Für Matt Jurach (Mitte) ein bewegender Moment: Zusammen mit seinem Cousin T. Suggs und Irmgard Klee weilte er am Ort des Bomberabsturzes vom 18. März 1944, an dem sein Onkel starb. Foto: Albert Bantle

Ein amerikanischer Bomber stürzte im Zweiten Weltkrieg in ein Waldstück im Niedereschacher Ortsteil Fischbach. 80 Jahre später besuchte ein Angehöriger einer der verstorbenen Insassen die Unfallstellen. Dabei kamen interessante neue Informationen zum Vorfall und der Toten heraus.

Unvergessen ist in der Gesamtgemeinde Niedereschach, auch 80 Jahre danach, der während des Zweiten Weltkrieges erfolgte Absturz eines US-Bombers am 18. März 1944 im Bereich des Fischbacher Bubenholz. Die Absturzstelle, mitten im Wald auf dem Bubenholz gelegen, ist bis heute mit einer als ewige Mahnung vor den Schrecken und dem Grauen eines Krieges zu verstehenden Informationstafel versehen.

 

Mit Blick auf die vielen aktuellen grausamen Kriege auf der Welt wurde das ganze Geschehen vom 18. März 1944 vom Team des Geschichts- und Heimatverein Niedereschach, mit dem damaligen Vorsitzenden Hans Otto Wagner an der Spitze aufgearbeitet.

Am 3. Juli 2011 wurde bereits mit der Familie Krapf, Angehörige eines der bei dem Absturz überlebenden amerikanischen Besatzungsmitglieder, Croft Ronald W., die in Fischbach weilten und mit Zeitzeugen und interessierten Menschen aus der Gesamtgemeinde die Absturzstelle besichtigt.

Neue Erkenntnisse

Mit Matt Frank, dessen Onkel Jurach Frank J. bei dem Absturz 1944 ums Leben kam, hielt sich nun zusammen mit seinem als Dolmetscher agierenden, in Giengen an der Fils wohnenden Cousin, T. Suggs, ein weiterer Angehöriger der damaligen Besatzung in Fischbach auf. Er besuchte, begleitet von Suggs und der Stellvertretenden Vorsitzenden des Geschichts- und Heimatvereins, Irmgard Klee, sowohl die Absturzstelle als auch das Heimatmuseum.

Im Heimatmuseum kamen noch Annelore Vogelsang und Bodo Volz dazu, die mit der ganzen Geschichte bestens vertraut sind. 2011 stellten sie die Kontakte zur Familie Krapf her und begleiteten diese einen ganzen Tag lang. Auch über längere Zeit hatten sie noch Kontakt zu der Familie.

Durch Kontakte zum amerikanischen Konsulat in Berlin war es Suggs und Jurach möglich, in den amerikanischen Archiven zu forschen, Unterlagen zu dem Absturzgeschehen einzusehen und zu kopieren. Und diese Unterlagen weichen doch um einiges vom dem ab, was bislang bekannt war und als Tatsache angenommen wurde.

Weniger Tote als vermutet

So bestätigten am 28. Mai 1946, also nach Kriegsende, wohl im Zuge einer Nachbearbeitung des Absturzes und Klärung des Sachverhaltes, der damalige Niedereschacher Bürgermeister Stefan Hirth und Ratsschreiber Adolf Frieß, unter anderem, dass „Auf Grund persönlichen Erlebens“ nur noch „Stücke von Leichen geborgen wurden“. Unter anderem seien neun Füße gefunden worden, was darauf schließen lasse, dass fünf Mann den Tod gefunden haben.

Diese Überreste seien am 21. März 1944 in zwei notdürftigen Särgen auf dem „hiesigen Friedhof“ beigesetzt worden. „Eine Identifizierung der Leichen war nicht möglich, da solche vollkommen zerstückelt waren“, heißt es in der Bestätigung weiter.

Drei von zehn Besatzungsmitgliedern tot

Die Bergung und Beisetzung der Leichen unterstand den Ausführungen von Hirth und Frieß zufolge einem Feldwebel des Fliegerhorstes Freiburg im Breisgau. Aus den amerikanischen Unterlagen die Suggs und Jurach nun Irmgard Klee zur Aufarbeitung im Heimatmuseum übergeben haben, geht jedoch klar hervor, dass nur drei der zehn Besatzungsmitglieder bei dem Absturz ums Leben kamen. Mit Frank J. Jurach, Link Joseph J. Jr. und Hagerman Charles E. werden diese sogar namentlich benannt.

Die beiden Särge wurden kurz nach Kriegsende von einem amerikanischen Suchkommando abgeholt und in die USA gebracht.

Keine kirchliche Bestattung

Mit Blick auf die von Hirth und Frieß nach dem Krieg verfasste Bestätigung vom 28. Mai 1946 ist auch ein, unter deren Ausführungen zu findender, nachdenklich stimmender Vermerk des damaligen Niedereschacher Pfarrers, Heinrich Krieg. Darin schreibt Krieg: „Als der zuständige katholische Pfarrer möchte ich zu Obigem noch hinzufügen, dass ich persönlich, zugleich auch um dem Wunsch der hiesigen Bevölkerung zu entsprechen, gerne die Leichen der Piloten offiziell kirchlich im Beisein der Gemeinde beerdigt hätte. Dem stand aber das ausdrückliche, strenge Verbot des zuständigen Feldwebels des Fliegerhorst entgegen, gegen das ich nicht ankämpfen konnte, da ich in anderen Sachen durch die Nazi-Partei zuvor schon mehrfach bestraft war.“

Stellungnahme aus Triberg

Mit Datum vom 23. Mai 1946 findet sich auch eine schriftliche Stellungnahme zu dem Bomberabsturz des ehemaligen Gendarmerie-Wachtmeisters, Martin Eisele, aus Triberg. Er schreibt, dass er etwa 1,5 Stunden nachdem das Flugzeug abgestürzt war, zur Absturzstelle kam. Die Maschine sei völlig zertrümmert gewesen und einzelne Teile hätten noch gebrannt.

Er habe festgestellt, dass sich unter und neben den Trümmern zahlreiche Leichenteile befanden. „Anhand der Leichenteile, musste es sich um fünf Besatzungsmitglieder handeln“, so die Feststellung von Eisele. Von einer Leiche, die unter einem Motor lag, seien nur noch der Unterleib und die Beine vorhanden gewesen. Alle übrigen Leichen seien sehr stark verstümmelt gewesen und es hätten bei allen irgendwelche Gliedmaßen gefehlt. „Wie ich mich erinnere, war von einer Leiche nur noch ein halber Kopf vorhanden“, führt Eisele weiter aus.

Dieses Foto des verstorbenen Onkels Frank W. Jurach wird bei der Aufarbeitung im Heimatmuseum der Gesamtgemeinde in Niedereschach einen Platz finden. Foto: Albert Bantle

Er haben sich erkundigt, ob nicht irgendwo Erkennungsmarken gefunden wurden. Dies sei verneint worden. Seines Wissens seien auch keine Papiere gefunden worden. Die Leichen seien teilweise stark verkohlt gewesen.

Fliegerhorst Freiburg informiert

„Befehlsmäßig“ habe er den Fliegerhorst Freiburg vom Flugzeugabsturz telefonisch benachrichtigt. Noch am selben Tag sei ein Kommando vom Fliegerhorst Freiburg eingetroffen, das alle weiteren Maßnahmen und Erhebungen durchgeführt habe. „An die Nummer und den genauen Typ der Maschine kann ich mich erinnern“, schrieb Eisele abschließend.

USA wusste besser Bescheid

Wesentlich besser Bescheid wer alles an Bord war, wussten die USA, wie sich anhand der im Nachgang zum Besuch vor Ort im Heimatmuseum übergebenen Unterlagen von Jurach zeigte. In diesen Unterlagen attestieren sie der deutschen Seite mit Blick auf die Zahl der getöteten Besatzungsmitglieder, „etwas verwirrt gewesen zu sein“.