Zwei Jahre lang hat die Pandemie einiges verdorben – unter anderem die Reiselust. Die ist nun zurück. Doch es macht sich das nächste Problem bemerkbar: Personalmangel an den Flughäfen. Wie nehmen die Reisebüros im Zollernalbkreis die aktuelle Situation wahr? Wir haben uns umgehört.
Zollernalbkreis - Mitten in der Sommersaison plagen den Luftverkehr große Personalengpässe. Zahlreiche Flüge werden gestrichen. Grund für den Ausnahmezustand sind fehlende Mitarbeiter sowohl beim Check-in als auch bei der Gepäckabfertigung und beim Kabinenpersonal.
Reisebüro in Hechingen
Doch das Schwabenland, wie Johannes Simon vom Reisebüro Simon aus Hechingen sagt, sei lange nicht so stark betroffen wie es in Nordrhein-Westfalen der Fall ist. Er kann von keinem nennenswerten Fall berichten: "Ich habe vom Stuttgarter Flughafen nichts mitbekommen. Allenfalls wurden die Flüge verschoben", erzählt der Fachmann. Darauf bereite er seine Kunden vor.
Ein großer Vorteil über ein Reisebüro zu buchen sei die Sicherheit. Reisebüros bekämen über alle Flugzeit-Änderungen sofort Bescheid, versichert Simon. Alternativen seien schnell gemeinsam gefunden. "Da sitzen schließlich Fachleute dahinter".
Vor allem längere Wartezeiten müssen die Reisenden in Kauf nehmen. "Ich sage jedem, derzeit sollte man mindestens zwei bis zweieinhalb Stunden früher am Flughafen sein", erklärt Simon.
Ein weiterer Tipp: Koffer markieren. Simon rät auch zu weniger Handgepäck. "Das knappe Personal sollte man nicht unnötig belasten und nur das Nötigste ins Handgepäck packen." So könne auch die Wartezeit an den Kontrollen verringert werden. Wer die Möglichkeit hat, sollte den Vorabend Check-in nutzen – so könnten Zeit und Stress gespart werden.
Auch wenn Corona kaum Einfluss mehr auf Reisen hat, berichtet Simon auf Nachfrage der Redaktion, dass es andere Probleme gebe. Im Reisebüro gebe es zahlreiche Anfragen, für viele sei dann aber der Preis zu teuer.
"Es gibt genügend Angebote, doch die Preise sind deutlich gestiegen", erzählt der Fachmann davon, wie Energie und Wirtschaft der Branche einen Strich durch die Rechnung machen: "Wir hatten geglaubt, es wird ein toller Sommer." Nun sei die Ernüchterung groß, weil auch in der Reisebranche die Preise stark steigen.
Reisebüros in Albstadt
"Die Bedenken sind da. Es ist definitiv mehr Gesprächs- und Beratungsbedarf gegeben, was für uns einen höheren Arbeitsaufwand bedeutet, weil wir vermehrt für die Kunden da sein müssen", sagt Sandra Merz, die in Onstmettingen ein Reisebüro betreibt. Mitunter begleitet sie ein "schlechtes Gefühl", ob die Maschine, die gebucht ist, auch tatsächlich abhebt, sei doch beispielsweise am Stuttgarter Flughafen "die Hölle los".
Deshalb ihr Tipp: drei Stunden vor dem Abflug am Flughafen sein, möglichst online einchecken, sich genau an die Bestimmungen halten und Medikamente und Zahnbürste als Grundausstattung ins Handgepäck nehmen.
Spürbar sei, dass die Kunden abwarteten, Flüge für den Winter zu buchen. Dass die Veranstalter sich auf die Situation einstellen und Schwachstellen erkennen, hat Patricia Rottenanger von der Reiseberatung in Lautlingen erfahren: "So entsteht weniger Chaos."
Sie hat den Tipp, wenn möglich am Vorabend des Flugs am Flughafen einzuchecken und das Gepäck aufzugeben. Ansonsten rät sie den Flugreisenden, geduldig und verständnisvoll zu sein. Die Reiseveranstalter bemühten sich und suchten, wenn notwendig, nach Alternativen: "Bei mir sind alle Kunden weggekommen, niemand ist daheim geblieben. Es braucht allerdings manchmal auch ein bisschen Glück."
Keine Einbrüche verzeichnet Yvonne Stiefel vom TUI Reisecenter in Ebingen, auch wenn sich die Kunden nicht mehr voll darauf verlassen könnten, ihren gebuchten Flug zu erreichen. Sie rät deshalb allen Reisewilligen, den Urlaub über ein Reisebüro zu buchen, denn dann kümmere sich das Reisebüro bei Flugausfällen um Alternativen und Ersatz.
Das sieht auch Veronika Schapowalowa vom Lufthansa City Center, Reisebüro Übersee, so: "Wir übernehmen die Diskussion mit den Fluggesellschaften und suchen nach anderen Möglichkeiten. Damit hat der Kunde keinen Stress damit, stundenlang in Warteschleifen zu stecken."
Insgesamt verzeichnet sie in Ebingen keine größeren Auswirkungen auf das Reisegeschäft. Da Zubringerflüge gestrichen würden, ist ihr Tipp, bei Übersee-Flügen gleich direkt von den großen Flughäfen zu starten, Zürich sei da eine "super Alternative".
Reisebüro in Balingen
Sandra Boss, ADAC-Reiseexpertin und Leiterin der ADAC-Geschäftsstelle und des Reisebüros in Balingen, berichtet, dass bisher keiner ihrer Kunden von Flugstreichungen betroffen gewesen sei. Sie sagt aber auch: "Wir rechnen aber leider damit, nämlich wenn die Ferien in Baden-Württemberg beginnen." Sehr häufig komme es allerdings im Moment vor, dass Flugzeiten geändert oder Flüge zusammengelegt würden.
Boss bekräftigt zudem, dass in der aktuellen Situation "Pauschalreisen die beste und sichererste Wahl sind". So habe man einen direkten und zuverlässigen Kontakt vor, während und auch nach der Reise. Denn: "Die Reiseveranstalter sind durchgehend erreichbar und zum Beispiel bei Flugstreichungen in der Pflicht, einen Ersatz zu beschaffen, oder sie helfen weiter, falls man an einem Flughafen gestrandet sein sollte."
Bei individuell gebuchten Reisen mit mehreren Bausteinen müsse man sich selbst kümmern und sich mit jedem Anbieter einzeln auseinandersetzen. "Gerade bei den Leistungen, die unabhängig vom Flug sind, besteht bei individuellen Bausteinbuchungen die Gefahr, auf Kosten sitzen zu bleiben."
Auch Sandra Boss hat eine ganze Reige an Tipps parat, die Reisenden helfen können, wenn es um Flüge geht. Sie sagt: "Wenn der Flug Verspätung hat oder annulliert wird, sollte man sich entweder direkt vor Ort oder telefonisch bei der Airline Informationen besorgen und sich den Grund und die Dauer der Verspätung schriftlich bestätigen lassen. Ab dann sollte man außerdem alle Belege für anfallende Verpflegungskosten aufbewahren. Wenn man eine Pauschalreise gebucht hat, sollte man umgehend den Reiseveranstalter kontaktieren."
Je nach Situation stünden Reisenden Ausgleichszahlungen oder Unterstützungsleistungen zu. Schnelle und unkomplizierte Hilfe biete da auch der ADAC-Entschädigungsrechner. Mit dem könnten Flugreisende ihre Rechte mit nur wenigen Klicks und kostenfrei überprüfen und anschließend geltend machen.
Zudem sei es nützlich, Flugstatus auf Internetseiten der Airlines und der Flughäfen oder per App im Blick behalten. Online sollte man einchecken oder aber den Vorabend-Check-in nutzen sowie frühzeitig am Flughafen sein und sich auf längere Wartezeiten einstellen. Übergepäck sollte vermieden werden. Das Gepäck sollte man am Schalter einchecken – und nicht am Self-Service.
Boss empfiehlt zudem, zügig durch Sicherheitskontrollen zu gehen, das Handgepäck "richtig" zu packen – also zum Beispiel nur Flüssigkeiten bis maximal 100 Mililiter in einer durchsichtigen Ein-Liter-Plastiktüte mitzuführen. Weiter sollten Koffer gemischt gepackt werden und für den Notfall sollte ein Satz Kleidung ins Handgepäck. An der Gepäckausgabe bei Rückreise sollte man bis zu zwei Stunde Extra-Zeit einplanen.