Das Team des offenen Mittagstisches (v. l.): Margrit Lehmann, Rosi Baur, Siglinde Ruoff, Ernst Schatz, Heidi Wössner und Frida Schatz. Foto: Sophie Holzäpfel

Einmal im Monat lädt der Soziale Förderverein im Evangelischen Gemeindehaus Rosenfeld zum gemeinsamen Mittagessen ein. Ein Besuch.

Mit schnellen Schritten geht Frida Schatz durch den Saal und balanciert gekonnt zwei dampfende Teller mit den Händen. Mit ihr zieht eine Duftwolke aus Spargelcremesuppe durch das Rosenfelder Gemeindehaus.

 

„Das sieht wieder toll aus“, kommentiert ein Besucher die Vorspeise. Seit Oktober 2024 lädt der Soziale Förderverein Kleiner Heuberg einmal im Monat zum gemeinsamen Mittagessen ein.​

Saisonale und regionale Küche

Zwei Tage bereitet die Vorsitzende Frida Schatz gemeinsam mit dem siebenköpfigen Helferteam die einzelnen Gänge vor. Die Ideen kommen der leidenschaftlichen Köchin im Alltag, manchmal bei Restaurantbesuchen. Wichtig ist es ihr, saisonal zu kochen – mit Produkten aus der Region. An diesem Montag sind etwa Spargel aus Baden, Linsen von der Alb und Salat vom Markt die kulinarischen Protagonisten. „Es gibt jedes Mal etwas anderes“, bemerkt Helferin Siglinde Ruoff. Hinter dem Angebot steckt der Gedanke, Menschen aus der Gesamtstadt Rosenfeld zusammenzubringen. „Es geht nicht nur ums Essen“, sagt Frida Schatz. „Es geht vor allem darum, gemeinsam am Tisch zu sitzen, ins Gespräch zu kommen und Gemeinschaft zu erleben.“

Um die 30 Menschen kommen monatlich zum Mittagessen. Die meisten von ihnen sind zwischen 70 und 90 Jahre alt. „Ich habe noch keine Gaststätte gefunden, in der es so gut schmeckt wie hier. Und die Gespräche mit den Tischnachbarn sind besonders schön“, sagt ein 91-jähriger Rosenfelder. Klaus Wolter aus Isingen sitzt ihm gegenüber. Er fährt jeden Monat drei Besucherinnen in das Gemeindehaus. „Ich bin vor allem als Fahrer hier, aber genieße es auch.“ Das Ehepaar Walter kommt vorbei, seit es den offenen Mittagstisch gibt. Vor 60 Jahren sind die beiden nach Rosenfeld gezogen. „Am Anfang waren wir die Neigschmeckten. Wir fühlen uns sehr wohl in Rosenfeld und das, was die Vereine und Ehrenamtlichen auf die Beine stellen, ist toll.“

Von Anfang an großer Zulauf

Geschirrgeklapper, Lachsalven und Gesprächsfetzen vermischen sich an diesem Vormittag zur Klangkulisse. Auf den Tischen stehen Vasen mit gelben und roten Tulpen. Als zweiten Gang servieren die Helferinnen frischen Salat mit Fetakäse, Oliven und fein geraspelten Karotten. Dazu gibt es Baguette. Zwischen den Tischen, in der Küche und am Buffet läuft alles Hand in Hand. Margrit Lehmann und Rosie Baur gehören zu den Helferinnen, die den Mittagstisch Monat für Monat mittragen. Geschäftig laufen sie zwischen der Küche und dem Gemeindesaal hin- und her. Haben alle Gäste etwas zu trinken, stimmt der Ablauf, fehlt noch etwas am Buffet? Das ehrenamtliche Team hat alles im Blick.

Der einzige Mann der Gruppe ist Ernst Schatz: „Ich muss jedes Mal probieren, wenn meine Frau das Essen kocht“, sagt er und lacht. Dass es genau dieses Miteinander ist, das den Mittagstisch ausmacht, beschreibt auch Siglinde Ruoff aus dem Helferteam. Viele legten großen Wert darauf, sich zu treffen, sagt sie – und seien zugleich dankbar, an diesem Tag nicht selbst kochen zu müssen.

Ein süßer Abschluss

Auch Frida Schatz erinnert sich an die Anfänge. Der Zulauf sei von Beginn an groß gewesen, erzählt sie. Das Interesse habe sie selbst überrascht, aber auch gezeigt, dass das Angebot genau den richtigen Nerv treffe. Dann ist es Zeit für den Hauptgang: Selbst geschabte Spätzle mit Linsen und Saitenwürstle kommen auf die Tische. „Klassisch schwäbisch“, sagt Frida Schatz mit einem Lächeln.

Zum Abschluss wird es noch einmal süß: Mousse au Chocolat mit Mangopüree – natürlich selbstgemacht. „Die Mango haben wir am Samstag auf dem Markt in Balingen gekauft“, erzählt Ernst Schatz. „Das Beste kommt immer zum Schluss. Da kann man nicht widerstehen, selbst wenn man eigentlich schon satt ist“, sagt eine Besucherin und taucht ihren Löffel in die fluffig-süße Creme. Während sich die Teller langsam leeren, verklingen die Gespräche an den Tischen noch lange nicht.

Rosie Baur, Heide Wössner und Magrit Lehmann sammeln die leeren Schalen ein, stapeln benutztes Geschirr und schenken frisch gebrühten Kaffee aus. Das Ehepaar Walter steht auf und verabschiedet sich. Bis zum nächsten Mittagstisch.

Nächster Mittagstisch

Der nächste Termin für den Mittagstisch
 im evangelischen Gemeindehaus in Rosenfeld findet am 11. Mai ab 11.45 Uhr statt. Das Angebot basiert auf Spenden. Wer neu dazukommt, kann sich beim Verein melden unter http://www.soz-foerderverein-kleinerheuberg.de.