Mit Sägespänen haben die Anwohner Roland Schleeh und Petra Faheem markiert, wie groß der Zielturm des Flying Fox (Stahlseilrutsche) werden soll. Foto: Krokauer

Hohe Lärmbelästigung in Birkenweg und Waldstraße befürchtet. Kritik an "Industriebauten".

Anwohner in Schömberg wehren sich gegen den Flying Fox (Stahlseilrutsche) vom Aussichtsturm "Himmelsglück" zum Niederseilparcours im Kurpark. Sie fürchten Lärm, Müll und Falschparker. Daher sammeln sie jetzt Unterschriften gegen das Projekt. Mehr dazu lesen Sie in unserem (SB+)Artikel.

 

Schömberg - Anlieger sind unter anderem Roland Schleeh, Vorsitzender des Verwaltungsbeirates der Mehrfamilienhäuser Birkenweg 3 bis 7 mit 26 Wohnungen, und seine Stellvertreterin Petra Faheem. Nach Schleehs Worten sind die Bewohner des gesamten Birkenweges grundsätzlich gegen den Flying Fox. Aber auch die Bewohner der Waldstraße seien von dem Vorhaben betroffen, gibt Schleeh zu bedenken. Nach seinen Worten werden fleißig Unterschriften gesammelt. Schleeh geht davon aus, dass mehr als 100 zusammenkommen, davon rund 50 von Anwohnern. Immerhin hat die Gemeinde Schömberg die Frist bis 10. Februar verlängert, um Widerspruch gegen das Vorhaben einzulegen. Die Pläne würden inzwischen jedoch nicht mehr im Rathaus ausliegen, was Schleeh bedauert. Bürgermeister Matthias Leyn versicherte jedoch auf Nachfrage, dass auch jetzt noch Bürger nach telefonischer Anfrage im Rathaus einen Einblick in die Baupläne nehmen dürften, auch wenn sie keine Anwohner seien.

Lesen Sie auch: "Seilbahn wird länger als zunächst geplant"

Nach Schleehs Worten ist es nicht die erste Unterschriftensammlung. Bereits 2019 seien rund 40 Signaturen gegen den Landeturm gesammelt worden. Damals sei er aber nicht angeschrieben worden und habe auf eigene Initiative bei der Verwaltung einen Einblick in die Pläne genommen.

Ein Dorn im Auge ist betroffenen Anwohnern vor allem der Landeplatz für den Flying Fox im Niederseilparcours, wie Faheem deutlich macht. "Der Turm ist 18 Meter hoch", rechnet sie vor. Das Bauwerk habe eine Grundfläche von acht mal zehn Metern. Einschließlich der sieben Meter langen Landefläche und der Abspannung ergebe sich eine Gesamtlänge von rund 50 Metern, so Faheem.

Schleeh befürchtet, dass der mit staatlicher Förderung vor Kurzem erst gebaute Niederseilparcours verschwindet. Er befürchtet, dass die Lärmbelästigung für die Anwohner enorm groß werde. Schließlich komme der Rummel rund um den Landeplatz des Flying Fox noch auf den Trubel rund um den Mehrgenerationenpark, den Minigolfplatz und die im Kurpark verstärkt geplanten Veranstaltungen noch oben drauf. Gemäß dem von den beiden Investoren Michael und Jürgen Wernecke in Auftrag gegebenen Lärmgutachten sei die größte Lärmbelästigung auf den Parkplätzen für den Aussichtsturm, also in der Nähe des Feuerwehrmagazins und des früheren Recyclinghofes, so Schleeh. Diese Aussage empfindet er als "Unverschämtheit". Außerdem wettert er gegen den "großen, hässlichen Stahlturm" und lehnt solche "Industriebauten" ab.

Faheem ist erbost darüber, dass wegen des Flying Fox auch Bäume abgeholzt würden. Diese könnten dann keinen Lärm mehr schlucken. Zudem geht sie davon aus, dass das Gelände rund um den Zielturm des Flying Fox eingezäunt wird. Erholungssuchende würden dann auf ein eingezäuntes Areal treffen, wo es zudem sehr laut sei. Sie glaubt nicht, dass die Besucher den Flying Fox lautlos heruntergleiten würden. Angesichts des Rummels ist sie davon überzeugt, dass den Flying Fox ein Großteil der Bevölkerung nicht annehmen werde.

Schleeh hat noch eine andere Befürchtung. Er glaubt, dass im Birkenweg alles zugeparkt werde: "Wer will hier noch Golf spielen." Und Faheem fürchtet eine massive Vermüllung. "Das ist der falsche Platz." Sie sieht ein Kommunikations- und Transparenzproblem. Wenn man die Anwohner nicht korrekt informiere, werde Vertrauen zerstört. Schleeh ergänzte, dass der Investor keine umfassende Information für die Bürger unterstütze. Auch eine andere Bürgerin möchte über die Pläne genauer informiert werden. Sie will ihren Namen aber nicht in der Zeitung lesen.

Angst um Fledermäuse und Rotmilan

Die Errichtung eines Kiosks mit rund 100 Plätzen zwischen dem Jugendhaus und dem Sportheim sieht Schleeh als kontraproduktiv. In die gleiche Kerbe schlägt Faheem: "Der Kiosk schadet dem Kurhausrestaurant." An die Adresse der Gemeinderäte sagt Schleeh, dass sie hierherkommen sollten, um zu sehen, was eigentlich geplant sei. "Keiner wohnt hier", sagte Faheem mit Blick auf die Räte. Beide haben den Verdacht, dass das Projekt "einfach durchgedrückt" werden solle. Und dann ist da noch die Tierwelt. In diesem Bereich gebe es Fledermäuse und den Rotmilan, sagt Schleeh: "Das ist dann alles weg."

Michael Wernecke, neben seinem Bruder Jürgen Wernecke einer der beiden Investoren des 3,5 bis 3,6 Millionen Euro teuren Projekts, argumentiert dagegen, dass er ein Artenschutzgutachten in Auftrag gegeben habe. Dabei sei das Areal ein halbes Jahr lang im Hinblick auf die Tiere untersucht worden. Die Expertise habe ergeben, dass dort kein Rotmilan einen Horst habe. Der Gutachter habe gegen den Bau der Anlage nichts einzuwenden. Die Bauherren seien aber dazu verpflichtet worden, Nistkästen aufzuhängen. Das Lärmgutachten habe ergeben, dass man unter allen Richtwerten bleibe. Hinsichtlich des Niederseilparcours müsse man lediglich zwei bis drei Geräte an eine andere Stelle verlegen.

Zum Vorwurf der "hässlichen Industriebauten" sagte Michael Wernecke, dass eine Holzkonstruktion aus Sicherheitsgründen nicht möglich sei. Nicht nachvollziehen kann er die Auffassung der Gegner, dass der Kiosk dem Kurhausrestaurant schade. Vielmehr geht er davon aus, dass der Flying Fox die Besucher anlocke und davon auch das Kurhausrestaurant profitiere.

Zur Informationspolitik gab Michael Wernecke zu bedenken, dass das Thema in öffentlichen Gemeinderatssitzungen behandelt worden sei. Er hätte auch gerne die Bürger in einer öffentlichen Versammlung informiert, doch dann sei Corona dazwischengekommen. Er versicherte, dass um den Turm kein Zaun gelegt werde. Er sei nicht begehbar, sodass eine solche Umgrenzung auch nicht notwendig sei.

Parkchaos als Schreckensszenario

Zum befürchteten Parkchaos meinte Michael Wernecke, dass er davon ausgehe, dass der Ordnungsdienst verstärkt kontrollieren werde.

Rathauschef Leyn bestätigte das Anfertigen des Arten- sowie Lärmschutzgutachtens. Er glaubt nicht, dass es im Landebereich des Flying Fox sehr laut sei. Wer mit sechs bis 70 Kilometer pro Stunde unterwegs sei, habe den Mund zu. Zum Flying Fox gab Leyn zu bedenken, dass das Landratsamt ausdrücklich gefordert habe, dass die Trasse hinter dem Sportplatz bleiben müsse. Er hält es für völlig legitim, dass die Anwohner ihre Bedenken äußerten. Auch nach der Inbetriebnahme des Flying Fox sollten sie sich melden, um ihre Anregungen vorzubringen. Es könne auch noch nachgebessert werden. Es sei aber auch klar, dass die Politik des Gemeinderates darin bestehe, das Areal in und um den Kurpark und das Kurhaus zu beleben.

Die Gemeinde werden die Besucher durch das Gelände lotsen, so Leyn. Er räumte ein, dass auch er die Sorge hätte, dass falsch geparkt werde, wenn er ein Anwohner wäre. Doch es soll ein Parkleitsystem geben.

Roland Schleeh geht davon aus, dass mehr als 100 Unterschriften gegen den Flying Fox zusammenkommen.