Am Flughafen Stuttgart müssen Reisende oft Geduld aufbringen Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Werde nicht mehr Personal eingesetzt, kritisieren Reisende, mutiere der Flughafen Stuttgart zum Provinzflughafen. Geschäftsreisende wie Lothar Franz beobachten „desaströse Zustände“. Die Bundespolizei will reagieren. Man arbeite mit Hochdruck an einer Lösung für die Sicherheitskontrollen.

Stuttgart - Die für die Sicherheitskontrollen am Flughafen Stuttgart zuständige Bundespolizei ist unter Druck geraten. Grund: Von Dezember bis Anfang März ist es wiederholt zu langen Wartezeiten gekommen, und zwar auch an Tagen, an denen keine Warnstreiks des Sicherheitspersonals für einen Ausnahmezustand sorgten.

Steffen Zaiser, Sprecher der Bundespolizeidirektion Stuttgart, sagte unserer Zeitung, die Verhältnisse seien in den vergangenen drei Monaten nicht optimal gewesen. Man arbeite an einer Lösung und einer Beschleunigung der Kontrollen, ohne die Sicherheitsstandards zu vernachlässigen. Von einem Dauerzustand will er jedoch nicht sprechen. Es gehe um Einzelfälle.

Gestresstes Personal, erboste Fluggäste

Bei dem Geschäftsreisenden Lothar Franz aus Berlin riss nach seinem Erlebnis am 4. März, einem Tag ohne Warnstreik, der Geduldsfaden. Er beschwerte sich bei der Bundespolizei – mit Durchschlag an die Flughafengesellschaft. Auf seinem Weg zum Körperscanner habe er zwischen 17.55 und 18.45 Uhr in einer zehn Meter langen Schlange in der Priority Lane gestanden – also in einer Gasse, in der eilige Vielflieger schneller vorankommen sollen als die Passagiere vor anderen Kontrollstellen. Daneben sei nur noch ein Handgepäckscanner betrieben worden, vor dem sich eine weit über 20 Meter lange Schlange gebildet habe. Die anderen Kontrollstellen in diesem Terminal waren dicht.

Auf Nachfrage hätten mehrere erboste Fluggäste zu hören bekommen, es sei leider nicht genug Personal da. Fluggäste, deren Maschinen abflugbereit waren, seien an den in der Schlange Wartenden vorbeigeschleust worden, berichtet der Unternehmensberater: „Alles war chaotisch.“ Das gestresste Personal tat ihm leid. Als letzter Fluggast erreichte er gerade noch seine Maschine.

50 Minuten Wartezeit

Von Flughafenmitarbeitern und anderen Passagieren ließ Franz sich sagen, dass die ärgerlichen Zustände in diesem Jahr schon länger anhielten. 2014, schreibt Franz, habe er solche Szenen eigentlich nicht erlebt. Der Mann aus Berlin appelliert dringend an die Bundespolizei, mehr Personal aufzubieten. Der Briefschreiber ist nicht der Einzige, der sich bitter beschwert. Eine Universitätslehrerin aus Tübingen, die den Körperscanner ablehnte, fühlte sich kurz vor der Jahreswende unmöglich behandelt.

Der Sprecher der Bundespolizei sieht mehrere Gründe für die Warterei. Das Personal und die Passagiere hätten sich an den Körperscanner zunächst gewöhnen müssen, sagte Zaiser. Die Krankheitswelle der vergangenen Wochen tat ein Übriges, um die Kontrollstellen auszudünnen. Für eine Sondersituation sorgten zudem noch drei Warnstreiks des Sicherheitspersonals, das von privaten Firmen gestellt wird, im Januar und Februar. An den Tagen erreichten die Wartezeiten sogar bis zu zwei Stunden, die Schlange vor dem einzigen Zugang zum Sicherheitsbereich war bis zu 200 Meter lang.

Die Verantwortung dafür, dass eine Priority Lane die Fluggäste auf besonders schnelles Weiterkommen hoffen lässt, lehnt die Bundespolizei ab. Die Verantwortung dafür ordnet Zaiser der Flughafengesellschaft und den Airlines zu. Die Klage des Berliner Reisenden will Zaiser trotzdem nicht abtun: „50 Minuten Wartezeit sind völlig inakzeptabel“, räumte er ein.

Zusätzliche Kontrollstellen im Gespräch

Dagegen verteidigt Zaiser die Praxis, solche Fluggäste durch die Torsonden zu schicken und per Hand sorgfältig abzutasten, die es abgelehnt haben, sich dem Körperscangerät zu stellen. In diesen Fällen müsse man gleichwertige Sicherheitsstandards gewährleisten. Wer den Körperscanner verweigert, könnte ja Kunststoffsprengstoff versteckt haben. Die herkömmliche Torsonde spürt nur metallische Gegenstände auf. Deswegen findet dann eine „100-prozentige manuelle Kontrolle“ statt. „Das ist keine Schikane und keine Strafe“, beteuert Zaiser.

Nach seinen Worten versucht die Bundespolizei zusätzliche Kontrollstellen aufzumachen, wenn das Passagieraufkommen dies erfordert – aber „im Rahmen der personellen Möglichkeiten“. Manche Staubildungen habe man nicht zu vertreten, etwa ungleichmäßige Auslastung der Kontrollstellen in diversen Gebäuden. Die Passagiere könnten auch in einem anderen Terminal die Kontrolle absolvieren und dann im Sicherheitsbereich das Gebäude wechseln.