Auch im Kfz-Bereich sind Azubis dringend gesucht. Deshalb soll geflüchteten Menschen auch hier eine Ausbildung ermöglicht werden (Symbol-Foto). Foto: Karin & Uwe Annas - stock.adobe.com

Wie bekommt man Flüchtlinge in Lohn und Brot? Ein Fischinger packt an und organisiert ein Praktikum in einem Autohaus, das langfristig in eine Ausbildung münden kann.

Albert Bossenmaier will etwas bewegen – nicht nur über Landkreisgrenzen, sondern auch über Landesgrenzen hinweg.

 

„Bei uns im Kfz-Bereich ist der Fachkräftemangel wirklich akut – und die Bundesregierung schiebt potenzielle Azubis ab“, kritisiert der Fischinger. Aber auch Kollegen aus Speditionsunternehmen klagten, dass sie schlichtweg keine Berufskraftfahrer fänden.

Begegnung im Gastro-Gewerbe

„Jeder sollte in seinem Bereich schauen, wo er was machen kann“, erklärt er. Und meint damit: In Deutschland lebende Flüchtlinge möglichst schnell in Lohn und Brot – und eine Ausbildung – zu bekommen.

Auslöser sei quasi seine Tochter gewesen. Sie hatte den Sommer über in einem Biergarten gejobbt. Einer ihrer Kollegen, nennen wir ihn Amjad, stammt aus den palästinensischen Autonomiegebieten, wo er ein Restaurant leitete.

Abschiebung droht

Doch wegen des Krieges zwischen Hamas und Israel floh der 29-Jährige und landete schließlich in Deutschland, wo er ebenfalls in der Gastronomie tätig wurde. „Er war stets verantwortungsvoll und hat dem Gastro-Stress total gut standgehalten“, hebt die Arbeitskollegin Amjads Qualifikationen hervor.

Nach dem Ende der Sommer-Saison habe man sich aus den Augen verloren, bis sich beide zufällig im Bus getroffen hätten – und die Nachricht: Amjad solle nach Griechenland abgeschoben werden und müsse das Land innerhalb einer Woche verlassen.

„Kümmerer-Programm“ hilft

„Da habe ich mich sofort mit Pro Asyl und einem befreundeten Rechtsanwalt in Verbindung gesetzt“, erklärt Bossenmaier. Letzterer hätte nämlich schon vor Jahren seine damalige Kriegsdienstverweigerung durchgelesen.

Das Resultat: „Ich habe Einspruch gegen die Abschiebung eingelegt – als Mitglied der Handwerkskammer kann ich das“, erklärt er. Und recherchierte. Denn das „Kümmerer-Programm“ des Landes hilft, Zugewanderte passgenau in Praktikum, Einstiegsqualifizierung und Ausbildung zu vermitteln.

Erstes Kurzzeitpraktikum

„Wir Handwerker sind da sehr hemdsärmelig und schnell bei Lösungen, die tragen“, hält Bossenmaier fest. Und eine dieser Lösungen sieht so aus, dass er Amjad zu einem Berufseinstiegsgespräch des Arbeitsamts Nagold begleiten wird.

„Wenn es da das OK gibt, kann er sofort ein Kurzzeitpraktikum im Autohaus Riess in Balingen anfangen“, erklärt Bossenmaier, der dort als Angestellter tätig ist – und für diese zwei Wochen auch Amjads Betreuer und „Kümmerer“ sein wird.

Deutschkurs in Berufsschule

Und absolviert er das Kurzpraktikum erfolgreich, stehe sofort ein Langzeitpraktikum – Dauer: ein Jahr – an. „Ist das abgeschlossen, wird es automatisch als erstes Lehrjahr angerechnet“, verrät der Kfz-ler. Auch die Hürde mit dem eigentlich geforderten B1-Sprachniveau ließe sich lösen.

„Der Ausbildungsberater der Handwerkskammer sagt, dass Amjad neben dem Fachlichen in der Berufsschule auch Deutsch lernen kann“, erläutert er. Und sieht das nicht nur als Chance für künftige Mechatroniker in der Automobilbranche.

Zahlreiche Maßnahmen

„Ob in der Pflege, im Gastronomiebereich oder bei Mechanikern – wir sollten die Ressourcen, die geflüchtete Menschen für unsere Wirtschaft darstellen, nutzen“, fordert er. Und wünscht sich dabei auch Unterstützung seitens der Kommune.

Doch die verweist ihrerseits auf schon existierende Maßnahmen verschiedener Ebenen, um die Integration von Geflüchteten und anderen Zugewanderten in Ausbildung und Beschäftigung zu erleichtern.

Praktische Nachqualifizierung

Doch es gibt auch ein Angebot in städtischer Zuständigkeit – speziell für den pädagogischen Bereich. „Wenn ausländische Abschlüsse nicht vollständig anerkannt sind, können Bewerber im Rahmen eines Anpassungslehrgangs die Gleichstellung mit einer pädagogischen Fachkraft erlangen“, erklärt Steffi Völkle von der Personalleitung.

Dies erfolge mittels einer praktischen Nachqualifizierung, bei der für sechs bis zwölf Monate einer praktischen Tätigkeit im Berufsfeld einer pädagogischen Fachkraft – also Erzieher oder sozialpädagogischer Assistent – nachgegangen wird.

Ausbildung für Geflüchtete und Zugewanderte

Die Bundesagentur für Arbeit
und die Jobcenter fokussieren sich auf Beratung, Qualifizierung, Förderinstrumente und Vermittlung in Ausbildung und Arbeit.

Bei Landesprogrammen
wie „Integration durch Ausbildung – Perspektiven für Zugewanderte (Kümmerer-Programm)“ vermitteln „Kümmerer“ geeignete Zugewanderte passgenau in Praktikum oder Ausbildung und begleiten sie während der ersten sechs Monate.

Im Landratsamt
liegen die Aufgabenschwerpunkte bei Ausländerrecht, Integrationsmanagement sowie der sozialpädagogischen Begleitung.

Handwerkskammer und IHK
bieten Berufsorientierung, Unterstützung für Betriebe, Ausbildungsbegleitung sowie Teilnahme an Landesprogrammen.

Freie Träger wie Diakonie und Caritas
ermöglichen Projekte zur Arbeitsmarktintegration wie „Working Germany“, aber auch Sprach- und Berufsqualifizierungsangebote.