Karin Schmidtke und Tobias Baumgartner (stehend) beantworteten die Fragen der Gemeinderäte. Sie erhielten viel Anerkennung für ihre Tätigkeit. Foto: Fahrland

Ihren Tätigkeitsbericht über das Integrationsmanagement in Oberndorf präsentierten Karin Schmidtke und Tobias Baumgartner vor dem Verwaltungsausschuss.

Oberndorf - Anhand von Zahlen und Fakten, Schaubildern und Fallbeispielen lieferten sie eine Zusammenfassung der beiden vergangenen Jahre und berichteten über Aufgaben, Herausforderungen, Erfolge und Probleme. Rund 5260 Beratungen und 260 Begleitungen waren die beeindruckende Bilanz.

Unverzichtbar seien Vernetzung, Zusammenarbeit und Informationsaustausch mit Behörden, Bildungsträgern, Arbeitgebern, Vermietern, Ehrenamtlichen und Institutionen, wobei stets die Hilfe zur Selbsthilfe das Ziel sei.

436 Geflohene aus 16 Nationen

436 Geflohene aus 16 Nationen leben derzeit in Oberndorf, was rund drei Prozent der Bevölkerung entspricht. 70 Prozent sind maximal 18 Jahre alt. 379 Personen (87 Prozent) haben eine Flüchtlingsanerkennung, subsidiären Schutzstatus oder Abschiebeschutz. 57 Personen befinden sich im Asylverfahren oder haben eine Duldung. Mit 47 Prozent stammt die größte Gruppe aus Syrien, gefolgt vom Irak (9 Prozent) und acht Prozent ungeklärter Staatsbürgerschaft. Wohnhaft sind die Geflüchteten in der Talstadt (124 Personen), in der Oberstadt (114), in der Neckarvorstadt (50) und auf dem Lindenhof (49). Bei den Stadtteilen liegt Aistaig (44 Personen) vor Bochingen (15), Hochmössingen und Beffendorf (je 14). Eine Person wohnt in Altoberndorf, die restlichen drei in Boll.

Erstaunlich war für Schmidtke, dass 2020 mit 91 Personen 20 Geflohene mehr nach Oberndorf kamen als 2016. Aktuell liegt der Anteil der Afghanen bei 20 Personen (5 Prozent). "Wir sind gespannt, was uns von dort in den nächsten Jahren erwartet", nahm Schmidtke Bezug auf die dortige Machtübernahme durch die Taliban und den Truppenabzug aus Kabul.

"Sprache ist der Schlüssel zur Gesellschaft", betonte Schmidtke. Um besser auf die Betroffenen eingehen zu können, besuchte sie zwei Fortbildungen zur transkulturellen Traumapädagogik und systemischen Traumatherapie. Sie befürworte die dezentrale Unterbringung. Jedoch sei die fehlende Mobilität ein großes Problem bei der Arbeitssuche, um etwa im Dreischichtbetrieb von Hochmössingen nach Bochingen zu gelangen.

Probleme bei Wohnungssuche oder Mülltrennung

Probleme gab es laut Baumgartner bei der Wohnungssuche, der Mülltrennung oder mit hohen Nebenkosten in alten Gebäuden.

In der Pandemie zogen sich einige Ehrenamtliche aus Gründen des Selbstschutzes zurück, der harte Kern sei noch dabei, erfuhr Ruth Hunds (SPD) auf Rückfrage. Für eine steigende Impfquote unter den Geflüchteten leiste man Überzeugungsarbeit. Einige verloren ihren Job oder hatten Kurzarbeit und mussten bei Anträgen für Hilfeleistungen unterstützt werden. Ausgebremst wurde das Vereinsleben, doch beim Oberndorf-Slam wird ein iranischer Sänger erneut dabei sein.

Sigmar Wehner (FWV) fragte nach den Erfolgschancen, die die Integrationsmanager bei den 87 Prozent mit Bleiberecht als gut einstufte. Laut Erfahrung von Amtsleiter Peter Sickinger (Öffentliche Ordnung) ist eine erfolgreiche Integration mit viel Beistand von Ehrenamtlichen innerhalb von zwei bis drei Jahren zu schaffen, andernfalls dauere es vier bis fünf Jahre. Je weniger Ehrenamt, umso mehr laufe es auf städtische Mitarbeiter hinaus.

Dieter Rinker (FWV) erkundigte sich nach Fällen ohne Bleibeperspektive. Sie werden zur Rückkehr beraten. Teilweise gab es Probleme wie Alkohol oder Ladendiebstahl. Die Vollzeitstellen beider Integrationsmanager sind bis Jahresende befristet. Darüber werde noch beraten, kündigte Acker an.

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