Die Stadt Calw bekommt 1,35 Millionen Euro Förderung vom Bund für die Neugestaltung des Stadtgartens. Eine Nachricht, die am Mittwochnachmittag für Freude im Rathaus sorgte. Und unter den Mitgliedern des Arbeitskreises Innenstadt. Denn sie sind maßgeblich an dem Erfolg beteiligt.
Calw - "Hammer". Das ist das Erste, was Jürgen Rust, Mitglied in der Gruppe "Tourismus, Freizeit, Natur" im Arbeitskreis Innenstadt einfällt, als ihm die Nachricht des positiven Bescheids überbracht wird. Noch kurz zuvor hatte er mit einem anderen Calwer darüber gesprochen, dass wohl noch etwas Geduld vonnöten sei, bis Gewissheit darüber herrscht, ob das Projekt bezuschusst wird oder nicht. Und jetzt ist es soweit. "Einfach nur begeisternd", findet Rust.
Der Calwer Stadtgarten sei schon seit mehr als 20 Jahren immer wieder Gegenstand von Planungen und Diskussionen, blickt er zurück. Doch wirklich was getan habe sich seither nicht. "Jetzt haben wir ein Pfund in der Hand, das umzusetzen", freut sich Rust.
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Die 1,35 Millionen Euro stammen aus dem Förderprogramm "Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel (Energie- und Klimafonds)". 346 Projektskizzen sind laut einer Pressemitteilung des Büros der Bundestagsabgeordneten Saskia Esken (SPD) eingereicht worden. 150 haben den Zuschlag bekommen – darunter eben auch Calw. "Der Antrag für den Stadtgarten wurde unter anderem wegen seines Beitrags zur CO2-Reduzierung und Erhöhung der Biodiversität positiv beschieden", heißt es in der Mitteilung weiter.
Die Gruppe des Arbeitskreises hatte in einer Gemeinderatssitzung im März ihre Ideen für eine Aufwertung des Stadtgartens vorgestellt. Von Streuobstwiesen auf dem rund sieben Hektar großen Areal war die Rede, ebenso wie von Frischluftwirbeln und Wegeerneuerungen. Ein ganz zentrales Thema sei auch die Kaltluftschneise, die der Stadtgarten bildet, erklärt Rust. Aus seiner Sicht gibt die Förderung einen "Riesenschub" an Möglichkeiten in Sachen Nachhaltigkeit, Kultur und Artenvielfalt". Der Gemeinderat hatte damals im Anschluss an den Vortrag der Gruppe seine Zustimmung dafür gegeben, das Projekt Stadtgarten weiterzuverfolgen – sofern die Fördergelder bewilligt werden. Die veranschlagten Kosten für die Aufwertung des Stadtgartens von 1,5 Millionen Euro allein zu tragen wäre, für die Stadt wohl nicht drin gewesen. Umso erfreulicher nun die Nachricht, dass die Stadt Calw lediglich rund 150.000 Euro dazu beisteuern muss.
Arbeit der Ehrenamtlichen trägt Früchte
Für Oberbürgermeister Florian Kling absolut ein Grund zu feiern, wie sich auf Nachfrage des Schwarzwälder Boten herausstellt. "Das freut mich wirklich", sagt er. Das seien großartige Neuigkeiten für die Stadt – "denn die wird nicht nur schöner, sondern mit den Bundesmitteln auch ganzheitlich und nachhaltig aufgewertet", wird er in der Pressemitteilung zitiert.
Besonders freue er sich darüber, dass die Arbeit der ehrenamtlichen Mitglieder des Arbeitskreises Früchte getragen hat. Es sei oftmals enttäuschend, wenn man die Bürger beteiligt und dann keine Förderung erhält, weiß er. Dass es jetzt so gelaufen ist, sei einfach "super".
Das findet auch Rust. "Es ist ein gutes Zeichen für die Mitglieder, die sich ehrenamtlich reingehängt haben", betont er. "Man kann etwas bewegen." Wenngleich sie natürlich auch etwas Glück hatten, dass gerade jetzt das passende Förderprogramm aufgelegt worden sei, wiegelt Rust ab.
OB Kling ist auch den beiden Bundestagsabgeordneten für den Wahlkreis Calw/Freudenstadt, Esken und Hans-Joachim Fuchtel (CDU), dankbar, die sich für den Stadtgarten eingesetzt hatten. "Nach Jahren der Planung und der schweren Verwüstung des Gartens durch einen Mini-Tornado in 2018 sind nun die Mittel da, damit Calw noch schöner wird", äußert sich Esken in einer Mitteilung. "Für Calw ist das Gesamtprojekt eine große Chance", wird Fuchtel in einer Mitteilung seines Büros zitiert. Eine verbesserte Verkehrssituation und die Stärkung der grünen Lunge seien gute Möglichkeiten, die Stadt in ihrem Wohnwert und als Attraktion für den Tourismus aufzuwerten. "Calw hat Potenzial, was mit Hilfe dieses Zuschusses entfaltet werden kann", so der Bundestagsabgeordnete.
Und wie geht es nun weiter? "Erstmal feiern, dann arbeiten", so die Devise Klings. Zumindest für den Tag der Zusage. Geplant sei dann, im dritten Quartal 2021 mit der Detailplanung, der Ausschreibung sowie der Vergabe der Gestaltungskonzeption zu beginnen, führt Kling aus. Beginn der Arbeiten im Stadtgarten könnte dann 2022 sein. Zunächst müsse man nun mit dem Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung Kontakt aufnehmen, das die "forschungswissenschaftliche Begleitung" übernimmt, wie es etwas sperrig heißt. "Das geht nicht so schnell", befürchtet Kling. Ohnehin sei das Projekt Stadtgarten aber für drei Jahre ausgelegt. Zeit genug also. Ziel ist die Wiedereröffnung 2024.
Dann im besten Fall mit einem "tollen Alleinstellungsmerkmal mindestens in Baden-Württemberg", schwärmt Jürgen Rust schon jetzt. "Das ist eine gigantische Geschichte."