Geschäftsführer Adem Rebell, der auch gelernter Pilot ist, hat hier im Cockpit des Firmenflugzeugs Platz genommen, das auf dem Lahrer Flugplatz stationiert ist. Foto:  

Nach dem Tod des Hauptgesellschafters befindet sich Sai Air in einer Umstrukturierungsphase. Geschäftsführer Adem Rebell ist optimistisch, dass der Neustart gelingt.

Als der Autor die neue Charter-Airline im Januar besuchte, traf er in den Betriebsräumen mehrere motiviert wirkende Piloten an – die Aufbruchstimmung war mit Händen zu greifen. Im Kontrast dazu ist Adem Rebell, der Geschäftsführer von Sai Air, am vergangenen Freitag alleine im Firmengebäude, das sich direkt neben dem Terminal des Lahrer Flugplatzes befindet. Das Bild trügt nicht, der Betrieb der so hoffnungsvoll gestarteten neuen Fluggesellschaft aus Lahr steht still.

 

Der Hintergrund ist tragisch: Hauptgesellschafter Tom Saier ist völlig unerwartet im Alter von nur 44 Jahren gestorben. Rebell spricht von einem schweren menschlichen und unternehmerischen Verlust. Saier und er seien Freunde sowie Geschäftspartner gewesen; die Leitung des Charter-Unternehmens hatten sie sich geteilt. Familie Saier ist außerdem Namensgeber und Finanzier der Airline mit Sitz in Alpirsbach, die seit Ende des Jahres 2025 Flüge vom Lahrer Flugplatz aus betrieben hat.

Vor Ort arbeitete Sai Air mit fünf Piloten, die Privat- und Business-, Cargo- und Ambulanzflüge übernahmen. Doch das hat sich geändert. Zurzeit beschäftigt das Unternehmen, das auch ab Nürnberg operiert, in Lahr nur noch drei Piloten, erzählt Rebell. Man hätte gern alle fünf behalten und habe ihnen auch angeboten, sie zu vollen Bezügen weiterzubeschäftigen. „Aber sie wollen in die Luft, wollen fliegen, Trainingsflüge genügen ihnen nicht“, erklärt der Luftfahrtmanager, der selbst gelernter Pilot ist, den Weggang zweier Kräfte.

Der Flugbetrieb soll möglichst bald wieder aufgenommen werden

Wie ist nun der Stand bei Sai Air? „Wir befinden uns aktuell in einer geordneten Übergangsphase“, sagt Rebell, ein gebürtiger Kenzinger. Es gehe jetzt darum, die Weichen für die Zukunft zu stellen, deshalb habe man den Flugbetrieb vorübergehend ausgesetzt. Sobald alle Fragen geklärt seien, werde man ihn wieder aufnehmen.

Tatsächlich vermitteln die Betriebsräume den Eindruck, als ob die Passagiere bereits heute kommen können. Für die Fluggäste ist ein Lounge-Bereich eingerichtet worden – mit Tischkicker, einem großen Bildschirm und einer gemütlichen Sitzecke. Auch eine Küche gibt es dort mittlerweile – die war beim Besuch unserer Redaktion im Januar noch in Planung gewesen.

Von hier aus sind es nur noch wenige Schritte hinaus zum Flugzeug des Unternehmens, eine zweimotorige Propellermaschine, die Sai Air im vergangenen Jahr neu gekauft hat, zum Stückpreis von 2,7 Millionen Euro.

Foto: Schabel

Die kurzen Wege und die unkomplizierte Abfertigung sind einer der Trümpfe, auf die das Charter-Unternehmen auch künftig setzen will. Und ein guter, persönlicher Service. „Die Piloten tragen das Gepäck der Passagiere zum Flugzeug“, betont Rebell im Gespräch mit unserer Redaktion.

Ein weiterer großer Pluspunkt sei der Standort. Denn bei der Gründung der Firma habe man auch über die Flughäfen in Freiburg, Donaueschingen und Bremgarten nachgedacht, sich dann aber bewusst für Lahr entschieden. Auch deshalb, da sich die Landegebühren an den vier regionalen Flugplätzen teils deutlich unterscheiden und man am günstigsten auf dem Verkehrslandeplatz Lahr landen könne. Der würde sich auch durch seine enorme Infrastruktur mit einer 3000-Meter-Betonpiste und der Möglichkeit des Instrumentenanflugs auszeichnen, der Präzisionsanflüge bei schlechten Sichtbedingungen erlaubt, so Rebell.

Zu den Standortvorteilen am Lahrer Flugplatz zählen die günstigen Spritpreise

Die von Martin Herrenknecht getragene Flugbetriebsgesellschaft schaffe in Lahr gute Bedingungen, betont Rebell und veranschaulicht das auch an den Spritpreisen. Die Maschine von Sai Air werde mit Avgas betrieben, kurz für Aviation Gasoline, ein spezielles Flugbenzin, das für den Antrieb von Propellermaschinen verwendet wird. Am Flugplatz Lahr koste der Liter Avgas zurzeit 2,90 Euro, inklusive Mehrwertsteuer und Mineralölsteuer.

Die Tankstelle für Flugkraftstoffe befindet sich in Lahr am nördlichen Ende des Flugfelds. Größere Maschinen fahren hier aber nicht vor, vielmehr kommt der Laster rechts zu ihnen, um sie mit Kerosin zu versorgen. Foto: Schabel

Selbst nach Ausbruch des Irankriegs mit der Blockade der Meerenge von Hormus, durch die in Friedenszeiten fast 20 Prozent des weltweiten Rohöls transportiert werden, habe sich der Liter Avgas hier nur um rund zehn Cent verteuert.

Zum Vergleich: Am Freiburger Flugplatz werden gerade 3,72 Euro berechnet. Beim Kerosin, das turbinen-getriebene Flugzeuge benötigen, sind die Unterschiede ähnlich groß.

Viele Piloten, deren Maschinen anderswo stationiert sind, kommen zum Tanken damit extra nach Lahr, da sie hier pro Tankfüllung mehrere Hundert Euro sparen können, verdeutlich Rebell. Die günstigen Preise erklärten sich daraus, dass die hiesige Tankstelle für Flugkraftstoffe von der Herrenknecht-Flugbetriebsgesellschaft betrieben wird, die den Lahrer Flugplatz nach vorne bringen wolle.

Die Ansiedelung von Sai Air sei Teil dieser Vorwärts-Entwicklung, betont Rebell, ebenso wie der Rettungshubschrauber Christoph Ortenau, der seit dem 1. April dort stationiert ist. Am Lahrer Flugplatz werde zurzeit auch eine Flugschule aufgebaut, freut sich der 33-jährige Luftfahrtmanager.

Ambulanzflüge haben sich für die Charter-Airline als echtes Standbein erwiesen

Im Gespräch mit unserer Redaktion betont Rebell, dass die Charter-Airline auch nach ihrer Neuausrichtung am Lahrer Flugplatz bleiben werde. Festhalten werde man auch an den Ambulanzflügen, für die mehrere Sitze im Flugzeug ausgeräumt und durch eine Spezialliege ersetzt werden. Bei Flügen dieser Art sei man der günstigste Anbieter in ganz Europa, verdeutlicht Rebell die Perspektiven des Unternehmens. Neben dem Transport von Patienten umfasse das Geschäftsmodell Privat- sowie Business-Charter und Frachtflüge.

Jetzt gehe es darum, das Unternehmen neu auszurichten und strukturell anzupassen. Rebell sieht zum Beispiel eine Marktlücke darin, dass die Lufthansa ihre innerdeutschen Flüge um rund die Hälfte reduziert hat und weitere Kürzungen in dem Bereich plant. Deshalb hält er es für gut möglich, dass die Lahrer Fluggesellschaft künftig Linienflüge anbieten wird.

Generell wirkt Rebell optimistisch. Das Unternehmen habe gute Chancen, ist er überzeugt. Die Zuversicht nährt sich auch aus der Tatsache, dass die von ihm geführte Fluggesellschaft die einzige ihrer Art in Südbaden und darüber hinaus ist – man ist weit und breit konkurrenzlos.

Das Flugzeug

Sai Air setzt auf eine Maschine vom Typ P201 Traveller, die Platz für neun Passagiere bietet. Das Flugzeug des italienischen Herstellers Tecnam besitzt zwei Triebwerke, die jeweils 375 PS leisten. Damit erzielt es eine Reisegeschwindigkeit von bis 333 Kilometern pro Stunde und eine Reichweite von etwa 1850 Kilometern. Die für kurze Pisten optimierte Maschine benötigt nur 426 Meter für den Start und 326 Meter zur Landung, ist also auch für kleine Flughäfen geeignet.