Der Starfighter TF 104 G – hier ausgestellt im Internationalen Luftfahrtmuseum in Villingen-Schwenningen – war seiner Zeit voraus. Nach einer Absturzserie galt er im Volksmund als „Witwenmacher“. Foto: Lothar Schwark

Zu Zeiten des Kalten Krieges schossen die Militärflugzeuge noch im Minutentakt über den Schwarzwald. Diese Zeiten sind vorbei.

Als die Bundeswehr vor 15 Jahren ihre militärischen Tieffluggebiete „Low Flying Areas (LFA 250)“ aussetzte, die eine minimale Flughöhe von 250 Fuß über Grund erlaubten, ahnte wohl noch niemand, dass sich die Weltlage aufgrund des Kriegs in der Ukraine so dramatisch verändern könnte.

 

Angesichts dieser Lage teilte die Bundeswehr mit, dass die reaktivierten militärischen Tieffluggebiete ab dem 27. November 2025 wieder genutzt werden können. Dabei wurde betont, dass Tiefflüge bis zu 500 Fuß bislang regelmäßig stattfanden – ohne dabei an die genannten Tieffluggebiete gebunden zu sein.

Der Landkreis Freudenstadt ist nicht unter den acht ausgewiesenen Tieffluggebieten, in denen Tornados und Eurofighter bei hoher Geschwindigkeit für zwei Minuten bis auf 75 Meter über Grund absinken können. In Süddeutschland finden Flüge in der „Low Flying Area 7“ über Teilen der Landkreise Ansbach, Weißenburg-Gunzenhausen und bis kurz vor Eichstätt statt.

In Zeiten des Kalten Kriegs

Richtig viel Militärflugverkehr herrschte über dem Landkreis Freudenstadt in den 80er-Jahren. Der Satz „Da kommt schon wieder einer“ hatte seine Berechtigung. In Zeiten des Kalten Kriegs herrschte reger Flugverkehr. Vom Rheintal und der Pfalz kommend peilten die Jets je nach Auftrag den Truppenübungsplatz Heuberg an. Auch der ehemalige Truppenübungsplatz Münsingen wurde intensiv angeflogen.

Wie hoch die militärische Dichte allein im Rheintal war, belegen die inzwischen zivil genutzten Flugplätze Bremgarten, Lahr und Söllingen. So war in Bremgarten von 1971 bis 1993 das Aufklärungsgeschwader 51 Immelmann mit der Phantom RF-4E beheimatet. Die kanadische Air Force war von 1953 bis 1993 in Söllingen (heute Baden-Airpark) stationiert. Von dort hoben in Zeiten des Kalten Kriegs atomwaffenfähige CF 104 Starfighter ab, die im Ernstfall als Jagdbomber für die NATO-Verteidigung zum Einsatz gekommen wären.

In Lahr war ab 1968 ein kanadischer Verband mit zwei Starfightern F-104-Staffeln stationiert. 1994 wurde der Platz von einem Nachkommando an die deutschen Behörden übergeben. Somit wurde nach mehr als 40 Jahren der letzte kanadische Luftwaffenstützpunkt in Europa geschlossen.

Starfighter als Lärmquelle

Als Lärmquelle wurde der Starfighter wahrgenommen, wenn er über dem Schwarzwald unterwegs war. Der Ton der Triebwerke war unverkennbar. Auch sonst hatte das Flugzeug nicht den besten Ruf. Von 916 beschafften Flugzeugen stürzten 269 Starfighter ab. 108 deutsche Piloten und acht amerikanische Jetpiloten verloren dabei ihr Leben. Nicht ohne Grund wurde die F-104 „Witwenmacher“ genannt.

Im Vordergrund der Starfighter TF 104 G und dahinter der Alpha Jet – beide wurden lange Zeit bei der Bundeswehr eingesetzt. Foto: Lothar Schwark

Aber auch die Phantom, Mirage, Saab, G-91 und der Alpha Jet waren schon am Ton zu erkennen. Mitgemischt hat auch der Tornado. So wurde in den 80er-Jahren das Primärradar des Allwetter-Kampfflugzeugs von Manching aus, in einem speziell ausgewiesenen Tiefflugtestgebiet zwischen Dornstetten bis Badenweiler im extremen Tiefflug durch die wilden Schwarzwälder Täler getestet.

Pilot als Statist

Der Pilot war dabei nur Statist, da die ganze Flugstrecke automatisch eingegeben und durchgeführt wurde. Von den Piloten der Allgemeinen Luftfahrt wurde das zeitweise eingerichtete Tieffluggebiet scherzhafterweise Schwarzwaldmauer genannt.

Starfighter TF 104 G, MiG 21 und Antonow AN 2 „Colt“ (von links) Foto: Lothar Schwark

Spektakulär war es bei einer der letzten großen Heeresübungen im Kreis, als der Panzerjäger A 10, auch Warzenschwein genannt, einem neben der B 28 im Tiefflug aus Richtung Aach entgegenkam. Heute ist das undenkbar. Aktuell hält sich die Belastung mit Tieffliegern um Freudenstadt herum in Grenzen. Ab und an heulen noch die Triebwerke auf, wenn ein Eurofighter vom Murgtal kommend über dem Christophstal in die Höhe schießt.