Obwohl der Gemeinderat vor rund zehn Monaten beschlossen hatte, eine weitere Unterkunft für Flüchtlinge im Belli in Überauchen zu bauen, wird es bereits wieder eng.
Die Zahl der Flüchtlinge, die im Schwarzwald-Baar-Kreis untergebracht werden müssen, nehme schon wieder zu, so Bürgermeister Michael Schmitt in der Gemeinderatsitzung.
Von den Ukrainern, deren Aufenthaltsrecht derzeit bis März 2024 befristet sei, beabsichtigen laut Schmitt rund 44 Prozent noch einige Jahre oder sogar für immer in Deutschland zu bleiben. Hauptamtsleiter Martin Weißhaar berichtete, dass mit Stand 5. September 154 Geflüchtete in Brigachtal untergebracht sind, davon stammen 81 aus der Ukraine und 73 aus weiteren Ländern. Trotzdem bestehe aktuell noch eine Aufnahmeverpflichtung von vier Flüchtlingen aus der Ukraine und einer Person aus einem anderen Land, wie es weitergehe sei ungewiss.
49 Flüchtlinge wohnen in kommunalen Unterkünften, 17 in durch die Gemeinde angemieteten Wohnungen, sieben in Privatunterkünften, so Weißhaar. Ein weiteres Gebäude mit fünf Wohneinheiten werde im Belli gebaut. Die Errichtung temporärer Wohneinheiten werde zur Zeit geprüft, ebenso die Anmietung von zwei weiteren privaten Objekten, ergänzte er.
„Der kommunale Wohnraum ist komplett ausgeschöpft“, betonte Schmitt. Der Erwerb weiterer privater Immobilien sei derzeit nicht geplant, berichtete er weiter und kam zum Thema Schulen: „Die Schulklassen hier sind voll, wenn weitere Kinder aus der Ukraine zur Schule gehen wollen, bekommen wir Probleme“, so der Bürgermeister.
Probleme zu erwarten bei der Kinderbetreuung
Auch mit der Kinderbetreuung würden Probleme auf die Gemeinde zukommen: Viele Flüchtlinge aus der Ukraine seien Mütter mit Kindern, die Kitaplätze benötigen, wenn sie auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen wollen, gab Schmitt zu bedenken. Dazu komme, dass diese Kinder wie auch die Erwachsenen Sprachunterricht benötigen. Da sei der Fachkräftemangel groß, so Schmitt. „Unsere Gemeinde hat seit dem Frühjahr 2022 enorme Anstrengungen unternommen, um der Aufnahmeverpflichtung nachzukommen, wir haben von den Bürgern und Bürgerinnen sehr viel Unterstützung erhalten, trotzdem benötigen wir noch mehr Hilfe“, warb er für mehr Engagement.
Alle Möglichkeiten ausschöpfen
Der Landkreis bitte die Kommunen, alle Möglichkeiten zur Unterbringung auszuschöpfen, ansonsten werde er auf die Hallen zugreifen, nannte er eine unerwünschte Lösung. Josef Vogt forderte: „Wir müssen als Gemeinde auch mal artikulieren, was man uns nicht mehr zumuten kann.“ Es komme auch immer wieder vor, dass einige Leute sagen: „Die Arbeit bei Ihnen ist gut, aber mein Bürgergeld ist höher, also komme ich nicht mehr. So etwas geht gar nicht“, so Vogt. Jürgen Kaltenbach monierte: „Wir schlucken jede Kröte, haben diese Menschen eine Asylberechtigung oder sind sie geduldet?“ An diesem Thema sei man dran, so Schmitt. Der Gemeinderat nahm die Ausführungen zur Kenntnis.