Gut besucht mit rund 350 Interessierten ist die Informationsveranstaltung zur Flüchtlingsunterbringung. Foto: Limberger

Bad Dürrheim soll eine Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge bekommen. Im Moment sind zwei Standorte im Gespräch. Beide haben Vor- und Nachteile. Bei einer Informationsveranstaltung für Bürger ging es um deren Ängste vor der Einrichtung.

Zur Informationsveranstaltung über die Einrichtung einer neuen Gemeinschaftsunterkunft für geflüchtete Menschen hatten die Stadt Bad Dürrheim und das Landratsamt am Mittwoch Abend in den Dürrheimer Siedersaal eingeladen.

 

Rund 350 Menschen verfolgten die Informationen, die ihnen zunächst von Landrat Sven Hinterseh gegeben wurden: 2,2 Prozent der Flüchtlinge aus Baden-Württemberg kommen in den Schwarzwald-Baar-Kreis, das heißt von 50 000 bisherigen Flüchtlingen sind es 1100 Menschen, die hier untergebracht werden.

Diese Unterbringung in Gemeinschaftsunterkünften (GU) soll den Zeitraum des Verfahrens bis zu einem Aufenthaltstitel oder der Abschiebung überbrücken. In Bad Dürrheim sollen zwischen 80 und 120 Personen eine vorübergehende Bleibe finden.

Pro Person bis zu 24 Monate

Die Unterbringung in Gemeinschaftsunterkünften liegt bei maximal 24 Monaten. Aufgrund der gestiegenen Flüchtlingszahlen, die seit September bei 125 bis 130 Migranten pro Monat liegen, werden zusätzliche Unterbringungsmöglichkeiten gesucht. So ist die Ausgangslage für Bad Dürrheim, das als drittgrößte Stadt im Schwarzwald-Baar-Kreis eine Gemeinschaftsunterkunft für geflüchtete Menschen errichten wird. Vor allem Menschen aus Syrien, Afghanistan und der Türkei sollen hier untergebracht werden.

Nicht nur Einzelpersonen, sondern auch Familien werden kommen und in Bad Dürrheim wohnen, so Sven Hinterseh, bis sie dann in Anschlussunterkünften an weiteren dezentralen Orten eine neue Bleibe finden werden.

Zahlreiche Fragen

Schon immer war die Bereitschaft in Bad Dürrheim groß, geflüchteten Menschen zu helfen, so Bürgermeister Jonathan Berggötz in seinen einleitenden Worten, der Mittwochabend diene jetzt der Information und auch den Fragen der Besucher.

Um eine möglichst rationale und neutrale Betrachtung der Situation bat nicht nur er, sondern auch Landrat Sven Hinterseh, der mit zwei Mitarbeitern des Landratsamtes auf dem Podium im Siedersaal die vielen Fragen aufnahm. Vor allem die Anwohner der beiden in Frage kommenden Straßen, im Schabelweg und – der neueste Vorschlag – in der Schwenninger Straße, äußerten Sorgen, Bedenken und auch Unmut über die geplante Gemeinschaftsunterkunft, die auf alle Fälle in Bad Dürrheim entstehen wird.

Viele Ängst formuliert

Aussagen wie Überfremdung, Angst vor Aggression, anfallende Kosten und Sicherheitsbedenken zeigten die Gedanken der Besucher. Die Anwohner des Schabelweges argumentierten über zu wenig Platz in ihrem kleinen Wohngebiet und die Ängste der Kinder auf ihren Schulwegen. Doch auch Aussagen wie „Müssen Flüchtlinge überhaupt aufgenommen werden?“ oder Erzählungen von Besuchern über ihre Erfahrungen mit Migranten beinhalteten Verunsicherung, Enttäuschung und Kopfschütteln über die geplante Einrichtung.

Foto: Limberger

Es gab auch einige der Wortmeldungen, die man durchaus dem politischen Lager rechts der Mitte zuordnen konnte, die in in ihrer Wortwahl und Rhetorik auch eindeutig so daherkamen.

Unrealisierbare Vorschläge

Es gab aber zudem Vorschläge, die weitab des realisierbaren waren, wie beispielsweise das ehemalige Kindersolbad als Gemeinschaftsunterkunft herzurichten oder das jetzige sanierungsbedürftige Feuerwehrgerätehaus umzufunktionieren. Das Gerätehaus solle nach dieser Vorstellung auf der Fläche in der Schwenninger Straße neu gebaut werden.

Könnten Turnhallen belegt werden?

Eine konkrete Frage bezog sich auf folgendes Szenario: Was passiert, wenn die Gemeinschaftsunterkunft nicht gebaut wird? Werden dann Turnhallen in Bad Dürrheim belegt? Hier kam ein deutliches Nein mit verschiedenen Begründungen. Auf der einen Seite kann der Landkreis keine Hallen „beschlagnahmen“, auf der anderen Seite sieht das Landratsamt diese zentrale Unterbringung nicht als vernünftig an.

Eine Besucherin wollte wissen, ob es Sonderzahlungen zur Schaffung von Platz an Schulen und in Kindertagesstätten geben werde, wenn Flüchtlingskinder diese besuchen. Dies verneinte der Landrat.

Nicht vorschnell verurteilen

Landrat Sven Hinterseh verwies auf den „Grundsatz der Humanität“, nach dem Geflüchteten geholfen werden muss, „Menschen sollten nicht vorschnell verurteilt werden“. Daniel Springmann vom Landratsamt zeigte auf die Einrichtung in St. Georgen, in der neben einem Heimleiter und Hausmeister auch die Sozialbetreuung die Gemeinschaftsunterkunft leitet, die auch im Falle eines anfallenden Problemes helfen kann.

„Lassen Sie uns sachlich argumentieren“, so immer wieder die Aufforderung von Jonathan Berggötz, zahlreiche Zwischenrufe und mindestens 20 Fragen oder Kommentare der Besucher galt es für die Verantwortlichen von Stadt und Landratsamt angemessen zu beantworten und sich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. Zweieinhalb Stunden voller Fragen, Bedenken und Unsicherheiten brachten einen versöhnlichen Schlusskommentar eines Teilnehmers, der meinte: „Wir müssen uns damit befassen und mit der Situation auseinandersetzen!“