Sozialarbeiter Eike Kloka (rechts) ist unter anderem für die Geflüchteten in Rosenfeld und Geislingen zuständig. Gemeinsam mit dem Geschäftsführer der Diakonischen Bezirksstelle Balingen, Micha Haasis, spricht er über die aktuelle Situation Foto: Holzäpfel

Im Interview schildern Eike Kloka und Micha Haasis von der Diakonischen Bezirksstelle, welche Herausforderungen die Flüchtlingsarbeit prägen.

Die großen politischen Debatten über Migration finden meist in der Hauptstadt, in Talkshows und Parlamenten statt. Doch ihre Auswirkungen werden dort sichtbar, wo Entscheidungen konkret umgesetzt werden müssen: in den Kommunen. In Rosenfeld und Geislingen heißt das, Unterbringung zu organisieren, Integration zu begleiten und den Alltag vor Ort zu gestalten. Sozialarbeiter Eike Kloka ist seit 2021 zuständig für die Geflüchteten in den beiden Städten.​

 

Ein zentrales Thema seiner Arbeit ist dabei die Unterbringung: von der vorläufigen Unterbringung, der sogenannten Gemeinschaftsunterkunft, bis hin zur Anschlussunterbringung. Gerade diese Anschlussunterkünfte sind in der Praxis eng mit einer Entwicklung verbunden, die Kommunen seit Jahren beschäftigt: dem angespannten Wohnungsmarkt.

Menschen beschäftigt ganz andere Sorge

Nach Einschätzung von Eike Kloka spielt die politische Debatte in der öffentlichen Wahrnehmung der Geflüchteten vor Ort kaum eine Rolle. Weder ein möglicher Rechtsruck noch Diskussionen über verschärfte Asylregelungen würden sich spürbar in der Stimmung niederschlagen.

Stattdessen beschäftigten die Menschen ganz andere Sorgen. Viele von ihnen seien stark von den Erfahrungen der Flucht geprägt – von Kontrollverlust, Unsicherheit und Angst um Angehörige. Hinzu kämen bürokratische Hürden, Sprachbarrieren sowie soziale Isolation und die Sorge vor einer möglichen Abschiebung. Ein zentrales Problem sei zudem der Umgang mit dem deutschen Behörden- und Verwaltungssystem. „Das ist für sie eine ganz andere Welt“, sagt Kloka. Teilweise spielten auch Misstrauen gegenüber staatlichen Institutionen oder negative Vorerfahrungen aus den Heimatländern eine Rolle.

Umgang mit den Folgen der Flucht

Genau an dieser Stelle setzt die Arbeit von Eike Kloka und den Sozialarbeitern der Diakonischen Bezirksstelle Balingen an. Sie verstehen sich dabei nicht nur als Ansprechpartner bei Problemen: „Wir fungieren auch als Übersetzer des Systems.“​

Im Alltag bedeutet das ganz praktisch, dass sie Termine begleiten, bei Formularen unterstützen und Abläufe erklären – oft in Situationen, in denen ohne Hilfe kaum ein Durchblick möglich wäre. Dabei geht es jedoch nicht allein um kurzfristige Unterstützung, sondern um mehr: Ziel ist es, Fähigkeiten aufzubauen und Menschen zu befähigen, sich zunehmend selbstständig im neuen Umfeld zurechtzufinden. Die Diakonie spricht in diesem Zusammenhang von „Hilfe zur Selbsthilfe“ – ein Ansatz, der nicht nur entlasten, sondern vor allem langfristig Stabilität schaffen soll. „Wir wollen die Eigeninitiative der Menschen fördern“, sagt Kloka.

Ein weiterer wichtiger Bereich der Arbeit ist der Umgang mit den Folgen der Flucht. Viele Geflüchtete bringen belastende Erfahrungen aus Krieg, Gewalt und langer Unsicherheit mit. Posttraumatische Belastungsstörungen und andere psychische Belastungen seien dabei keine Ausnahme, sondern ein häufiges Thema in der Begleitung, so der Sozialarbeiter. „Wir arbeiten traumasensibel. Aber wir sind keine Therapeuten und können diese nicht ersetzen“, betont er.

Hinzu kommt die Sprachbarriere

Die Sozialarbeit ist deshalb eng mit anderen Hilfesystemen vernetzt. Bei Bedarf werden Kontakte zu Fachstellen, Psychotherapeuten oder spezialisierten Einrichtungen vermittelt. In der Praxis stellt dies jedoch eine zusätzliche Herausforderung dar: Therapieplätze sind oft nur schwer zu bekommen, Wartezeiten entsprechend lang.

Hinzu kommt die Sprachbarriere: „Viele Therapeuten wollen nicht im Dreieck arbeiten.“ Wenn die Gespräche übersetzt werden, kann es immer wieder zu Missverständnissen kommen. Gerade in der therapeutischen Arbeit, in der Nuancen eine große Rolle spielen, ist das eine nicht zu unterschätzende Hürde, sagt Kloka.

Umso kritischer betrachtet er die derzeitige Entwicklung: Dass das Bundesinnenministerium den Zugang zu Integrationskursen stark eingeschränkt hat, hält er für einen Fehler. „Sprache ist ein Schlüsselfaktor für die Integration“, betont auch Micha Haasis, Geschäftsführer der Diakonischen Bezirksstelle Balingen.

„Jeder Tag ist anders. Es wird nie langweilig“

In Isingen zeige sich, dass Integration im Alltag gelingen kann. Die Sozialarbeiter setzen dabei auf verschiedene gemeinsame Projekte mit den Geflüchteten, etwa im Garten oder bei praktischen Tätigkeiten vor Ort. Auch die Beteiligung an Gemeindeveranstaltungen spielt eine Rolle – etwa bei der „Putzede“, bei der sich einige Geflüchtete aktiv einbringen.

Während das ehrenamtliche Engagement 2015 und in den Folgejahren sehr groß gewesen sei, nehme es nun immer weiter ab. Obgleich die Zahl der Geflüchteten im Zollernalbkreis abnehme, werde die Arbeit nicht weniger. Trotz aller Herausforderungen mache die Arbeit Spaß, sagt Kloka abschließend. „Jeder Tag ist anders. Es wird nie langweilig.“