Ohne den städtischen Zuschuss von 30 000 Euro wäre das Dachgeschoss gar nicht erst ausgebaut worden, erklärt Jens Hogh-Binder. Foto: Schneider

Für Jens Hogh-Binder hat die Stadt mit den Sanierungsgebieten das richtige Konzept, um alte Häuser energetisch zu modernisieren und das Leben im Ort aufzuwerten. Er selbst hat für Baumaßnahmen 30 000 Euro erhalten und empfiehlt es weiter.

„Dass ich zu dem Haus gekommen bin, habe ich eigentlich Winfried Kretschmann zu verdanken“, sagt Jens Hogh-Binder mit einem Schmunzeln.

 

Der hätte vor Jahren einen Termin im Backsteinbau gehabt, bei dem seine Frau Friedrike Schleeh, die damals die Leiterin der Jugendkunstschule Oberndorf gewesen sei, geladen war.

Vorbesitzerin gibt Tipps

Als er sie von der Veranstaltung abholte, sei er durch die Bahnhofstraße geschlendert, wo ihm das Haus Nummer 14 ins Auge fiel. „Ich fand es interessant – und Jahre später entdeckte ich es dann in einem Immobilienportal im Internet“, erklärt der Künstler, der mit seiner Frau das Atelier „Co-Werk“ in Altoberndorf betreibt.

„Beim Kauf hat uns die vorherige Eigentümerin gleich den Prospekt der Stadt vom Sanierungsgebiet gegeben“, erinnert sich Hogh-Binder. Der besagte, dass Privatpersonen bei der Sanierung ihres Gebäudes Zuschüsse von maximal 30 000 Euro erhalten könnten.

Kostenloser Sanierungsvorschlag

„Das Haus ist 1925 erbaut worden und es gab tatsächlich jede Menge zu tun“, beschreibt er den damaligen Zustand. Und: „Ohne die Förderung hätten wir das Dachgeschoss wohl gar nicht ausgebaut“, sagt er.

So hätte sich das Ehepaar bei der Stadt gemeldet und wenig später sei eine Architektin gekommen. Die schaute sich das Haus an, machte Fotos und erarbeitete einen Sanierungsvorschlag, was alles gemacht werden müsste und was förderfähig sei.

Eigenarbeit und Zuschuss

„Wir überlegten, was wir alles in Eigenleistung machen können, was bezuschusst werde und gingen dann zur Stadt, um den Vertrag abzuschließen“, erklärt Hogh-Binder das weitere Vorgehen.

Selbst hätten sie beispielsweise rund 4,5 Tonnen Schlacke aus der Decke entfernt, während die Dämmarbeiten im Dachgeschoss und den Innenwänden von einer Fachfirma übernommen wurden – gefördert von der Stadt.

Beratung durch Sachverständige

Auch brauchte es neue Elektro-Installationen, Sanitäranlagen und Heizungen. Denn das sei in dem ortsbildprägenden Haus, von dem er sogar noch eine Kopie der Baupläne von 1925 habe, im ersten Stock nicht gegeben. „Da war nur direkt das Dach zu sehen“, erinnert sich der 69-Jährige.

Den städtischen Zuschuss könne er jedem, der in den entsprechenden Sanierungsgebieten wohne, nur wärmstens empfehlen. „Man hat am Anfang eine kostenlose Beratung durch Sachverständige – und das hilft einem schon enorm weiter“, ist er immer noch ganz begeistert.

Ein Haus mit Geschichte

Schließlich sei bei Fragen zu Energie und Dämmung diese Fachexpertise sehr wichtig, findet er. Das Sammeln sämtlicher Quittungen und Einreichen der Eigenleistung-Stunden habe es bürokratischerweise auch gebrauch, aber letztendlich lohne es sich voll und ganz.

So wird aus der einstigen Hutmacherei und Lebensmittelgeschäft schlussendlich ein farbenfroh eingerichtetes Künstler-Domizil. In früheren Zeiten beherbergte es sowohl Hugo Schmid, den Sulzer Heimatforscher, der zahlreiche Gemälde von Gustav Bauernfeind sammelte als auch die Redaktion des Schwarzwälder Boten.

Das Viertel lebt auf

„Sulz hat einen so großen Altbestand, aus dem man noch etwas machen kann“, kommt Hogh-Binder auf die Vorteile der Förderung zu sprechen. Er sei dagegen, wegen Wirtschaftssituation und Politik nur zu jammern. „Man muss was machen!“, lautet seine Devise.

Und dabei würden die Zuschüsse des Sanierungsgebiets einen großen Beitrag leisten. „Man spürt richtig, wie das Viertel auflebt“, schildert er seine Eindrücke nach abgeschlossenen Maßnahmen im Gebiet.

Auch die fußläufige Nähe zum Einkaufen, Arzt, Apotheke oder Rathaus sowie der Bahnhof direkt gegenüber ist etwas, was ihn begeistert. „Sulz kann mit seiner Lebensqualität punkten“, findet er.