Auch nach mehreren Mahnungen hat der Eigentümer seine Strom- und Wasserrechnung nicht bezahlt. (Symbolfoto) Foto: dpa/Henning Kaiser

Weil der Betreiber einer Flüchtlingsunterkunft in einem Freudenstädter Teilort seine Rechnungen nicht bezahlt hat, haben die Stadtwerke dem Gebäude den Strom abgeschaltet. Die Wasserversorgung wurde reduziert. Eine Lösung ist noch nicht in Sicht.

Die gute Nachricht zuerst: „Derzeit gibt es in dem Gebäude Strom und Wasser.“ Das berichtet Stefan Gohr vom Freundeskreis Asyl. Er hat erst durch die Berichterstattung unserer Zeitung von den dramatischen Zuständen in der Unterkunft für ukrainische Flüchtlinge in einem Freudenstädter Teilort erfahren und sich sogleich auf den Weg gemacht, um mit den Bewohnern zu sprechen.

 

Derzeit sei das Haus beheizt, es bestehe keine unmittelbare Not, berichtet Gohr. „Die Bewohner haben aber große Angst, dass der Strom und das Wasser irgendwann ganz weg sind.“

Mehrere Mahnungen

Hintergrund ist, dass der Eigentümer des ehemaligen Hotels schon länger nicht mehr die Strom- und Wasserrechnung bezahlt. Und das obwohl er die Nebenkosten bei seinen Mietern kassiert hat. Offenbar ist der russische Geschäftsmann, dem das Gebäude gehört, in finanziellen Schwierigkeiten. Derzeit läuft gegen den Mann ein Prozess wegen Insolvenzverschleppung vor dem Amtsgericht Freudenstadt.

Auf Anfrage unserer Redaktion bestätigen Christian Schebetka, Pressesprecher der Stadtwerke Freudenstadt, dass der Eigentümer über einen längeren Zeitraum nicht mehr für Strom und Wasser bezahlt hat. Die nun ergriffenen Maßnahmen seien dabei nur das letzte Mittel. „Wir machen das nicht von heute auf morgen.“ Vielmehr habe der Eigentümer auch nach mehreren Mahnungen noch immer nicht reagiert.

Wasser soll auf keinen Fall komplett abgedreht werden

Daher hätten die Stadtwerke die Wasserversorgung reduziert, aber nicht eingestellt. Berichte, wonach an manchen Tagen gar kein Wasser aus der Leitung kam, kann Schebetka nicht nachvollziehen. Auch für die Zukunft sei ausgeschlossen, das Wasser komplett abzudrehen. „Das werden wir auf keinen Fall tun.“

Der Strom hingegen sei tatsächlich komplett abgestellt worden, bestätigt Schebetka. Dass das Gebäude derzeit wieder Strom hat, liege daran, dass der Eigentümer die von den Stadtwerken am Sicherungskasten angebrachte Plombe wieder entfernt hat. „Das ist nicht erlaubt.“ Damit ist es aber auch nur eine Frage der Zeit, bis das Gebäude wieder ohne Strom ist. „Der Strom wird wieder abgestellt“, bestätigt Schebetka.

Keine Lösung in Sicht

Eine Lösung für das Problem ist derzeit nicht in Sicht. Dass die Mieter direkte Verträge mit den Stadtwerken abschließen, sei nicht möglich, wie Schebetka erklärt. Denn da das Gebäude ein ehemaliges Hotel ist, gibt es nur einen zentralen Stromzähler und auch nur einen Wasserzähler. Somit lässt sich nicht ermitteln, welcher Bewohner wie viel verbraucht und damit sind auch keine individuellen Verträge möglich.

Und wenn sich die Bewohner zusammentun, um die Stadtwerke zu bezahlen? „Das ist ohne weiteres nicht möglich“, meint Schebetka. Denn die Zähler liefen schließlich über den Besitzer. Außerdem bräuchten die Stadtwerke einen klaren Vertragspartner.

Auch die Ölheizung braucht Strom

Auch der Freundeskreis Asyl ist derzeit noch ratlos. „Die Bewohner sagen, dass allein für Wasser 15 000 Euro aufgelaufen sind“, berichtet Gohr. „Das können wir nicht aufbringen.“ Und selbst wenn, wäre der Verein wohl nicht bereit, für den Vermieter – der das Geld ja bereits von den Flüchtlingen kassiert hat – die Rechnung zu übernehmen.

Doch die Zeit drängt. Denn derzeit ist es wieder kalt in Freudenstadt. Und sollte der Strom wieder abgestellt werden, würde auch die Heizung ausfallen. Zwar wird das Gebäude mit Öl beheizt. „Aber auch die Ölheizung braucht Strom“, so Gohr.