In Hirsau stellte der Nabu bereits im Oktober einen Artenschutzturm auf (Archivbild). Nun soll in Bad Herrenalb ein weiterer folgen. Foto: Roland Stöß

Die Stadt Bad Herrenalb will einen Artenschutzturm für Vögel und Fledermäuse aufstellen – finanziert vom Nabu. Doch der hat noch gar keinen Förderantrag gestellt.

In Bad Herrenalb soll ein Artenschutzturm aufgestellt werden. Das Thema wurde in der jüngsten Bad Herrenalber Gemeinderatssitzung behandelt und bei einer Gegenstimme mit großer Mehrheit beschlossen.

 

Laut Sitzungsvorlage der Bad Herrenalber Stadtverwaltung zu dem Tagesordnungspunkt scheint die Aufstellung auch schon sicher zu sein: „Die Errichtung des Artenschutzturms wird über Mittel der Leader-Aktionsgruppe finanziert. Die Förderung erfolgt im Rahmen des Leader-Programms in Verbindung mit dem Land Baden-Württemberg und der Gemeinschaftsaufgabe ‚Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes (GAK)‘. Die Umsetzung und Betreuung des Projekts soll, so heißt es in der Sitzungsvorlage weiter, in enger Zusammenarbeit mit dem Nabu erfolgen: „Der Nabu übernimmt dabei insbesondere die fachliche Begleitung, die ökologische Konzeption sowie die langfristige Betreuung der Anlage.“

Noch keine Förderzusage für Nabu

Doch ganz so eindeutig scheint das alles noch gar nicht zu sein. „Mit großem Erstaunen“ habe Renate Fischer, Sprecherin des Nabu Calw, die Berichterstattung gelesen, teilt sie unserer Redaktion mit. Es lese sich, „als ob das alles schon beschlossene Sache wäre, weil der Gemeinderat zugestimmt hat“.

Dabei sei der von der Verwaltung in der Vorlage formulierte Satz „Die Förderung erfolgt im Rahmen des Leader-Programms...“ so nicht richtig, so Fischer weiter. Denn es gebe noch keine Förderzusage von Leader und es sei auch keineswegs sicher, ob diese kommt. Und selbst wenn eine Förderung über Leader erfolge, „übernimmt der NABU Calw und Umgebung die Cofinanzierung. Das ist für unsere Ortsgruppe ein nicht unerheblicher finanzieller Einsatz.“

Antrag soll bis Ende Februar gestellt werden

Den Antrag will der Nabu bis Ende Februar an die Leader-Aktionsgruppe Nordschwarzwald stellen. „Erst, wenn wir den Zuschlag bekommen, können wir in die Umsetzung gehen“, erläutert Fischer weiter. Zudem rechnet sie mit einem Eigenanteil von etwa 5000 Euro, für den der Nabu Calw und Umgebung aufkommen müsse.

Wofür dieser Turm gut sein soll, wird in der Sitzungsvorlage erläutert: „In den vergangenen Jahrzehnten ist bei zahlreichen Vogelarten ein teils drastischer Rückgang der Bestandszahlen zu verzeichnen. Ursachen hierfür sind insbesondere der Klimawandel, der zunehmende Flächenverbrauch durch Infrastruktur-, Gewerbe- und Wohnbebauung, die intensive landwirtschaftliche Nutzung mit hohem Pestizideinsatz sowie der damit verbundene Rückgang von Insektenpopulationen. Hinzu kommen der Mangel an geeigneten Nist- und Baumaterialien sowie der Verlust natürlicher Brutplätze.“

Vor diesem Hintergrund gewinne die aktive Schaffung von Ersatzlebensräumen im Siedlungsbereich zunehmend an Bedeutung, heißt es weiter. Ziel ist es, bedrohten Vogel- und Fledermausarten mit dem Turm neue Brut- und Quartiermöglichkeiten zu bieten und damit einen konkreten Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt zu leisten.

Kritik von ehemaligem Stadtrat König

Doch das Vorhaben stößt nicht auf ungeteilte Zustimmung. So meldete sich etwa der ehemalige Stadtrat Rüdiger König, der im November 2025 nach 22 Jahren im Gremium zurücktrat, mit einem Leserbrief zu Wort. Er führte die Gründe für den Rückgang der Bestandszahlen der Vogelarten für den Artenschutzturm aus der Sitzungsvorlage an: Klimawandel, Flächenverbrauch durch Infrastruktur Gewerbe- und Wohnbebauung, die intensive landwirtschaftliche Nutzung mit hohem Pestizideinsatz sowie ein Mangel an Nistplätzen. „Nicht ein einziger Punkt trifft zu, wir leben hier mitten in einem natürlichen Umfeld, in dem wir Geld dafür ausgeben müssen, dass die Natur sich nicht zu viel zurückholt“, behauptet er.

Auch das für die Stadt keine Kosten anfallen würden, sei kein Argument. Alle Gelder, die der Nabu ausgebe, seien Steuergelder oder Spenden, die erstmals erwirtschaftet werden müssen. Es dränge sich zudem der Verdacht auf, dass der Nabu „im bekannten ‚Dezemberfieber‘ Gelder verschleudert hat“, so König weiter. Allerdings hat der Nabu bislang ja gar nichts „verschleudert“, der Anträge muss ja erst noch gestellt werden. Ausgang offen.