Das Hotel Bauer am Müllheimer Bahnhof wurde bereits im Jahr 2022 abgerissen. Nun sind offenbar auch die Tage des ehemaligen Gästehauses gezählt, das seit 2015 als Flüchtlingsunterkunft genutzt wurde. Foto: Claudia Bötsch

31 Flüchtlinge sollen noch im Mai in die Wohncontainer in der Neuenburger Straße 6 umziehen. Der Verein „Zuflucht Müllheim“ übt heftige Kritik. Die Stadt nimmt Stellung.

Seit dem Jahr 2015 dient das ehemalige Gästehaus Bauer am Müllheimer Bahnhof als Flüchtlingsunterkunft. Rund eine Million Euro hatte die Stadt damals in die Umnutzung investiert. Jetzt soll das Gebäude an der Eisenbahnstraße abgerissen werden.

 

Die dort wohnenden Flüchtlinge sollen noch im Mai in die Wohncontainer in der Neuenburger Straße 6 umziehen.

Verein hat „ernste Bedenken“

Auf deutliche Kritik stoßen die Umzugspläne der Stadt beim Verein „Zuflucht Müllheim“. Er äußert gegenüber der Presse „ernste Bedenken“, was die Verlegung angeht.

„Erheblicher Rückschritt“

Den Umzug sehen die Vereinsverantwortlichen als „erheblichen Rückschritt für die Lebensqualität der Bewohner“. Dazu heißt es unter anderem: „Aus Einzelzimmern werden sie wieder in Doppelzimmer umziehen, private Möbel und Küchengeräte dürfen nicht mitgenommen werden.“

Kritik am Vorgehen der Stadt

Viel Kritik gibt es auch, was das Prozedere betrifft: „Besonders besorgniserregend ist die geplante Behandlung des persönlichen Eigentums der Bewohner: Möbel und Kleidung sollen teilweise zurückgelassen, Wäsche chemisch behandelt und persönliche Gegenstände ohne individuelle Zustimmung eingelagert werden“, heißt es in der Pressemitteilung des Vereins „Zuflucht Müllheim“. Das Vorgehen der Stadt bezeichnen die Vereinsvertreter als „demütigend und unverhältnismäßig“.

Städtische Gewinninteressen?

Über allem steht zudem der Vorwurf, dass die Verwaltung mit dem Umzug „städtische Gewinninteressen“ verfolge auf Kosten der Bewohner, die zum Teil bereits seit mehr als sechs Jahren in der Unterkunft leben würden und sich in die Stadt integriert hätten. Nach Informationen des Vereins wolle die Stadt das in unmittelbarer Bahnhofsnähe gelegene Hotelgrundstück an einen privaten Investor verkaufen.

Löffler dementiert

Das dementiert auf Nachfrage unserer Zeitung Müllheims Bürgermeister Martin Löffler: „Das ist falsch, dass wir an einen Investor verkaufen wollen.“ Auch könne er die Aufregung um den Umzug nicht nachvollziehen: „Das Gästehaus Bauer ist völlig marode“, sagt er. Es sei schon lange klar gewesen, dass es früher oder später abgerissen werden müsse.

Der Abriss erfolge im Rahmen der Bahnhofsumgestaltung und der neuen Straßenführung, erläutert Löffler. Im Zuge des Bahnhofsumbaus und der Neuanlage von Radabstellplätzen sowie des Zentralen Omnibusbahnhofs (ZOB) sei die Verlegung der angrenzenden Straße geplant. Das Gästehaus Bauer stehe so nah am neuen Baubereich, dass weitere kostenintensive Umbaumaßnahmen notwendig gewesen wären. Löffler: „Eine Sanierung des ohnehin maroden Gebäudes wäre wirtschaftlich nicht vertretbar gewesen.“

Die neue Unterkunft an der Neuenburger Straße befindet sich auf der anderen Seite der Gleise, im Gewerbegebiet. Foto: Claudia Bötsch

Die neue Unterkunft sieht er eher als „eine Verbesserung für die Flüchtlinge“. So hätten die Wohnmodule „eine höhere Qualität als das Gästehaus“.

Die Bahnhofsnähe bleibe mit rund 400 Metern Fußweg weiterhin gewährleistet, heißt es in der auf Nachfrage unserer Zeitung versandten städtischen Mitteilung.

Module angemietet

Das Grundstück an der Neuenburger Straße 6 gehöre der Stadt Müllheim, die Wohnmodule seien angemietet, informiert die Verwaltung.

Der Komplex wurde bis September vom Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald verwendet und bestand ursprünglich aus drei Gebäuden, heißt es weiter. Zwei dieser Module seien inzwischen abgebaut worden.

Zeitplan Umzug

Im ehemaligen Gästehaus Bauer leben derzeit 31 alleinstehende Männer, die vom 20. bis 22. Mai in die neue Unterkunft verlegt werden sollen, teilt die Stadt mit. Um den Umzug vorzubereiten, hätten am 6. Mai persönliche Vorgespräche mit allen Bewohnern stattgefunden. Die Männer stammen aus Pakistan, Russland, Kamerun, Syrien, Nigeria, Gambia, der Türkei, dem Iran, dem Irak und Algerien, unter ihnen seien auch Personen mit ungeklärter Staatsangehörigkeit.

Umzugsprozedere

Der Umzug soll durch das Gebäudemanagement der Stadt Müllheim in Zusammenarbeit mit dem städtischen Bauhof durchgeführt werden. Jeder Bewohner habe sechs Umzugskartons sowie blaue Säcke zur Verfügung gestellt bekommen, um persönliche Gegenstände zu verpacken.

Neue Möblierung

In der Unterkunft Neuenburger Straße 6 erhalten alle Bewohner neue Möbel, teilt die Stadt mit. „Bei den vorhandenen privaten Möbeln prüfen wir individuell, was mitgenommen werden kann“, ergänzt der Bürgermeister, der hier auch auf die Raumgrößen der neuen Unterkünfte verweist.

Hygienische Maßnahmen

Die Verwaltung entgegnet auch der Kritik, was die chemische Reinigung der Kleidung angeht. Dabei handele es sich um „hygienische Maßnahmen zum Schutz aller Bewohner“. Dieses Vorgehen sei von der Fachfirma Kölblin Desinfektion empfohlen worden.

„Da wir in der Vergangenheit wiederholt Probleme mit Ungeziefer in der Eisenbahnstraße 2a hatten, möchten wir durch diese präventive Maßnahme einen Neubefall in der Unterkunft Neuenburger Straße verhindern“, erklärt der Bürgermeister.

Internet

Der Verein „Zuflucht“ kritisiert an der neuen Unterbringung unter anderem auch, dass es dort kein WLAN und auch keine Fernsehanschlüsse gebe. Zumindest Internet soll laut Stadt jedoch zur Verfügung stehen: „Wir erarbeiten derzeit gemeinsam mit unserer IT-Abteilung eine gute technische Lösung“, versichert der Bürgermeister.

Reinigung und neue Möbel

Die Container-Unterkunft an der Neuenburger Straße 6 stand zuletzt leer. Alle zuvor dort untergebrachten Flüchtlinge – sowohl Einzelpersonen als auch Familien – sind laut Stadt in anderen Objekten des Landkreises untergebracht worden.

Das verbleibende Gebäude sei in den vergangenen Monaten grundlegend ertüchtigt worden. So habe die Stadt rund 35 000 Euro in Reinigung, Desinfektion, neue Möbel

und weitere notwendige Maßnahmen investiert, „um eine angemessene Wohnsituation zu gewährleisten“.

Am Tag des Umzugs sollen alle Personen die aktuellen Einweisungsverfügungen erhalten, kündigt die Stadt an. Den Bewohnern wird eine „unbürokratische Ummeldung“ versprochen.