Iris Jehle unterstützt mit ihrem Förderverein „Animas Pfötchenhilfe“ notleidende Hunde in Rumänien. Mehr als 700 Vierbeiner sind in dem Tierheim in der Stadt Campulung derzeit untergebracht. Medizin, Futter und Löhne zu zahlen, ist ein finanzieller Kraftakt.
Krank, misshandelt, herrenlos: 700 Hunde leben derzeit im Tierheim „Asociatia Anima“ in der rumänischen Stadt Campulung. Streuner sind im dem Land stark verbreitet.
Im Tierheim erhalten sie medizinische Versorgung, eine Kastration, Futter und einen Platz im Zwinger – auf engstem Raum mit zahlreichen Artgenossen.
„Für mich hört Tierschutz nicht an der Grenze auf“, erklärt Iris Jehle im Gespräch mit unserer Redaktion. Die 56-jährige Schwanauerin hat es sich zur Aufgabe gemacht, mit ihrem 2020 gegründeten Förderverein „Animas Pfötchenhilfe Campulung“ vor Ort die Versorgung der Hunde zu gewährleisten – in erster Linie in Form von Spenden, mit denen Tierarztkosten, Futter und Mitarbeiter bezahlt werden.
Sie adoptierte ihren ersten Hund 2010
Jehle selbst hat ihre erste rumänische Hündin 2010 adoptiert, seit 2013 unterstützt sie das Tierheim „Asociatia Anima“ und war 2015 das erste Mal selbst dort. „Ich war erschüttert“, berichtet sie. Nun reist die Schwanauerin jedes Jahr zwei bis drei Mal nach Rumänien und packt vor Ort mit an. „Rumänien ist fast meine zweite Heimat“, schwärmt sie. Jedes Mal, wenn sie das Tierheim besuche, freue sie sich darauf, die Hunde und die Mitarbeiter wiederzusehen.
„Wenn ich dann vor Ort bin, funktioniere ich nur. Weinen bringt einen nicht weiter. Erst wenn ich wieder daheim bin, kann ich alles verarbeiten“, berichtet sie. „Das Tierheim dort kann man nicht mit einem in Deutschland vergleichen. Im Winter zieht die Kälte rein, wenn es regnet, stehen die Hunde im Wasser.“
Zahlreichen Hunden hat die 56-Jährige bei ihren Besuchen vor Ort schon geholfen. Als sie unserer Redaktion davon berichtet, hat sie Tränen in den Augen: „Einmal waren wir abends unterwegs, als ich auf der Straße gesehen habe, wie ein humpelnder Hund getreten wurde. Ich bin aus dem Auto gesprungen und habe den Mensch beschimpft. Wir haben den Hund mit zurück ins Tierheim genommen und ihn medizinisch versorgt.
Fünf Hunde leben bei Iris Jehle in Schwanau
Er war dann erst eine Weile bei mir zu Hause in Pflege und lebt heute in Freiburg“, so Jehle strahlend. „Solche Erfolgserlebnisse braucht man“, betont sie. Vermittlungen organisiert nicht der Förderverein, sondern ein Partnerverein. 2024 hätten insgesamt rund 200 Hunde ein neues Zuhause erhalten.
„Unsere Hauptaufgabe ist, dass es genug Futter gibt und die Tierheimmitarbeiter bezahlt werden können“, erklärt die Schwanauerin. Doch das sei alles andere als einfach: „Im Moment haben wir einen Aufnahmestopp“, berichtet die 56-Jährige. Finanziell alles gestemmt zu bekommen, sei ein enormer Kraftakt. „Pro Monat benötigen wir 6000 Euro für Futter, rund 6300 Euro für die Mitarbeiterlöhne, 4500 bis 5500 Euro für die Tierarztkosten, dazu kommen Kleinigkeiten wie Diesel für die Autos und Holz für neue Hundehütten“, berichtet die Vereinsvorsitzende. Die Beiträge – die derzeit 25 Mitglieder zahlen 30 Euro im Jahr – würden lange nicht ausreichen.
Um weitere Spenden zu generieren, gibt es zahlreiche Aktionen: So können etwa symbolische Hunde-Patenschaften abgeschlossen werden, über die sozialen Medien werden Aufrufe gestartet, der Verein ist auf Hundemessen vertreten oder verkauft Selbstgemachtes auf Weihnachtsmärkten. „Bis jetzt hatten wir immer großes Glück, dass wir genug Spenden erhalten haben. Aber wir müssen jeden Monat kämpfen“, so Jehle. Diese Ungewissheit sei nicht einfach zu verkraften: „Ich habe viele schlaflose Nächte“, sagt sie. Der Gedanke, dass die Spenden auch mal nicht ausreichen könnten, mache ihr zu schaffen.
Neben ihrem ehrenamtlichen Engagement arbeitet die Schwanauerin halbtags als medizinische Fachangestellte und ist selbstständige Tierphysiotherapeutin. Außerdem hat sie selbst fünf Hunde, drei Pferde, und – ebenfalls aus dem Tierschutz – Meerschweinchen, Hasen und Hühner. Zudem nimmt sie immer wieder Hunde als Pflegestelle auf. „Freizeit habe ich keine mehr und meinen Urlaub verbringe ich in Rumänien“, so Jehle. „Aber die Tierphysiotherapie oder das Laufen mit den Hunden ist für mich wie Meditation.“ Viel Unterstützung erhalte sie von ihrem Mann, der auch in ihrer Abwesenheit ihren kleinen Zoo zu Hause versorge.
Für das Jahr 2025 hofft Iris Jehle, dass die Kastrationen – das Tierheim bietet diese kostenlos für die rumänischen Tierbesitzer an – besser angenommen werden. „Außerdem hoffe ich, dass noch mehr Hunde ausreisen dürfen“, betont sie, „dass wir finanziell weiter alles gestemmt bekommen und dass uns tierliebe Menschen unterstützen.“ Wer das möchte, könne spenden oder selbst aktiv werden. Neue Mitglieder – besonders junge Interessenten – seien willkommen.
Unterstützung
Weitere Infos zum Verein, den Aktionen und dazu, wie die Hunde vor Ort unterstützt werden können, gibt es auf der Webseite unter www.animaspfoetchenhilfe.de oder per E-Mail an info@animaspfoetchenhilfe.de.