Die Bad Dürrheimer wollen helfen. Nach der Info-Veranstaltung kamen viele Besucher mit den Organisatoren ins Gespräch und nahmen die bereitgelegten Formulare zum Anbieten von Hilfeleistungen mit. Foto: Kaletta

Das ehrenamtliche Engagement in Bad Dürrheim ist sehr ausgeprägt. Viele Bürger haben sich gemeldet, um ihre Hilfe für die Flüchtlinge aus der Ukraine anzubieten.

Bad Dürrheim - Es werden sicher noch mehr, blickte Fachbereichsleiter Markus Stein voraus und informierte anlässlich des Info-Abends wie hilfsbereite Bürger sich sinnvoll einbringen können. Gesammelt werden nun Vorschläge und Angebote, um die Hilfe gezielt einsetzen zu können.

Derzeit seien 110 Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine in der Kurstadt, über 70, meist Frauen und Kinder konnten dank der Familie Limberger im Hotel Solegarten untergebracht werden. Voraussichtlich müsse Bad Dürrheim insgesamt 270 Personen aufnehmen. Ziel der Stadt sei es, herauszufiltern, wo Handlungsbedarf sei, wo man die Helfer einsetzen kann und welche Maßnahmen Priorität haben. Es müsse einiges vorbereitet werden, um den größten Flüchtlingsstrom nach dem zweiten Weltkrieg zu bewältigen, verdeutlichte Stein.

Viele Helfer in geordnete Bahnen lenken

Integrationsbeauftragter Uwe Hüls sprach von einem Strom, den man nicht vorhersehen kann, daher sei es wichtig, alles in geordnete Bahnen zu bringen. Mehrere Stufen gäbe es für die Integration der Flüchtlinge. Durch den Einsatz von Privatpersonen, den Kirchengemeinden, dem DRK, dem Verein Menschen in Not und den Freunden des Rotary-Clubs könne bereits viel geboten werden. Frühstück und täglich eine warme Mahlzeit im Hotel Solegarten, eine medizinische Erstversorgung, eingerichtet wurde eine Kleiderkammer, Hilfe bei der Registrierung, Sozialberatung und Seelsorge sowie Erste Hilfe für geflüchtete Tiere, angeboten von der Tierklinik in Bad Dürrheim.

Dringend werde weiterhin abgeschlossener Wohnraum für mindestens sechs Monate gesucht. Gut gemeint, aber schwierig könnte es werden, Personen im eigenen Haushalt aufzunehmen, machte Hüls deutlich. Das Wohnzimmer werde nachts zu einem Matratzenlager, das Badezimmer sei stets belegt. Letztendlich ein Zustand der für alle Beteiligten belastend sein kann.

Kindergruppe wäre schön

Geklärt werden müsse, wie den Kindern geholfen werden kann. Geplant sei, ohne große Formalitäten eine Kindergruppe einzurichten. Schön wäre es, zu deren Betreuung Mütter zu finden, die sich ehrenamtlich einsetzen. Gerne wird auch die Hilfe von handwerklichen Tätigkeiten angenommen. Ebenso von Lehrern und Ärzten sowie Dolmetschern und sinnvolle Angebote für die Freizeit.

Gesucht werden Paten, die mit Fahrten zum Einkauf oder zum Arzt zur Verfügung stehen, oder einfach mal da sind, um die oftmals traumatisierten Menschen an die Hand zu nehmen. Sprachschwierigkeiten sollten kein Verhinderungsgrund sein. "Das Herz sprechen lassen", ermunterte Hüls.

Antworten dauern etwas länger

"Wir sind jetzt in einer Findungsphase, Angebot und Nachfrage müssen sortiert werden", sagte Maria Bucher, zuständig für Bürgerschaftliches Engagement und Koordination Ehrenamt. Jeder, der helfen möchte sei willkommen. Sie bat um Geduld und Verständnis, da oftmals die Zeit nicht ausreiche, um alle Angebote und Fragen der Helfer umgehend zu beantworten. Geplant sei nun, alles zusammen zu fassen, damit im Bedarfsfall die erforderliche Hilfe eingesetzt werden kann.

Eine Besucherin regte an, dass es auch gut wäre, wenn die Helfer bereit seien, sich mit der ukrainischen Sprache vertraut zu machen. Beifall gab es für einen Bürger, der, wie er sagte, aus Kasachstan komme und noch nicht lange in Bad Dürrheim lebe. Er wohne alleine in einem großen Haus, habe Wohnraum zur Verfügung gestellt und sei bereit, Sprachunterricht zu geben. In Augenhöhe mit den Menschen ins Gespräch kommen und dafür sorgen, dass die Zeit in Bad Dürrheim für sie keine verlorene Lebenszeit ist, wünschte Hüls.