Weil der verhängnisvolle Tag nicht im Zeitfenster liegt, erhält die Gemeinde Bisingen keinen einzigen Cent aus dem Sonder-Hilfspaket nach dem Starkregenereignis. So geht es jetzt weiter.
Schäden in Höhe von mindestens einer Million Euro , doch die Bisinger lassen sich gegenseitig nicht im Stich: In der jüngsten Gemeinderatsitzung ist über die Verteilung der Spenden für die Betroffenen des Hochwassers vom 2. Mai entschieden worden.
„Jeder Euro tut hier sicherlich gut“, zeigte sich Bürgermeister Roman Waizenegger gegenüber den Spendern dankbar. Ein Spendenbeirat aus sieben Ehrenamtlichen hatte einen Vorschlag zur Verteilung der Gelder in Höhe von insgesamt 185 650,37 Euro gemacht; 21 Anträge von insgesamt 31 eingereichten waren bewilligt worden. Der Bürgermeister betonte während der Ratssitzung, dass auch verspätet eingereichte Anträge bis zum 2. Oktober berücksichtigt worden seien. Er wies aber darauf hin, dass alle Spenden für Hochwasserbetroffene, die jetzt noch eingehen sollten, dem Verein „Bürger helfen Bürgern“ zugute kommen würden.
Waizenegger: „Wir zahlen jetzt die Gelder aus“
Und noch eine weitere gute Nachricht hatte der Bürgermeister für das vom Starkregen gebeutelte Kirchspiel im Gepäck: „Wir zahlen jetzt die Gelder aus“, kündigte er an.
Wenigstens ein rettender Strohhalm angesichts der noch immer ausbleibenden Fördermittel. So beharrt das Regierungspräsidium (RP) in Tübingen für das zusätzliche Hilfspaket nach dem Starkregenereignis noch immer auf den Zeitraum zwischen dem 30. Mai und dem 3. Juni. Auf Nachfrage heißt es: „Bei Hochwasserschäden, die außerhalb des Pfingsthochwassers entstanden sind, können demgegenüber die bestehenden Förderprogramme zur Anwendung kommen.“
Gemeindeverwaltung erhält eindeutige Antwort
Ob Bisingen von einer der 29 regulären Förderungen profitieren könnte, ist fraglich, hatte das Regierungspräsidium in seiner Pressemitteilung vom 8. Oktober noch angemerkt: „Die regulären Fachförderprogramme werden in manchen Fällen nicht greifen oder nicht ausreichen.“ Dies beziehe sich zwar auf die Folgen der Unwetterereignisse zwischen dem 30. Mai und dem 3. Juni 2024, doch bekanntlich ist beim Bisinger Unwetter von einem „Jahrtausendhochwasser“ die Rede – auch wenn es schon am 2. Mai passierte. Aber auch hier gibt sich das RP weiterhin unkonkret: „Ob und inwieweit welches Förderprogramm als Hilfe nach dem Hochwasser greift, muss im jeweiligen Einzelfall geprüft werden.“
Und was hält man davon im Rathaus? Wie der Fachbereich Finanzwesen auf Nachfrage mitteilt, habe die Gemeindeverwaltung erst am vergangenen Dienstag erfahren, keine Mittel aus dem Sonder-Fördertopf zu erhalten – diese endgültige Antwort erfolgte also erst nach unserer Anfrage ans Regierungspräsidium.
Jetzt gelte es zu prüfen, welche der Förderprogramme für die Gemeinde Bisingen in Frage kommen, teilt der Bisinger Fachbereich Finanzwesen mit. „Danach werden wir gegebenenfalls auch Anträge stellen“, so die stellvertretende Leiterin Carina Klein. Sie spricht von Unverständnis darüber, dass die Gemeinde nur deshalb nicht bei dem Landes-Hilfspaket berücksichtigt worden sei, weil sie schlichtweg das „Pech gehabt“ habe, schon am 2. Mai von Regen überschüttet worden zu sein.
Jetzt, wo die sichere Absage eingetroffen ist, wird es wohl noch mal eine ganze Weile gehen, bis Bisingen irgendwelche Fördermittel zu Gesicht bekommen wird.