Der Starkregen am 2. Mai bei Bisingen war gewaltig – aber wie kann darauf eine Flut folgen? War es sogar eine Jahrtausendflut? Unsere Redaktion hat beim Deutschen Wetterdienst nachgefragt.
Die Gemeinde Bisingen legt indes Messdaten vor: Demnach fielen in einer Stunde pro Quadratmeter etwa 60 bis 70 Liter Regen. „Diese Daten werden durch tatsächlich vor Ort gemessene Werte bestätigt beziehungsweise sogar übertroffen“, heißt es aus dem Rathaus, das sich neben Radardaten auf private Messstationen beruft.
Als ein 1000- bis 5000-jähriges Niederschlagsereignis stuft die Gemeinde das Unwetter ein und nimmt dabei Bezug auf eine Auswertung des Ingenieurbüros Wald + Corbe, mit dem es seit einiger Zeit zum Thema Starkregenrisikomanagement zusammenarbeitet. Das sind Zahlen, die aufhorchen lassen.
DWD: Prognose lag bei 40 bis 60 Litern Regen
Dass es sich um ein Ereignis handelt, dass nur alle 1000 bis 5000 Jahre auftritt, kann Andreas Pfaffenzeller vom Deutschen Wetterdienst (DWD) derzeit nicht bestätigen, aber auch nicht ausschließen, wie er unserer Redaktion berichtet.
Prognostiziert waren laut DWD vor dem Unwetter für den Zollernalbkreis jedenfalls 40 bis 60 Liter Regen pro Quadratmeter und Stunde – auf eine Vorab-Information Unwetter folgte eine Unwetterwarnung.
Eine genaue Messung des Niederschlags am Boden über DWD-Wetterstationen liegt indes nicht vor – in Bisingen ist schlicht keine Station installiert. Und bei Radarauswertungen, auf die sich die Gemeinde beruft, sind die Niederschlagsmengen Pfaffenzeller zufolge nicht eins zu eins übertragbar.
Unklar ist also, wie viel Regen genau fiel. Dass das Unwetter ein außerordentliches war, das steht außer Frage.
Wetterdienst: durchschnittlich 820 Millimeter Niederschlag pro Jahr
Ob es nun die vom DWD prognostizierten 40 bis 60 Liter pro Stunde und Quadratmeter waren oder sogar mehr als 70: Innerhalb kürzester Zeit fiel in Bisingen die Regenmenge, die sonst – statistisch gesehen – über Wochen fällt.
Pfaffenzeller rechnet vor: Aufgrund von Umgebungsmessungen werden in Bisingen pro Jahr durchschnittlich 820 Millimeter Niederschlag verzeichnet – 820 Liter pro Quadratmeter also.
Weshalb es die Gemeinde mit knapp 10 000 Einwohnern am vergangenen Donnerstag so extrem traf, erklärt Pfaffenzeller so: „Die Verlagerung der Gewitterzellen war langsam.“ Die Zugrichtung lag von Südost nach Nordwest. Die Folge war, dass „sich eine große Niederschlagsmenge auf eine recht kleine Fläche verteilte“.
DWD-Experte: „Reaktionszeit wohl nur bei wenigen, einigen Minuten“
Wie viel Zeit bei einem solchen Starkregenereignis bleibt, lasse sich nicht vorhersagen. „Das kommt zum Beispiel auf die Steilheit des Geländes, die Möglichkeit der Bodenversickerung und lokale Hochwasserschutzmaßnahmen, den Versiegelungsgrad an.“
Pfaffenzeller betont aber auch: „Bei schweren Gewittern liegt die Reaktionszeit wohl nur bei wenigen, einigen Minuten.“
Dass in Bisingen nur wenig Zeit blieb, sagt auch Bürgermeister Roman Waizenegger unserer Redaktion. Am Albtrauf habe sich das Wasser gesammelt, sei ins Tal geschossen, habe zunächst Thanheim erreicht und sei dann – wenn man den Klingenbach betrachtet – innerhalb kürzester Zeit Richtung Marktplatz in Bisingen geströmt. Die Überflutung nahm ihren Lauf.
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