In Schömberg wird vom Landkreis eine Wohngruppe für unbegleitete jugendliche Flüchtlinge in einem Privatgebäude eingerichtet. Zur Infoveranstaltung kamen viele Interessierte.
Der Zollernalbkreis wird in einem Privatgebäude in Schömberg eine Wohngruppe für bis zu sechs unbegleitete minderjährige Geflüchtete (UMA) einrichten. Der Mietvertrag zwischen den Eigentümern und dem Diasporahaus ist unterzeichnet. Drei jugendliche Syrer im Alter von 15, 16 und 17 Jahren sind bereits einquartiert worden und haben sich den Nachbarn teilweise schon vorgestellt.
„Unsere Pflicht und Verantwortung“
Die Landkreisverwaltung und das Diasporahaus informierten am Mittwoch im evangelischen Gemeindezentrum über das Vorhaben. Ein solches war in der Nachbargemeinde Dotternhausen am Votum des Gemeinderats gescheitert, was von der Landkreisverwaltung nicht nachvollzogen werden kann.
„Unsere Pflicht und Verantwortung“
Landrat Günther-Martin Pauli, Sozialdezernent Georg Link, Michael Weier vom Jugendamt und André Guzzardo vom Diasporahaus standen den Bürgern Rede und Antwort. Pauli zeigte sich froh darüber, „Räumlichkeiten gefunden zu haben, um ein geeignetes Betreuungsangebot für die Jugendlichen schaffen zu können. Das ist unsere Pflicht und Verantwortung.“
Im Kreis gebe es bereits drei Wohngruppen. Probleme habe es bisher nicht gegeben. Die Jugendlichen, die alle motiviert seien, würden tagsüber betreut. Ziel sei eine schnelle Integration durch das Lernen der Sprache und die Aufnahme einer Ausbildung. Gefordert seien dabei auch die Kommunen und die Bürger. Viele Vorbehalte seien nicht gerechtfertigt. Im Gegenteil: „Wenn wir die jungen Menschen begleiten, ist das auch eine Chance für die Gemeinden, die Vereine und die Betriebe.“ Link betonte, dass der Kreis in der Pflicht stehe, die Jugendlichen aufzunehmen. Dem Kreis würden wöchentlich zwei bis drei dieser Flüchtlinge zugewiesen. Derzeit habe man 46 aufgenommen, hieß es. Das Diasporahaus verfüge über jahrelange Erfahrungen in diesem Bereich und sei für drei bestehende Wohngruppen verantwortlich.
Guzzardo erläuterte den Tagesablauf in der Wohngruppe, die tagsüber betreut sei. Nachts bestehe eine Rufbereitschaft: „Wir haben bisher nur gute Erfahrungen gemacht.“
Kritik wurde daran geübt, dass die Nachbarn im Vorfeld nicht informiert worden seien. Auch Bedenken hinsichtlich des Zusammenlebens zwischen den türkischen Mitbürgern und den Syrern wurden geäußert: „Wer übernimmt die Verantwortung, wenn etwas passiert?“ Weier hingegen betonte, dass sich die drei UMAs darüber gefreut hätten, dass es eine Moschee in der Nachbarschaft gibt. Die Jugendlichen erhalten ein Taschengeld zwischen 50 und 80 Euro. Erhalten sie einen Arbeitslohn, etwa bei einer Ausbildung, werde dieser verrechnet, sagte Guzzardo. Ziel es, die UMAs für ein selbstständiges Leben zu qualifizieren.
„Positive Erfahrungen“
Während der Fasnet werden die drei syrischen Jugendlichen nicht in Schömberg schlafen, lautete die Antwort auf die Frage, wie die jugendlichen Flüchtlinge, die bisher in Freiburg untergebracht waren, auf das anstehende närrische Treiben vorbereitet werden: „Das wird für die ein Kulturschock“, wurde befürchtet.
Eine Besucherin der Infoveranstaltung erzählte zum Schluss von ihren positiven Erfahrungen mit einem syrischen Flüchtling, zu dem ihre Familie immer noch Kontakt habe: „Ich kann nur dazu ermutigen, keine Angst vor den Jugendlichen zu haben, sondern sie in die Familien einzuladen.“