So verwirrend wie der Kabelsalat beim Glasfaserausbau ist für die Stadträte und die Digitalisierungsbeauftragten im Landratsamt der „Förderdschungel“. Foto: © Gerhard Seybert - stock.adobe.co

Ein „Förderdschungel“, durch dessen Dickicht nun die Stadt eine Schneise schlagen muss, hat die Stadträte auf die Palme gebracht. Es geht um Glasfaseranschlüsse in Tieringen.

„So ein Durcheinander! Wo leben wir denn?“ schimpfte CDU-Fraktionschef Ernst Berger in der jüngsten Gemeinderatssitzung über die drei Möglichkeiten, das Baugebiet Haldenstraße in Tieringen ans Glasfasernetz anzubinden – denn zwei von ihnen fallen flach.

 

Der Grund: Weder die OEW Breitband GmbH noch die zollernalb-data GmbH sehen sich in der Lage, kurzfristig der Stadt Meßstetten die dortige Leerrohr-Infrastruktur abzukaufen, um die noch nötigen Glasfaserkabel einzuziehen. Die OEW Breitband hatte dafür laut Sitzungsvorlage einen positiven Förderbescheid im Rahmen des „Graue-Flecken-Förderprogramms“ erhalten, könnte aber frühestens Mitte 2026 ans Werk gehen. Die zollernalb-data müsste auf eigene Kosten die Kabel einziehen, was aber einen Konflikt mit dem gültigen Netzbetriebsvertrag steht, ebenso wie mit der laufenden Ausschreibung der OEW bezüglich eines neuen Netzbetriebsvertrags innerhalb des „Graue-Flecken-Förderprogramms“.

Wenn die Häuser in der Haldenstraße also schnell angebunden werden sollen, dann gibt es laut Stadtverwaltung nur eine Möglichkeit: Die Stadt muss den Glasfasereinzug selbst in die Hand nehmen. Kosten entstehen ihr dafür deshalb nicht, weil nur jene Häuser angeschlossen werden, deren Eigentümer bereit sind, ihren Anteil an den Erschließungskosten zu übernehmen.

18 Haushalte sind betroffen

Potenziell geht es um den Anschluss von 18 Haushalten. Für jeden derselben würde ein Glasfasereinzug knapp 1200 Euro kosten – sofern alle Eigentümer zustimmen. Lassen weniger als 18 ihren Haushalt anschließen, wird es für den Einzelnen entsprechend teurer.

Auf die Stadt könnte freilich weitere Arbeit zukommen: 380 Haushalts-Anschlüsse entlang der geplanten Backbone-Trassen, rund 150 Anschlüsse entlang der Trassen, mit denen die Schulen angebunden sind, und 90 Anschlüsse in den Baugebieten, die in nächster Zeit im Stadtgebiet geplant sind.

Noch nicht berücksichtigt sind jene Adressen, die nicht in das „Graue-Flecken-Förderprogramm“ aufgenommen werden können, und die bereits bebauten Baugebiete, in denen die Breitbandinfrastruktur bereits verlegt wurde.

„Ist es möglich, mal darzustellen, wer in die Graue-Flecken-Förderung fällt?“ wollte Ernst Berger wissen und erfuhr von Michael Zillgener vom Amt für Digitalisierung im Landratsamt Zollernalb, dass nichts mehr gefördert werde, was schon einmal gefördert wurde. Was die OEW für die Anbindung der Haldenstraße aus dem Fördertopf zu erwarten hätte, könne sie erst sagen, wenn sie die Planung vorlege. „Was meine Kollegen in diesem Förderdschungel geleistet haben, war übermenschlich“, kommentierte Zillgener, ehe die Gemeinderäte die Verwaltung einstimmig ermächtigten, den Auftrag für den Glasfasereinzug im Baugebiet Haldenstraße zu vergeben und in ähnlichen Fällen künftig ohne Gremiumsbeschluss vorzugehen.