werden
Unterstützung leiste das Team im Wald über konsequente Schutzmaßnahmen. Nicht mehr alle 200 Meter, sondern alle 80 bis 100 Meter sollen Dohlen an den Wegrändern eingefasst werden und so das Wasser nach Regenfällen über Betonrohre unter dem Weg in die Fläche ableiten. Junele sprach von einer dezentralen Wasserrückhaltung. „Es kommt nur jeder elfte Liter durch das Kronendach auf dem Boden an. Den Rest schlucken Blätter und Nadeln“, erklärte der Förster.
Der Wald wirke wie ein Schwamm und damit ausgleichend auf den Wasserhaushalt. Starkregenereignisse ließen sich durch dezentrale Wasserrückhalte nicht verhindern, aber deren Zulaufgeschwindigkeit ließe sich verzögern. Mit 78 Kilometern Waldwegen sei das Wegenetz im Friesenheimer Wald ausgereizt. Wegebau führe zu verstärktem Oberflächenwasserabfluss. Umso wichtiger seien die Wegedurchlässe mit Dohlen, damit das Wasser im Wald bleibe und in den Böden versickere.
Grundsätzlich sorgten Bäume für eine Stärkung des Wasserrückhalts. Nach der Fällung von Bäumen aufgrund von Käferbefall sei deshalb eine Aufforstung unumgänglich. Außerdem verringerte eine frühe Versickerung im Waldboden Schäden durch Erosion an den Wegekörpern, was die Wegeunterhaltungskosten eindämme. Wasserableitung in den Waldboden führe zu mehr Bodenfeuchte und damit zur Grundwasserneubildung.
Einem zentralen Wasserrückhalt erteilt Förster eine Absage
Einer zentralen Wasserrückhaltung im Friesenheimer Wald erteilte Junele eine klare Absage. Stillgewässer entpuppten sich schnell zu Bürokratiemonstern. Dies sei kein Thema für den Wald, weil nicht stemmbar, zu teuer und kaum umsetzbar. Zu hoch sei der behördliche Aufwand mit geringerem Nutzen. Vielmehr nutze der Förster mit seinem Team die waldbaulichen Möglichkeiten des Wasserrückhalts. Teil dieses Rückhalts sei auch die Naturverjüngung, die ebenfalls den Wasserrückhalt positiv beeinflusse.
Hinzu komme die Baumartenvielfalt mit Flach-, Tief-, und Herzwurzlern, um die Bodenwasserspeicher in der höchsten Effizienz auszunutzen. Bodenschutz führe ebenfalls zu Wasserrückhalt, was eine bodenschonende Holzernte bedinge. Befahren wird ausschließlich auf Rückegassen.
Über Mischbaumarten werden Humusformen gesteuert. Bodenlebewesen förderten zusätzlich die Leistungskraft eines fähigen Waldbodens. Begleitgräben in Wegen führten ebenfalls zu kontrolliertem Wasserabfluss in die Fläche. Ein sogenanntes Dachprofil auf dem Waldweg führe einerseits zur Wasserführung in den Waldgräben und entlang der talseitigen Öffnung zum Abfluss in die Fläche.
Orkan Lothar setzte Zeitzeichen für einen konsequenten Waldumbau. Klimaresistente Bäume wurden gepflanzt und das Mischungsverhältnis Laub- und Nadelholz liegt heute bei 60 Prozent Laubholzanteil und 40 Prozent Nadelholzanteil. Vor „Lothar“ war es umgekehrt.
Personal
Aktuell beschäftigt der Forstbetrieb fünf Mitarbeiter, davon drei in Vollzeit, eine Person arbeitet 60 Prozent und eine weitere 80 Prozent. Ein Auszubildender befindet sich im letzten Ausbildungsjahr, ein weiterer kommt ab September hinzu. Von fünf Stammarbeitern wird einer demnächst in den Ruhestand verabschiedet.