Im Bereich Eschbronner Straße/Dorfbrunnen an der Ortsdurchfahrt Lackendorf könnte Strakregen für Probleme sorgen. Hier liegt laut den Untersuchungen des beauftragten Ingenieurbüros einer der neuralgischen Punkte. Foto: Schönfelder

Jeder hat die schrecklichen Bilder der Flutkatastrophe vor wenigen Wochen noch vor Augen: Verwüstete Straßen, weggerissene Häuser, verzweifelte Menschen. Das soll Dunningen so nicht passieren. Die Gemeinde will rechtzeitig vorsorgen. 

Dunningen-Lackendorf - Das Zauberwort ist ein Ungetüm: Starkregenrisikomanagement – in diesen 26 Buchstaben steckt eine Chance, und Dunningen will sie ergreifen. Am Montag stand in der Sitzung des Ortschaftsrats Lackendorf der Sachstandsbericht zu den Ausarbeitungen von Peter Neff vom Ingenieurbüro BIT auf der Tagesordnung. Das übernahm Bürgermeister Peter Schumacher selbst.

Klimawandel lässt mehr Regen befürchten

Starkregenrisikomanagement sei etwas anderes als die Erstellung einer Hochwassergefahrenkarte. Hochwasser entstehe in flussnahen Bereichen, wenn das Gewässer sein Bett verlasse. Starkregen sei in der Regel viel breitflächiger als Hochwasser, und der Klimawandel sorge dafür, dass diese Ereignisse in Zukunft wohl häufiger auftreten werden, skizzierte Schumacher die allgemeine Situation. In beiden Fällen gehe es jedoch darum, neuralgische Punkte zu identifizieren, an denen Gefahr für Hab und Gut, im schlimmsten Falle für das Leben bestehe.

Die Zunahme außergewöhnlicher Regenereignisse habe Auswirkungen auf viele Bereiche der Wohnbauplanung und der Infrastruktur. So sollten künftig, so Schumacher, die Risiken künftiger Starkregen-Ereignisse gleich in die Planung einbezogen werden. Und dabei gelte es, die Bevölkerung mitzunehmen.

Lesen Sie auch: Bösinger Ortsmitte ertrinkt schier im Wasser

Beim Starkregenrisikomanagement gehe es aus Sicht der Gemeinde zunächst um die kommunalen Flächen, die gefährdet sein könnten. Zudem müssten beispielsweise die Einsatzpläne der Feuerwehr modifiziert werden, um sie diesen neuen Gefährdungslagen anzupassen, referierte der Schultes weiter. Das Management strebe an, größere Schäden verhindern.

Schumacher: "Wir wollen agieren statt reagieren." Allerdings stehe man noch ganz am Anfang der Überlegungen. Schumacher machte klar, dass man jetzt erst in die Risiko-Analyse eintrete.

Jeder Bürger ist selbst gefordert

Peter Neff hatte in seiner Ausarbeitung bereits einige der gesuchten neuralgischen Punkte identifiziert, die durch verschiedene Maßnahmen, meist baulicher Art, "entschärft" werden sollen. Denkbar sei beispielsweise, das Kanalnetz aufzudimensionieren, damit bei Starkregen mehr "Stauraum" zur Verfügung stehe. Auch die Anlage von Retentionsflächen als zusätzlichen Puffer sei sicher an der einen oder anderen Stelle das Mittel der Wahl.

Einige Gefahrenpunkte, die bei einem anhaltenden Starkregen wohl "nasse Füße" bekommen würden, hatte Neff bereits gekennzeichnet. So könnte das Wasser, dass die Bösinger Straße hinabrauscht, zum Beispiel rund um die Seedorfer Ortschaftsverwaltung für Probleme sorgen. In Dunningen-Ort ist der Bereich Dorfbach gefährdet. Und in Lackendorf könnte der Bereich Eschbronner Straße/Krone/Dorfbrunnen, die tiefste Stelle der Ortsdurchfahrt, zu einem Sammelbecken das rundherum abfließenden Wassers werden.

Die Beteiligten wie die Gemeinde, die Feuerwehr, der Bauhof, die Wasserbehörde, das beauftragte Ingenieurbüro, aber auch die Polizei werden sich in den kommenden Wochen abstimmen, um aus der Risiko-Analyse ein Handlungskonzept zu entwickeln.

Ganz wichtig ist Bürgermeister Schumacher, dass die Ergebnisse auch der Bevölkerung bekannt werden, denn das Ergreifen von Schutzmaßnahmen liege in der Hand jedes einzelnen Eigentümers, während sich die Gemeinde um die gefährdete Infrastruktur kümmert. "Da ist jeder Bürger selbst gefordert", so Schumacher unmissverständlich. Gleichwohl sei es angezeigt, "in den kritischen Bereichen etwas zu tun". Und weiter: "Wir müssen jetzt was machen, und nicht erst hinterher."

Land hilft mit Zuschüssen

Immerhin muss die Gemeinde die Maßnahmen nicht allein tragen. Der Bürgermeister geht davon aus, dass mit 70 Prozent an Zuschüssen vom Land zu rechnen ist. 30 Prozent blieben dann an der Gemeinde hängen. Und selbstverständlich könne die Gemeinde nicht alle Maßnahmen auf einmal stemmen. "Das ist ein laufender Prozess.

Ortsvorsteher Hermann Hirt und Rat Christian Stemplinger insistierten noch einmal, dass die Bevölkerung frühzeitig informiert werden müsse. Das sagte Schumacher zu. Die Ergebnisse könnten vielleicht schon Anfang November veröffentlicht werden. Der Ortschaftsrat nahm den Sachstandsbericht zur Kenntnis.