Der Gemeinschaftsgarten ist ein Projekt, das eine gute Zusammenarbeit zwischen den Flüchtlingen und den einheimischen Helfern ermöglicht. Foto: Münzberg

Still ist es geworden um die Flüchtlinge in der Gemeinde Baiersbronn. In Zeiten von Corona sind es andere Themen, die interessieren, doch der Inte­grationsmanager Jan Münzberg hat immer noch viel zu tun.

Baiersbronn - Seit Dezember 2017 kümmert er sich in der Gemeinde um die Belange der Flüchtlinge und hat immer ein offenes Ohr für ihre Probleme und Sorgen. Seine Arbeit hat sich mit der Zeit verändert, ist aber immer noch so wichtig wie eh und je.

"Früher habe ich mich um die Asylanträge, die richtigen Papiere und die allgemeine Orientierung der Neuankömmlinge gekümmert, heute sind es die Fragen des Alltags und die Suche nach Arbeit und Wohnung, die wir versuchen, gemeinsam zu lösen", sagt Münzberg.

Die deutsche Sprache sei nach wie vor der Schlüssel in die Arbeitswelt und damit zum selbstfinanzierten Leben. Rund 170 Flüchtlinge leben zur Zeit in Baiersbronn, die Zahlen schwanken, denn es gebe immer wieder Abweichungen, sowie Zugänge und Wegzüge.

Corona erschwert den Spracherwerb

"Nicht alle finden Arbeit, es fehlen die Qualifikationen und auch die Deutschkenntnisse sind bei vielen sehr schlecht", sagt Münzberg. Gerade in Corona-Zeiten sei es nicht einfach, ohne Deutschkurse die Sprache zu lernen, fügt er hinzu. "Wir können auch den persönlichen Kontakt nur schwer halten, vieles verlagert sich auf die digitalen Medien", berichtet er. Wenn es aber notwendig sei, könne man sich auch unter Einhaltung der aktuellen Sicherheitsmaßnahmen treffen. Das größte Problem sei neben fehlenden Deutschkenntnissen auch die hohe Zahl an Analphabeten.

Qualifizierte könnten in Metropolen abwandern

Zudem drohe, dass die qualifizierten Geflüchteten in die Städte und Metropolen abwandern. Diese gelte es aber zu binden und zu halten, so Münzberg. Bei den weniger qualifizierten Zuwanderern sei mehr Unterstützung notwendig.

Es brauche neben den ehrenamtlichen Helfern dringend hauptamtliches Personal, um den Menschen bei dem oft jahrelangen Prozess der Eingliederung zu helfen.

Münzberg arbeitet eng mit den Integrationsbeauftragten und Migrationsdiensten im Kreis zusammen, man unterstütze sich gegenseitig. Der Austausch mit den anderen Integrationsbeauftragten sei wichtig. Am runden Tisch würden viele Fragen und Probleme erörtert.

"Reine Flüchtlingsunterkünfte gibt es in der Gemeinde Baiersbronn nicht mehr, aber nach wie vor ist die Wohnungsbeschaffung ein großes Problem", so Münzberg. Abschiebungen gebe es ebenfalls nicht mehr. Viele Flüchtlinge seien auch wieder aus Baiersbronn weggezogen.

"Es gibt auch viele positive Beispiele", berichtet der Integrationsmanager. So konnte er in Zusammenarbeit mit der Integrationsbeauftragten der Stadt Alpirsbach eine siebenköpfige Familie nach langer Suche in einem Häuschen in Alpirsbach zur Miete unterbringen. Der Vater der Familie macht eine Ausbildung zum Lastwagenfahrer. Einige Flüchtlinge hätten auch in den örtlichen Firmen eine Anstellung gefunden und würden eine Ausbildung absolvieren. Und einer studiert in Freiburg.

Gemeinschaftsgarten läuft gut

Gut laufen würde das Projekt Gemeinschaftsgarten, das werde in regelmäßigen Treffen auch weiter ausgebaut. Unter Beteiligung des Internationalen Bunds und der Gemeinde Baiersbronn wird im Garten fleißig Obst und Gemüse angebaut. Erste Erträge wurden schon geerntet. Die Musikschule Baiersbronn ist Träger und Initiator eines Cachon-Kurses, der gut bei den Kindern in der Grundschule ankomme.

"Jeder baut sich so eine Kistentrommel und lernt, damit zu musizieren. In Planung ist auch die Zusammenarbeit mit dem Nationalpark und der Einstieg in das Projekt ›Wildnisentdecker‹", erzählt Münzberg.

Es gebe noch viel zu tun und die Pläne gingen nicht aus, sagt er. "Die Zuwanderung kann ein positiver Beitrag für den Landkreis und für die Gemeinde sein. Die zugewanderten Menschen können eine Bereicherung sein, aber es ist kein Selbstläufer", so Münzberg. Integration sei nichts, was schön sei, wenn man es habe, sondern sichere langfristig die Zukunft im ländlichen Raum. "Sie braucht aber, um erfolgreich zu sein, langfristig angelegte und professionelle Strukturen", sagt der Integrationsmanager.

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