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Fluorn-Winzeln "25 Jahre sind ja auch genug"

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Manfred Kaufmann Foto: Schwarzwälder Bote

Fluorn-Winzeln. Manfred Kaufmann ist ein echtes Fluorner Eigengewächs. Er ist hier aufgewachsen, hat von der C-Jugend bis zu den "Alten Herren" Fußball gespielt, war zwölf Jahre lang Vorsitzender des VfL Fluorn und bis zu seiner Pensionierung Lehrer an den Beruflichen Schulen in Schramberg. Mit ihm hat der dienstälteste Gemeinderat das Gremium verlassen. Kaufmann hatte sich nach 25 Jahren nicht mehr zur Wahl gestellt. Wir haben uns mit dem engagierten Mann unterhalten.

Was gefällt Ihnen aktuell am besten in Fluorn-Winzeln?

Das Storchennest mit seinen gefiederten Bewohnern auf dem Turm der Alten Kirche und die neue Boule-Bahn beim Tennisplatz. Das ist etwas für "alte Männer" wie mich.

Und Fußball?

Ja klar, das ist und bleibt meine große Leidenschaft. Ich gehöre ja zum Weltmeisterjahrgang 1954. Da wurde mir die Fußballbegeisterung quasi in die Wiege gelegt.

Sie haben in Ihrer aktiven Zeit mehr als 900 Spiele für den VfL Fluorn bestritten – was waren Ihre größten Erfolge?

Es gab einige Höhen und Tiefen, aber das absolute Highlight war ein entscheidendes Spiel gegen Oberndorf vor 600 Zuschauern in Fluorn im Mai 1978. Wir drehten einen 1:2-Rückstand in den letzten fünf Minuten noch zu einem 3:2-Sieg und stiegen dadurch in die damals neu gegründete Bezirksliga Schwarzwald auf, wo wir in den nächsten zwölf Jahren mit einer kurzen Unterbrechung spielten.

Haben Sie auch einen Lieblingsverein in der Bundesliga?

Naja, als kleiner Junge träumt jeder mal davon, Bundesliga-Spieler zu werden. Damals war’s für mich der 1. FC Köln, weil der mit Georg Knöpfle nicht nur einen Trainer aus Schramberg hatte, sondern dieser war auch noch ein Onkel meiner Mutter. Später – und auch heute manchmal noch – schlägt mein Herz für Schalke 04.

In die Bundesliga hat es also nicht gereicht, aber zum Vorsitzenden des VfL Fluorn schon. Wie kam es dazu?

Das kam fast zwangsläufig so weit. Ich war zuvor schon Schriftführer, Jugendleiter und auch im Vereinsausschuss tätig. Wenn du eine so lange Zeit dabei bist, dann wird der Verein so etwas wie eine zweite Heimat für dich, und du kannst ihm auch etwas dafür zurückgeben.

Kommen wir zur Kommunalpolitik – Sie waren 25 Jahre im Gemeinderat. Was wurde in dieser Zeit alles erreicht?

Was mir spontan dazu einfällt: das gemeinsame Feuerwehrhaus für die Fluorn-Winzelner Wehr, die Zusammenlegung der beiden Grundschulen, viele Ortsstraßen, die saniert wurden – zuletzt die Rötenberger Straße und nach langer Verzögerung schließlich auch die Fertigstellung der neuen Halle in Fluorn.

Und was zählen Sie zu Ihren Negativ-Erlebnissen?

Das war zum einen die große Krise in der Gemeinde infolge der Wiederholung der Bürgermeisterwahl 2005. Das hat in der Bevölkerung und im Gemeinderat Risse verursacht, die teilweise bis heute noch nicht gekittet sind. Zum anderen finde ich schade, dass wir bis jetzt noch kein Leader-Projekt an Land gezogen haben, obwohl gute Ideen da sind. Zum Beispiel die Renaturierung der Heimbach-Auen oder gemeindeübergreifend ein Wanderweg entlang des Heimbachs von der Quelle bis zur Mündung.

Was hat sich in den 25 Jahren verändert?

Immerhin drei Bürgermeister gab es in dieser Zeit bei uns. Und auf jeden Fall immer mehr Bürokratie, längere Entscheidungswege und weniger Spielraum für eigene Projekte trotz kommunaler Selbstverwaltung.

Sind Sie deshalb im Mai nicht mehr zur Kommunalwahl angetreten?

Ja, auch deshalb. Aber mal ehrlich: 25 Jahre sind ja auch genug.

Im frisch gewählten Gremium sind auch sieben neue Gemeinderäte. Haben Sie für die "Neuen" einen Ratschlag parat?

Jeder oder jede muss seinen oder ihren eigenen Weg finden. Aber eine Lebenserfahrung möchte ich gerne weitergeben: Man sollte sein Ziel nicht vergessen, seinen Weg nicht verlassen und seinen Mut nicht verlieren.

Sie waren mehr als 30 Jahre Lehrer an den Beruflichen Schulen in Schramberg. Fehlt Ihnen die Schule heute manchmal?

Die Schule nicht. Der Kontakt zu jungen Leuten manchmal schon. Denn durch die Gespräche mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen kriegt man häufig eine ganz andere Sicht auf die Dinge. Und mir gefällt – auch als ehemaliger Deutsch- und Gemeinschaftskunde-Lehrer – wie viele junge Leute sich zurzeit in der "Fridays-for-Future"-Bewegung engagieren. Politische Beteiligung lag mir immer sehr am Herzen.

Wo, würden Sie sagen, liegen Ihre Schwächen?

In der Schule und auch im Gemeinderat war ich manchmal etwas ungeduldig – da hätte ich häufiger gelassen sein sollen. Nicht in der Schule, aber auf dem Sportplatz konnte ich auch sehr laut werden, aber Fußball ist halt auch sehr emotional. Umso mehr freut es mich, dass ich mit Gegenspielern von früher heute gemeinsam ein Bier trinken kann, wenn man sich trifft – und auch über alte Zeiten quatschen kann.

Und dann gibt es ja auch noch den Schorleclub in Fluorn mit 15 oder 16 Mitgliedern. Dazu gehören Sie auch?

Ja, seit über 40 Jahren, aber das Schorle trinken steht schon lange nicht mehr im Mittelpunkt.

Sondern?

Früher haben wir viel Sport getrieben, später lange Zeit auch etwas "schräge" Blasmusik gemacht. Damit haben wir viele Beiträge zum Sportlerball in Fluorn oder zur Fasnet und auch bei Kinderfesten geleistet. Heute machen wir vor allem Ausflüge mit unseren Frauen und haben einen Männer-Stammtisch im "Haarschopf" bei unserem Friseur und Clubmitglied Jürgen Blöchle.

Der Club hat aber auch bei der Renovierung der Pfarrsteige im Frühjahr mitgeholfen, oder?

Ja, wir sind immer noch für die Dorfgemeinschaft da. Und mit unserem freiwilligen Arbeitseinsatz dort haben wir dem Bauhof wahrscheinlich viel Arbeit und der Gemeinde einiges Geld erspart.

Umsonst?

Nicht ganz – ein Vesper und ein Bier haben wir auf unsere Nachfrage hin vom Bürgermeister erstattet bekommen.  Die Fragen stellte Mathias Leinemann.

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