Die schwebende Kerze ist auf dem Friedhof in Winzeln zu bestaunen. Foto: Schöne Foto: Schwarzwälder Bote

Kunst: Innovatives Grabmal in Winzeln aufgestellt

Fluorn-Winzeln/Schramberg. Auf dem Friedhof in Winzeln gibt es seit kurzem ein erstaunliches Kunstwerk. Auf dem Grab von Manfred Schelb steht kein Grabstein, sondern eine Säule, in deren Inneren eine Kerze zu schweben scheint.

Die Illusion entsteht dadurch, dass das Motiv, in diesem Fall eine Kerze, bogenförmig verzerrt auf der Grabplatte abgebildet ist. Durch die Spiegelung im Metall-Zylinder wird das Bild dann entzerrt. Entworfen wurde das Grabmal von Steffi Schöne. "Die optische Illusion beruht auf Mathematik und Physik und ist seit der Renaissance bekannt. Dennoch ist der Effekt viele Jahrhunderte scheinbar in Vergessenheit geraten", erklärt die Schramberger Künstlerin.

Optische Illusion ist schwer begreifbar

Bereits 2016 hatte Schöne eine Skulptur errichtet, die nach dem selben Prinzip funktioniert. Sie steht in Dinslaken und zeigt ein Porträt der verstorbenen SPD-Politikerin Jeanette Wolff. Allerdings ist diese wesentlich größer: "Das Bodenbild allein ist über sechs mal sieben Meter groß, die Säule über zwei Meter hoch und im Durchmesser 60 Zentimeter."

Bei der Einweihung habe es erstaunte Reaktionen gegeben: "Die optische Illusion ist zwar erklärbar, aber nicht begreifbar. Das macht Magie aus", meint Schöne

Die positiven Reaktionen auf die große Skulptur habe sie dann auf die Idee mit den Grabstellen gebracht: "Da wusste ich, ich wollte dies nicht nur als Großprojekt umsetzen, sondern auch privaten Menschen zur Verfügung stellen." Dabei sei ihr wichtig, "in der Balance aus Schlichtheit und Eleganz etwas Leichtes und durchaus Farbiges anzubieten. Der Tod eines Angehörigen ist ja schon schwer genug." Bei der Umsetzung ihrer Ideen macht Schöne nach eigenen Angaben alles selbst: "Das Grabmal kommt von der Konstruktion bis zur Gestaltung komplett aus meiner Hand."

Durch Gravur und Langzeitbeschichtungen soll gewährleistet werden, dass das Grabmal die Jahre überdauert. Eine Anfertigung dauere dabei zwischen zwei und vier Monate, zumindest, wenn keine weltweite Pandemie dazwischen kommt: "Aufgrund von Corona gab es monatelange Verzögerungen, weil die Motivplatte nicht fertig gestellt werden konnte", beschreibt Schöne die Schwierigkeiten bei ihrer jüngsten Arbeit.

Die nächste Grabstelle ist schon in Planung. Auf einem Friedhof in Schenkenzell soll Ende September ebenfalls eine schwebende Kerze aufgestellt werden.

Ganz ähnliche Arbeiten Schönes mit anderen Motiven lassen sich bereits auf Friedhöfen in Albstadt und Horb bewundern.

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